Unterschied zwischen Berufsunfähigkeit und Erwerbsunfähigkeit
Der Verlust der eigenen Arbeitskraft wäre für die meisten Berufstätigen existenzgefährdend. Denn wenn Lohn bzw. Gehalt wegfallen, ist der gewohnte
Lebensstandard oft nicht mehr zu halten. Aber Herz-/Kreislauf-, Stoffwechsel-, Krebs- und psychische Erkrankungen machen auch vor vermeintlich risikoarmen Jobs keinen Halt. Nerven-
und psychische Erkrankungen sind mit über 34 % derzeit sogar die Hauptursache von Berufsunfähigkeit. Dabei müssen diese nicht zwingend Folge der
beruflichen Tätigkeit sein. Auch psychische Belastungen in der Familie können zur Berufs- oder sogar zur Erwerbsunfähigkeit führen.
Deshalb ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung sinnvoll. Sie bietet den umfassendsten Schutz. Eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung ist zwar preiswerter, bietet aber auch deutlich geringeren Schutz.
Worin unterscheiden sich Berufsunfähigkeit und Erwerbsunfähigkeit?
Berufsunfähigkeit (BU)
Berufsunfähig ist, wer seinen zuletzt ausgeübten Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr zu einem bestimmten Prozentsatz (bei den meisten Tarifen 50 %) ausüben kann.
Dabei wird ganz konkret geprüft, wie sich die zuletzt in gesunden Tagen ausgeübte Tätigkeit vollzogen hat. Denn beispielsweise ein Arzt kann überwiegend am Schreibtisch sitzen und ärztliche Gutachten erstellen. Er kann aber auch im Krankenhaus im Schichtbetrieb und überwiegend behandelnd tätig sein. Trotz gleicher gesundheitlicher Beschwerden kann sich daraus ein völlig anderer Grad der Berufsunfähigkeit ergeben.
Wichtig zu wissen: Der Versicherte gilt auch weiterhin als berufsunfähig und erhält die vereinbarten Leistungen (BU-Rente und Beitragsbefreiung), selbst wenn er sich eine andere Tätigkeit sucht – vorausgesetzt, diese neue Tätigkeit entspricht nicht seiner bisherigen Lebensstellung (soziale Wertschätzung und Einkommen vor Eintritt der gesundheitlichen Beschwerden).
Erwerbsunfähigkeit (EU)
Erwerbsunfähig ist, wer aus gesundheitlichen Gründen gar keinen Beruf des allgemeinen Arbeitsmarktes mehr eine bestimmte Zeit (meist 3 Stunden täglich) ausüben kann. Einige Versicherer fordern zusätzlich, dass auch bei einer zeitlich geringeren Erwerbstätigkeit kein Einkommen oberhalb der monatlichen Grenze für eine geringfügige Beschäftigung erzielt wird.
Der zuletzt ausgeübte Beruf und die bisher erreichte Lebensstellung spielen bei der Prüfung der Erwerbsunfähigkeit keine Rolle. Lediglich noch mögliche Tätigkeiten in speziell für Behinderte eingerichteten Arbeitsplätzen bleiben unberücksichtigt. Daraus wird deutlich: Nicht jeder Berufsunfähige ist auch gleich erwerbsunfähig.
Bei den meisten EU-Tarifen erfolgt auch die Beitragsbefreiung erst bei Erwerbsunfähigkeit. Wer also „nur“ berufsunfähig wird, muss die Beiträge weiterbezahlen – obwohl er auch dann schon Job und Einkommen verloren hat. Das ist insbesondere bei schleichenden bzw. in Schüben verlaufenden Krankheiten problematisch.
Wie hoch ist das Risiko, berufs- oder erwerbsunfähig zu werden?
Für die Kalkulation der Beiträge werden Gruppen mit vergleichbaren Berufsrisiken gebildet. Dabei erfolgt keine Unterscheidung zwischen männlichen und weiblichen Berufstätigen, da der Gesetzgeber einheitliche Beiträge vorgeschrieben hat. Je geringer das Risiko einer Berufs- bzw. Erwerbsunfähigkeit ist, desto niedriger sind auch die Beiträge für die entsprechende Versicherung. Befürworter bezeichnen diese Praxis als risikogerechte Prämienkalkulation – Kritiker als Rosinenpickerei.
Allerdings sind die Kosten einer Berufsunfähigkeitsversicherung auch von vielen anderen Faktoren abhängig.
Die nachfolgende Tabelle zeigt am Beispiel einer heute 25-jährigen Person, mit welcher statistischen Wahrscheinlichkeit ein Versicherer das Eintreten einer Berufs- bzw. Erwerbsunfähigkeit bis zur Vollendung des 65. Lebensjahres kalkuliert (Stand: 04/2026).
| Berufsbezeichnung | Wahrscheinlichkeit | |
|---|---|---|
| Berufsunfähigkeit | Erwerbsunfähigkeit | |
Student/in - Elektrotechnik Student/in - Humanmedizin Student/in - Zahnmedizin |
27 % | 24 % |
Bankkauffrau/-mann, Bürokauffrau/-mann Industriekauffrau/-mann Student/in - Tiermedizin |
30 % | 24 % |
Student/in - Philosophie |
32 % | 24 % |
Medizinische(r) Fachangestelle(r) Zahnmedizinische(r) Fachangestellte(r) |
33 % | 24 % |
Einzelhandelskauffrau/-mann Erzieher/in KFZ-Mechatroniker/in |
35 % | 24 % |
Industriemechaniker/in Physiotherapeut/in Verkäufer/in |
39 % | 25 % |
Elektriker/in Florist/in Lagerfacharbeiter/in |
44 % | 25 % |
Friseur/in Pflegefachmann/-frau Schreiner/in |
48 % | 26 % |
Fußpfleger/in Krankenpflegehelfer/in |
53 % | 27 % |
Maler/in und Tapezierer/in Straßenbauer/in Tankwart/in |
58 % | 28 % |
Fliesenleger/in |
65 % | 28 % |
Bäcker/in Baumaschinenführer/in Landmaschinenführer/in |
72 % | 32 % |
Was sagen diese Zahlen aus?
- Das Risiko, aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig aus dem Berufsleben ausscheiden zu müssen, ist in jedem Beruf vorhanden. Es ist jedoch unterschiedlich hoch. Doch wer zur Erhaltung des erreichten Lebensstandards auf das Einkommen aus seiner Berufstätigkeit angewiesen ist, sollte rechtzeitig vorsorgen und die versicherte Rente ausreichend vereinbaren. Denn wer ein niedrigeres Berufsrisiko hat, muss für seine Versicherung auch weniger zahlen. Haben sich aber bereits gesundheitliche Beschwerden eingestellt, kann eine umfassende Berufsunfähigkeitsversicherung teuer oder auch unmöglich werden.
- Die Berufsgruppeneinteilung erfolgt keinesfalls einheitlich. Unterscheidet eine Versicherung beispielsweise noch zwischen Krankenpfleger/in und
Kinderkrankenpfleger/in, so kann sich daraus eine ganz andere Risikobewertung ergeben. Denn eine Kinderkrankenschwester wird vermutlich weniger
schwere Patienten heben müssen und kann sich bei einem solchen Versicherer deutlich günstiger versichern. Gut, dass es Versicherungsmakler gibt,
die an keine Gesellschaft gebunden sind und mehrere Anbieter vergleichen können.

- Die Wahrscheinlichkeit einer Berufsunfähigkeit ist immer höher als die einer Erwerbsunfähigkeit. Bei physisch anstrengenden Berufen ist der Unterschied besonders hoch. Trotzdem empfehlen manche Vermittler gerade diesen Berufstätigen Erwerbsunfähigkeits-, Grundfähigkeits- oder andere Versicherungen als preiswerte Alternative zur Berufsunfähigkeitsversicherung. Doch auch Erwerbsunfähigkeitsversicherungen sind nur unbefriedigende Notlösungen. Diese sogenannten Alternativen sind zwar preiswerter, leisten aber auch entsprechend seltener.
- Besser ist es, frühzeitig zu handeln – also noch bevor ein sogenannter Risikoberuf erlernt wird oder Vorerkrankungen den Abschluss teuer machen. Einige leistungsstarke Versicherer bieten ihre Berufsunfähigkeitsversicherung schon für Schüler ab 6 bzw. ab 10 Jahren an. Mit dem rechtzeitigen Abschluss und dem richtigen Tarif können verantwortungsvolle Eltern ihrem Kind dauerhaft niedrige Beiträge sichern. Wir beraten Sie gern!
Informationen und Tipps zu ausgewählten Berufen:
Berufsunfähigkeitsversicherung für Kinder
Auch Ihr Kind wird einen Beruf erlernen und dann eine Berufsunfähigkeitsversicherung benötigen. So können Sie ihm dauerhaft niedrige Beiträge sichern …
Berufsunfähigkeitsversicherung für Ingenieure
Für Ingenieure gibt es viele Angebote, sich vor den finanziellen Folgen einer Berufsunfähigkeit zu schützen. Doch manchmal ist der Schutz auch lückenhaft.
BU-Schutz für Ärzte und Zahnärzte
Berufsunfähigkeit kann auch einen Arzt oder Zahnarzt treffen. Manche Ärzte merken erst dann, dass der Schutz über das Versorgungswerk unzureichend war.
Tipps für Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner
Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner haben viel Stress und körperliche Arbeit. Deshalb sind BU-Risiko und -beitrag hoch. Wir haben hierzu ein paar Tipps.
Berufsunfähigkeitsversicherung für Erzieher
Der Umgang mit Kindern macht Spaß, ist aber auch psychisch anstrengend. Deshalb ist eine rechtzeitige Absicherung für den Fall einer Berufsunfähigkeit wichtig.
Absicherung von FA für Medien- und Informationsdienste
Die Suche nach dem passenden Tarif wird schwer, wenn die Versicherer den Beruf nicht „kennen“.
Berufsunfähigkeitsversicherung für Handwerker
Für viele Handwerker ist der BU-Schutz schon mit Beginn der Ausbildung unbezahlbar. Gut, wenn die Eltern schon während der Schulzeit vorgesorgt haben.
Berufsunfähigkeit bei in Teilzeit Beschäftigten
Die Prüfung der Berufsunfähigkeit erfolgt anhand des zuletzt ausgeübten Berufs. Ohne gute Teilzeitklausel werden Teilzeitbeschäftigte aber benachteiligt.
Dienstunfähigkeitsversicherung für Beamte
Brauchen Beamte eine Berufs- oder eine Dienstunfähigkeitsversicherung, falls sie wegen Dienstunfähigkeit in den Ruhestand versetzt oder entlassen werden?
Künstler haben meist ein hohes Berufsunfähigkeitsrisiko und wenig Chancen auf bezahlbaren Schutz. Frühzeitige Vorsorge schafft Abhilfe.
