Berufsunfähigkeitsversicherung für Ingenieure, Bachelors und Master

erstellt am 29.07.2019

Ingenieur auf Arbeit

Wer zur Erhaltung seines Lebensstandard auf sein Arbeitseinkommen angewiesen ist, braucht eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Dies gilt auch für Ingenieure, Bachelors und Master. Denn Krankheiten, die vorrangig zur Berufsunfähigkeit führen, machen auch um diese Akademiker keinen Bogen.

Die Absicherung vieler Akademiker

Auch wenn Sie in der gesetzlichen Rentenversicherung freiwillig oder pflichtversichert sind – im Falle einer Berufsunfähigkeit sollten Sie nicht auf die gesetzliche Erwerbsminderungsrente hoffen. Diese leistet bei allen nach dem 01.01.1961 Geborenen nur, wenn gar keine Tätigkeit des allgemeinen Arbeitsmarktes länger als drei Stunden (volle Erwerbsminderungsrente) bzw. länger als sechs Stunden (halbe Erwerbsminderungsrente) täglich ausübt werden kann. Außerdem müssen noch bestimmte versicherungs­technische Voraussetzungen (Beitragsjahre und Wartezeit) erfüllt sein. Die Höhe der vollen Erwerbsminderungsrente liegt dann bei ca. 30% des letzten Bruttoeinkommens und wäre sicherlich nicht ausreichend, den erreichten Lebensstandard eines Akademikers zu halten.

Wenn ein Ingenieur, Bachelor oder Master einem berufsständischen Versorgungswerk angehört, kann er unter bestimmten Voraussetzungen auch ein sogenanntes Ruhegeld bei Berufsunfähigkeit erhalten. Doch auch in diesem Fall sollten Sie sich die Satzung Ihres Versorgungswerks durchaus etwas genauer ansehen. Das macht keinen Spaß, ist aber sinnvoll. So steht beispielsweise in der Satzung des Versorgungswerkes der Ingenieurkammer Niedersachsen (Stand: 01.07.2019):

Anspruch auf Ruhegeld bei Berufsunfähigkeit hat ein Mitglied, das vor Erreichen der Regelaltersgrenze vorübergehend oder dauernd berufsunfähig wird. Berufsunfähig ist ein Mitglied, dessen Fähigkeit zur Ausübung einer jeden Erwerbstätigkeit in der zur Mitgliedschaft in der Ingenieurkammer Niedersachsen berechtigenden Berufe aus gesundheitlichen Gründen nicht nur vorübergehend umfassend entfallen ist.

Hier lauern also gleich drei Fallstricke:

  1. Leistungen erfolgen also erst, wenn gar keine Ingenieurstätigkeit mehr ausgeübt werden kann. Der zuletzt ausgeübte Beruf und die damit erreichte Lebensstellung bleiben unberücksichtigt.
  2. Die Berufsunfähigkeit darf nicht nur vorübergehend – sondern muss dauerhaft – sein.
  3. Die Berufsunfähigkeit muss umfassend – also nicht nur mindestens 50 Prozent – betragen.

Die Hürden für die Auszahlung des Ruhegeldes liegen damit ziemlich hoch. Das macht den Abschluss einer zusätzlichen privaten Berufsunfähigkeitsversicherung durchaus sinnvoll.

Worauf Ingenieure, Bachelors und Master bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung achten sollten.

Die Berufsgruppeneinstufung

Die beruflichen Tätigkeiten der Akademiker können sehr unterschiedlich sein. Deshalb ordnen die BU-Versicherer einem Bachelor of Science für Informatik eine ganz andere Berufsgruppe zu als einem Diplom-Agraringenieur oder einem Master of Education. Die Berufsgruppe entscheidet aber maßgeblich über die Höhe der Versicherungsbeiträge. Dies wollen wir mit der nachfolgenden Tabelle auch verdeutlichen. Allerdings mussten wir hier aus Gründen der Vergleichbarkeit die Versicherungs- und Leistungsdauer bei allen drei Beispielen auf 33 begrenzen, da die meisten Versicherer einem Master of Education keine längere Versicherungsdauer anbieten. Nachfolgend nun die Beiträge zur Berufsunfähigkeitsversicherung nach Tarif „BV10“ der „Alte Leipziger“ (Eintrittsalter: 30 Jahre; Versicherungs-/Leistungsdauer: 33 Jahre; versicherte BU-Rente: 1.500 €; Stand:01.07.2019):

Bachelor of Science
für Informatik

(ab 90% Bürotätigkeit)

49,24 €

(Tarifbeitrag: 63,14 €)

Diplom-Agraringenieur
 

(zwischen 0 und 100% Bürotätigkeit)

95,56 €

(Tarifbeitrag: 74,53 €)

Master of Education
 

(zwischen 0 und 100% Bürotätigkeit)

111,40 €

(Tarifbeitrag: 142,83 €)

Allerdings erfolgt die Berufsgruppen­differenzierung nicht einheitlich. Jede Versicherungs­gesellschaft hat ihren eigenen Berufsgruppen­katalog. Deshalb lohnt es sich durchaus, die Berufsunfähigkeitsversicherungen der verschiedenen Anbieter anhand des konkret ausgeübten Berufs zu vergleichen. Die meisten Akademiker werden jedoch in eine Berufsgruppe mit geringem Risiko eingestuft und müssen dadurch im Vergleich zu anderen Berufen deutlich geringere Beiträge bezahlen.

Unser Tipp!

Sollten Sie sich noch im Studium an einer Hochschule/Universität oder Fachhochschule befinden und nach dessen Abschluss einen risikoreichen Job ausüben wollen, so können Sie sich – je nach Studienfach – mit dem Abschluss der Berufsunfähigkeitsversicherung noch als Student dauerhaft niedrigere Beiträge sichern. Wir beraten Sie gern.

Die Versicherungsbedingungen

Allerdings sollten Sie beim Vergleich der Berufsunfähigkeitsversicherungen nicht nur auf den Beitrag, sondern vorrangig auf gute Versicherungsbedingungen achten. Unzureichende Bedingungen oder unklare Formulierungen können nach Eintritt einer Berufsunfähigkeit über Leistung oder Nicht-Leistung entscheiden. Ein Verzicht auf abstrakte Verweisung, klare Aussagen für den Fall einer konkreten Verweisung, ein verkürzter Prognosezeitraum und weltweiter Versicherungsschutz sollten selbstverständlich sein. Darüber hinaus können aber – je nach individueller Situation – auch weitere Klauseln wichtig werden.

  • Die Umorganisationsklausel für Selbstständige
    Bei Berufsunfähigkeit von Selbstständigen und Freiberuflern prüfen alle Versicherer, ob durch eine Umorganisation der Arbeitsabläufe innerhalb des Betriebes, der Praxis oder der Kanzlei der bisherige Beruf weiter ausgeübt werden könnte. Ist dies in zumutbarer Weise möglich, bleibt der Versicherer leistungsfrei. Allerdings gibt es inzwischen auch viele BU-Versicherer, die bei
    • einer zu erwartenden Einkommenseinbuße um mehr als 20%,
    • Betrieben mit weniger als 5 Mitarbeitern oder
    • Akademikern mit mindestens 90% kaufmännischer bzw. organisatorischer Tätigkeit
    auf die Prüfung der Umorganisation verzichten. Diesen Vorteil sollten sich diese selbstständig oder freiberuflich tätigen Akademiker nicht entgehen lassen.
  • Die Arbeitsunfähigkeitsklausel
    Ein Ingenieur, Bachelor oder Master übt meist psychisch anspruchsvolle Arbeiten aus. Dies und zusätzlicher Stress im beruflichen oder privaten Umfeld führen verstärkt zur Berufsunfähigkeit infolge psychischer Erkrankungen. Doch gerade bei psychischen Erkrankungen ist der Nachweis des Grades der Berufsunfähigkeit schwierig und häufig auch langwierig. Aber Leistungen aus der Berufsunfähigkeitsversicherung erfolgen erst, nachdem der vertraglich vereinbarte BU-Grad (meist 50 Prozent) nachgewiesen werden konnte. Deshalb bieten einige BU-Versicherer eine AU-Klausel an. Dadurch können zeitlich befristete Monatsrenten in Höhe der vereinbarten Berufsunfähigkeitsrente spätestens nach 6-monatiger ununterbrochener Arbeitsunfähigkeit auch ohne Nachweis des BU-Grades ausgezahlt werden. Dies ist ein durchaus empfehlenswerter Zusatzbaustein für gesetzlich Krankenversicherte ohne zusätzliche private Krankentagegeld-Versicherung. Inhaber einer privaten KTG-Versicherung sollten sich aber unbedingt auch über die Nachteile bzw. Voraussetzungen beim Zusammenspiel der AU-Leistungen mit ihrer privaten KTG-Versicherung informieren.
  • Statt einer großen, zwei kleinere Berufsunfähigkeitsversicherungen abschließen
    Die meisten Versicherer fordern bei BU-Renten über 2.500 € eine ärztliche Untersuchung und begrenzen daher auch die Nachversicherung auf diesen Betrag. Soll die versicherte Berufsunfähigkeitsrente über 2.500 € abgeschlossen oder später im Rahmen einer Nachversicherungsgarantie über 2.500 € erhöht werden, sind häufig zwei kleinere Berufsunfähigkeitsversicherungen besser, die später beide auf bis zu 2.500 € (insgesamt also auf 5.000 €) erhöht werden können.
    Vorteil: Durch die Aufsplittung der Berufsunfähigkeitsrente ersparen Sie sich eine ärztliche Untersuchung und die damit verbundenen, teilweise unbefristeten Fragen.
    Nachteil: Im Falle einer Berufsunfähigkeit müssen Sie bei beiden Versicherern einen Leistungsantrag stellen.

Berufsunfähigkeitsversicherung für VDI-Mitglieder:

Der Verein Deutscher Ingenieure e.V. (VDI) bietet seinen Mitgliedern eine private Berufsunfähigkeitsversicherung des HDI zu Sonderkonditionen an. Basis dieses Angebots ist der Tarif „EGO Top“, den Sie auch in unserem Vergleich finden. Die Versicherungsbedingungen dieses Tarif gehören zwar zu den TOP 10, trotzdem ist der Tarif nicht für jeden Ingenieur optimal. Dies trifft trotz der Sonderkonditionen auch auf den Versicherungsbeitrag zu.

Dies verdeutlicht der nachfolgende Vergleich der monatlichen Versicherungsbeiträge für einen 30-jährigen Ingenieur für Elektrotechnik bei einer monatlichen BU-Rente von 2.000 € bis zum 67. Lebensjahr (Stand: 01.07.2019):

die Bayerische
(Tarif Komfort)

60,71 €

(Tarifbeitrag 98,72 €)

MetallRente
(Tarif SBU)

69,59 €

(Tarifbeitrag 108,73 €)

HDI
(Sonderkonditionen VDI)

78,19 €

(Tarifbeitrag 104,26 €)

In diesem und einigen anderen Beispielen bleibt die Berufsunfähigkeitsversicherung des VDI in Kooperation mit dem HDI zumindest beitragsmäßig etwas blass. Deswegen empfehlen wir interessierten VDI-Mitgliedern, sich ein Angebot vom VDI unterbreiten zu lassen und dies dann mit den Angeboten ungebundener Versicherungsmakler zu vergleichen. Auch unser Online-Vergleich kann Ihnen dabei eine wertvolle Hilfe sein.

Wie viel kostet eine Berufsunfähigkeitsversicherung für Akademiker?