Worin besteht der Unterschied zwischen Berufsunfähigkeit und Erwerbsunfähigkeit?

aktualisiert am 15.06.2019

Landmaschinenführer „Mir ist noch nie etwas passiert und in meinem Beruf kann ich gar nicht berufs- oder erwerbsunfähig werden.“ So denken viele junge Menschen, die einen vermeintlich risikoarmen Beruf erlernen oder ausüben. Aber ganz so einfach ist es nicht. Denn Nerven- und psychische Erkrankungen sind mit über 31% derzeit die Hauptursache von Berufsunfähigkeit – gefolgt von Erkrankungen des Bewegungsapparates. Und wenn die Psyche streikt, ist man meist auch erwerbsunfähig. Dabei müssen diese Erkrankungen nicht zwingend Folge der beruflichen Tätigkeit sein. Auch psychische und physische Belastungen in der Freizeit können zu Erkrankungen führen, die eine Berufstätigkeit längere Zeit unmöglich machen.

Wie werden Berufsunfähigkeit und Erwerbsunfähigkeit definiert?

Berufsunfähigkeit

Berufsunfähig ist, wer seinen zuletzt ausgeübten Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr zu einem bestimmten Prozentsatz (bei den meisten Tarifen 50%) ausüben kann.

Dabei wird ganz konkret geprüft, wie sich die zuletzt in gesunden Tagen ausgeübte Tätigkeit vollzogen hat. Denn beispielsweise ein Arzt kann überwiegend am Schreibtisch sitzen und ärztliche Gutachten erstellen. Er könnte aber auch im Krankenhaus im Schichtbetrieb und überwiegend behandelnd tätig gewesen sein.

Erwerbsunfähigkeit

Erwerbsunfähig ist, wer aus gesundheitlichen Gründen gar keinen Beruf des allgemeinen Arbeitsmarktes mehr eine bestimmte Zeit (meist 3 Stunden täglich) ausüben kann.

Der zuletzt ausgeübte Beruf und die bisher erreichte Lebensstellung spielen dabei keine Rolle. Lediglich speziell für Behinderte eingerichtete Arbeitsplätze bleiben unberücksichtigt. Daraus wird deutlich, nicht jeder Berufsunfähige ist auch gleich erwerbsunfähig.

Wie unterschiedlich sind Erwerbs- und Berufsunfähigkeitsrisiko?

Für die Kalkulation der Beiträge werden Gruppen mit vergleichbaren Berufsrisiken gebildet. Dabei erfolgt keine Unterscheidung zwischen männlichen und weiblichen Berufstätigen, da der Gesetzgeber einheitliche Beiträge vorgeschrieben hat. Je geringer das Risiko einer Berufs- bzw. Erwerbsunfähigkeit ist, desto niedriger sind auch die Beiträge für die entsprechende Versicherung. Befürworter bezeichnen diese Praxis als risikogerechte Prämienkalkulation – Kritiker als Rosinenpickerei.

Allerdings sind die Kosten einer Berufsunfähigkeitsversicherung auch von vielen anderen Faktoren abhängig.

Die nachfolgende Tabelle zeigt am Beispiel einer heute 25-jährigen Person, mit welcher statistischen Wahrscheinlichkeit ein Versicherer das Eintreten einer Berufs- bzw. Erwerbsunfähigkeit bis zur Vollendung des 65. Lebensjahres kalkuliert.

Berufsbezeichnung Wahrschein­lichkeit einer
Berufs­unfähigkeit Erwerbs­unfähigkeit
Bankkauffrau/-mann,
Bürokauffrau/-mann
Industriekauffrau/-mann
Student/in - Elektrotechnik
Student/in - Humanmedizin
30 % 24 %
Student/in - Philosophie
Student/in - Zahnmedizin
32 % 24 %
Medizinische(r) Fachangestelle(r)
Student/in - Tiermedizin
Zahnmedizinische(r) Fachangestellte(r)
33 % 24 %
Einzelhandelskauffrau/-mann
Erzieher/in
35 % 24 %
Industriemechaniker/in
KFZ-Mechatroniker/in
Verkäufer/in
39 % 25 %
Elektriker/in
Florist/in
Lagerfacharbeiter/in
Physiotherapeut/in
44 % 25 %
Friseur/in
Krankenpfleger/in
Schreiner/in
48 % 26 %
Fußpfleger/in
Krankenpflegehelfer/in
53 % 27 %
Maler/in und Tapezierer/in
Straßenbauer/in
Tankwart/in
58 % 28 %
Fliesenleger/in 65 % 28 %
Bäcker/in
Baumaschinenführer/in
Landmaschinenführer/in
72 % 32 %

Was sagen diese Zahlen aus?

  1. Das Risiko, aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig aus dem Berufsleben ausscheiden zu müssen, ist in jedem Beruf vorhanden. Es ist jedoch unterschiedlich hoch. Doch wer zur Erhaltung des erreichten Lebensstandards auf das Einkommen aus seiner Berufstätigkeit angewiesen ist, sollte rechtzeitig vorsorgen. Denn wer ein niedrigeres Risiko hat, muss für seine Versicherung auch weniger zahlen. Und haben sich erst einmal gesundheitliche Beschwerden eingestellt, kann eine umfassende Berufsunfähigkeitsversicherung teuer oder auch unmöglich werden.
  2. Die Berufsgruppeneinteilung erfolgt keinesfalls einheitlich. Unterscheidet eine Versicherung beispielsweise noch zwischen Krankenpfleger/in und Kinderkrankenpfleger/in, so kann sich daraus eine ganz andere Risikobewertung ergeben. Denn eine Kinderkrankenschwester wird vermutlich weniger schwere Patienten heben müssen und kann sich bei einem solchen Versicherer deutlich günstiger versichern. Gut, dass es Versicherungsmakler gibt, die an keine Gesellschaft gebunden sind und mehrere Anbieter vergleichen können.Augenzwinkern
  3. Die Wahrscheinlichkeit einer Berufsunfähigkeit ist immer höher, als die einer Erwerbsunfähigkeit. Bei physisch anstrengenden Berufen ist der Unterschied besonders hoch. Trotzdem empfehlen manche Vermittler gerade diesen Berufstätigen Erwerbsunfähigkeits- Grundfähigkeits- oder andere Versicherungen als preiswerte Alternative zur Berufsunfähigkeitsversicherung. Doch auch Erwerbsunfähigkeitsversicherungen sind nur unbefriedigende Notlösungen. Diese sogenannten Alternativen sind zwar preiswerter, leisten aber auch entsprechend seltener.
  4. Besser ist es, frühzeitig zu handeln – also noch bevor ein sogenannter Risikoberuf erlernt wird oder Vorerkrankungen den Abschluss teuer machen. Einige leistungsstarke Versicherer bieten ihre Berufsunfähigkeitsversicherung schon für Schüler ab 10 Jahren an. Mit dem rechtzeitigen Abschluss und dem richtigen Tarif können verantwortungsvolle Eltern ihrem Kind dauerhaft niedrige Beiträge sichern. Wir beraten Sie gern!

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