Wie hoch ist das Erwerbs- oder Berufsunfähigkeitsrisiko?

erstellt am 29.11.2018

Landmaschinenführer „Mir ist noch nie etwas passiert und in meinem Beruf kann ich gar nicht berufsunfähig werden.“ So denken viele junge Menschen, die einen vermeintlich risikoarmen Beruf erlernen oder ausüben. Aber ganz so einfach ist es nicht. Denn Nerven- und psychische Erkrankungen sind mit über 31% derzeit die Hauptursache von Berufsunfähigkeit – gefolgt von Erkrankungen des Bewegungsapparates. Dabei müssen diese Erkrankungen nicht zwingend Folge der beruflichen Tätigkeit sein. Auch psychische und physische Belastungen in der Freizeit können zu Erkrankungen führen, die eine Berufstätigkeit längere Zeit unmöglich machen. Deshalb kalkulieren Versicherer auch diese Risiken mit ein.

Was ist der Unterschied zwischen Berufs- und Erwerbsunfähigkeit?

Berufsunfähigkeit

Berufsunfähig ist, wer seinen zuletzt ausgeübten Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben kann.

Dabei wird ganz konkret geprüft, wie sich die zuletzt in gesunden Tagen ausgeübte Tätigkeit vollzogen hat. Denn beispielsweise ein Arzt kann überwiegend am Schreibtisch sitzen und ärztliche Gutachten erstellen. Er könnte aber auch im Krankenhaus im Schichtbetrieb und überwiegend behandelnd tätig sein.

Erwerbsunfähigkeit

Erwerbsunfähig ist, wer gar keinen Beruf des allgemeinen Arbeitsmarktes aus gesundheitlichen Gründen mehr ausüben kann.

Der zuletzt ausgeübte Beruf und die bisher erreichte Lebensstellung spielen dabei keine Rolle. Lediglich speziell für Behinderte eingerichtete Arbeitsplätze bleiben unberücksichtigt. Daraus wird deutlich, nicht jeder Berufsunfähige ist auch gleich erwerbsunfähig.

So kalkulieren Versicherer die Wahrscheinlichkeit einer Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit.

Für die Kalkulation der Beiträge werden Gruppen mit vergleichbaren Risiken gebildet. Dabei erfolgt keine Unterscheidung zwischen männlichen und weiblichen Berufstätigen, da der Gesetzgeber einheitliche Beiträge vorgeschrieben hat. Je geringer das Risiko einer Berufs- bzw. Erwerbsunfähigkeit ist, desto niedriger sind auch die Beiträge für den entsprechenden Versicherungsschutz. Befürworter bezeichnen diese Praxis als risikogerechte Prämienkalkulation – Kritiker als Rosinenpickerei.

Die nachfolgende Tabelle zeigt am Beispiel einer heute 25-jährigen Person, mit welcher statistischen Wahrscheinlichkeit ein Versicherer das Eintreten einer Berufs- bzw. Erwerbsunfähigkeit bis zur Vollendung des 65. Lebensjahres kalkuliert.

Berufsbezeichnung Wahrschein­lichkeit einer
Berufs­unfähigkeit Erwerbs­unfähigkeit
Bankkauffrau/-mann,
Bürokauffrau/-mann
Industriekauffrau/-mann
Student/in - Elektrotechnik
Student/in - Humanmedizin
30 % 24 %
Student/in - Philosophie
Student/in - Zahnmedizin
32 % 24 %
Medizinische(r) Fachangestelle(r)
Student/in - Tiermedizin
Zahnmedizinische(r) Fachangestellte(r)
33 % 24 %
Einzelhandelskauffrau/-mann
Erzieher/in
35 % 24 %
Industriemechaniker/in
KFZ-Mechatroniker/in
Verkäufer/in
39 % 25 %
Elektriker/in
Florist/in
Lagerfacharbeiter/in
Physiotherapeut/in
44 % 25 %
Friseur/in
Krankenpfleger/in
Schreiner/in
48 % 26 %
Fußpfleger/in
Krankenpflegehelfer/in
53 % 27 %
Maler/in und Tapezierer/in
Straßenbauer/in
Tankwart/in
58 % 28 %
Fliesenleger/in 65 % 28 %
Bäcker/in
Baumaschinenführer/in
Landmaschinenführer/in
72 % 32 %

Was sagen diese Zahlen aus?

  1. Das Risiko, aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig aus dem Berufsleben ausscheiden zu müssen, ist in jedem Beruf vorhanden. Es ist jedoch unterschiedlich hoch. Doch wer zur Erhaltung des erreichten Lebensstandards auf das Einkommen aus seiner Berufstätigkeit angewiesen ist, sollte rechtzeitig vorsorgen. Denn wer ein niedrigeres Risiko hat, muss für seine Absicherung auch weniger zahlen. Und haben sich erst einmal gesundheitliche Beschwerden eingestellt, kann die Berufsunfähigkeitsvorsorge teuer oder auch unmöglich werden.
  2. Die Berufsgruppeneinteilung erfolgt keinesfalls einheitlich. Unterscheidet ein Versicherer beispielsweise noch zwischen Krankenpfleger/in und Kinderkrankenpfleger/in, so kann sich daraus eine ganz andere Risikobewertung ergeben. Denn eine Kinderkrankenschwester wird vermutlich weniger schwere Patienten heben müssen und kann sich bei einem solchen Versicherer deutlich günstiger versichern. Gut, dass es Versicherungsmakler gibt, die an keine Gesellschaft gebunden sind und mehrere Anbieter vergleichen können.Augenzwinkern
  3. Die Wahrscheinlichkeit einer Berufsunfähigkeit ist immer höher, als die einer Erwerbsunfähigkeit. Bei physisch und psychisch anstrengenden Berufen ist der Unterschied besonders hoch. Trotzdem empfehlen manche Vermittler gerade diesen Berufstätigen Erwerbsunfähigkeits- Grundfähigkeits- oder andere Versicherungen als preiswerte Alternative. Doch auch Erwerbsunfähigkeitsversicherungen sind nur unbefriedigende Notlösungen. Diese sogenannten Alternativen sind zwar preiswerter, leisten aber auch entsprechend seltener.
  4. Besser ist es, frühzeitig zu handeln – also noch bevor ein sogenannter Risikoberuf erlernt oder ausgeübt wird. Einige Versicherer bieten auch Schülern schon einen vollwertigen Berufsunfähigkeitsschutz an. Mit dem rechtzeitigen Abschluss und dem richtigen Tarif können verantwortungsvolle Eltern ihrem Kind dauerhaft niedrige Beiträge sichern. Wir beraten Sie gern!

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