Für wen ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung sinnvoll?

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist sinnvoll für alle, die zur Erhaltung des gewohnten Lebensstandards auf ihr Arbeitseinkommen angewiesen sind. Denn Berufsunfähigkeit ist ein existenzbedrohendes Risiko. Fällt das Arbeitseinkommen infolge eines Unfalls oder einer schweren Krankheit mehrere Jahre oder sogar dauerhaft aus, droht ohne private Vorsorge der soziale Abstieg. Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente kann dies kaum verhindern. Sie ist hierfür viel zu niedrig und außerdem an verschiedene Voraus­setzungen gebunden.

Unwichtig ist diese Versicherung für vermögende Investoren, die ihren Lebensstandard allein aus ihren Kapitalerträgen und Mieteinnahmen finanzieren können.

Doch nicht jeder, der sie braucht, bekommt sie auch.

Die Gefahr einer Berufsunfähigkeit lauert in jedem Beruf. Bei Tätigkeiten mit körperlicher Belastung überwiegen Erkrankungen des Skelett- und Bewegungsapparates als Ursache – bei geistig anspruchsvollen und stressigen Tätigkeiten sind es psychische Erkrankungen. Doch häufig führen auch familiäre Probleme und Schicksalsschläge zu Erkrankungen der Psyche und letztlich zu Berufsunfähigkeit.

Deshalb ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung für alle Berufsgruppen sinnvoll. Wer ein geringeres Risiko hat, bezahlt auch niedrigere Beiträge. Ob dies sozial gerecht ist, sei mal dahin gestellt. Denn jede Berufsgruppe leistet ihren Beitrag zum Funktionieren unserer Gesellschaft. Und es ist für mich nicht nachvollziehbar, wenn wir in Krisenzeiten den Pflegekräften, Berufskraftfahrern und Müllentsorgern für ihre zuverlässige Arbeit applaudieren – beim Berufsunfähigkeitsschutz aber dann das Solidarprinzip vergessen und risikogerechte Beiträge fordern. Derzeit ist es aber so.

Für den Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung muss jeder Antragsteller umfangreiche Fragen

  • zu bereits erlittenen Vorerkrankungen innerhalb der letzten 5 bzw. 10 Jahre,
  • zur aktuell ausgeübten Berufstätigkeit und
  • zu bestehenden Freizeitrisiken (z. B. Berg-, Flug-, Kampf-, Motor- oder Wassersport)

beantworten. Wer diese Fragen falsch oder unvollständig beantwortet, verletzt seine vorvertragliche Anzeigepflicht und erhält dann im Falle einer Berufsunfähigkeit womöglich keine Leistungen – trotz jahrelanger Beitragszahlung.

Leitet der Versicherer aus den beantworteten Fragen jedoch ein erhöhtes Berufsunfähigkeitsrisiko ab, kann der Abschluss teuer oder gar unmöglich werden. Deshalb ist es sinnvoll, die Berufsunfähigkeitsversicherung bereits in jungen Jahren abzuschließen – also noch bevor erhöhte Gesundheits-, Berufs- oder Freizeitrisiken für den Versicherer erkennbar werden.

Tipp 1:

Erkrankungen kommen meist unverhofft. Warten Sie also nicht, bis gesundheit­liche Beschwerden an die Notwendigkeit einer Berufs­unfähigkeits­versicherung „erinnern“. Beantragen Sie die Versicherung so lange Sie gesund sind und diese ohne Risiko­zuschlag oder Leistungs­ausschluss bekommen.

Selbst harmlos erscheinende Beschwerden wie Rückenverspannungen, eine Gastritis oder eine Knieverletzung können die Antragstellung erschweren. Bei schwereren Erkrankungen droht häufig sogar eine Ablehnung.

Tipp 2:

Für handwerklich und körperlich Tätige ist der BU-Schutz teuer. Eltern, deren Kinder einen solchen Beruf erlernen wollen, sollten die Berufsunfähigkeitsversicherung für ihr Kind noch während der Schulzeit abschließen. Dann ist das Berufsrisiko für den Versicherer noch nicht absehbar und der Versicherungsschutz bezahlbar. Mit dem richtigen Tarif sichern Sie ihrem Kind so dauerhaft niedrige Beiträge.

Ähnliches gilt auch für Gymnasiasten, die nach dem Abitur eine Lehramt-Studium oder eine Karriere als Künstler beginnen wollen.

Ist eine Berufs­unfähig­keits­versicherung auch schon für Schüler, Azubis und Studenten sinnvoll?

Ja! Diese Antwort mag zunächst verwundern, denn diese Personen haben noch keinen echten Beruf. Außerdem ist das Risiko einer Berufsunfähigkeit in jungen Jahren vergleichsweise gering – allerdings auch nicht ausgeschlossen.

Der Hauptgrund für das eindeutige „Ja“ ist: Auch Jugendliche erleiden durch Krankheit, Stress oder Unfall gesundheitliche Beschwerden. Sie werden deswegen dank ihrer Konstitution und der medizinischen Möglichkeiten nur selten schul-, studier- bzw. berufsunfähig. Aber mit den erlittenen Vorerkrankungen kann es später eben schwierig bis unmöglich werden, eine Berufsunfähigkeitsversicherung sinnvoll abzuschließen.

Außerdem sind die Beiträge niedriger, wenn die Versicherung in jungen Jahren abgeschlossen wird.

Besonderheiten bei Schülern

Eine echte Berufsunfähigkeitsversicherung für Schüler kann bereits ab dem 10. Lebensjahr abgeschlossen werden. Für die Tarifauswahl ist wichtig, dass

  • im Falle einer Berufsunfähigkeit während der Schulzeit die Tätigkeit des Schülers versichert ist,
  • keine Nachmeldung bei erstmaliger Aufnahme einer Berufsausbildung, eines Studiums oder einer beruflichen Tätigkeit gefordert wird,
  • der Tarif auch später erstklassige Versicherungsbedingungen bietet – ganz gleich ob der Versicherte dann Azubi, Student, Arbeitnehmer oder selbstständig ist,
  • nach einem Wechsel in einen risikoärmeren Beruf eine Überprüfung Berufsgruppe und des Beitrags angeboten wird und
  • gute Möglichkeiten zur Erhöhung der versicherten BU-Rente während der Vertragsdauer existieren.

Für Schüler, die einen handwerklichen Beruf erlernen wollen, ist der Abschluss noch als Schüler meist die letzte Möglichkeit auf einen bezahlbaren BU-Schutz.

Besonderheiten bei Azubis

Beitragsmäßig werden Auszubildende entsprechend dem Berufsziel eingestuft. Deshalb sind die Beiträge für Azubis in Büroberufen niedrig, für Azubis in körperlich anstrengenden Berufen jedoch meist unbezahlbar.

Im Falle einer Berufsunfähigkeit während der Ausbildung gilt je nach Tarif der angestrebte Beruf oder die betriebene Ausbildung als versichert. Im letzteren Fall ist jedoch laut BGH-Urteil (Az. IV ZR 119/09) zusätzlich auch die damit angestrebte Berufstätigkeit heranzuziehen. Deshalb bieten diese Tarife mehr Möglichkeiten, Leistungsansprüche geltend zu machen.

Gilt dagegen nur das Berufsziel als versichert, stellt sich die Frage: "Wie sinnvoll ist diese Regelung, wenn ein Azubi mit seinen gesundheitlichen Beschwerden zwar den angestrebten Beruf ausüben könnte – aber die hierfür erforderliche Ausbildung nicht beenden kann?

Deshalb erscheint uns sinnvoller, wenn zur Prüfung der Berufsunfähigkeit die Berufsausbildung (festgelegt durch die Versicherungsbedingungen) und auch das angestrebte Berufsziel (festgelegt durch das BGH-Urteil) herangezogen wird.

Weitere Informationen hierzu finden Sie auf unserer Seite zur Berufsunfähigkeitsversicherung für Azubis.

Besonderheiten bei Studenten

Beitragsmäßig werden Studenten entsprechend der Studienrichtung eingestuft. Deshalb muss ein Informatik-Student bei den meisten Versicherern für seinen BU-Schutz deutlich weniger bezahlen als ein Lehramt-Student. Manche Studenten wie z. B. Sport- oder Musikstudenten sind gar nicht mehr versicherbar.

Bei Berufsunfähigkeit während des Studiums sollte die Prüfung anhand der Tätigkeiten im zuletzt betriebenen Studium erfolgen. Einige Versicherer legen auch das Mindestanforderungsprofil des Berufes zu Grunde, das dem angestrebten Studienabschluss entspricht. Eine solche Variante erscheint uns sehr streitanfällig. Denn es ist sehr wahrscheinlich, dass sich Ihre Vorstellungen von diesem Mindestanforderungsprofil deutlich von den diesbezüglichen Vorstellungen des Versicherers unterscheiden.

Bitte lesen Sie auch unsere weiteren Hinweise zur Berufsunfähigkeitsversicherung für Studenten.

Tipp für Selbstständige

Grundsätzlich können alle BU-Versicherer bei Selbstständigen prüfen, ob durch eine zumutbare Umorganisation der Arbeitsabläufe eine Berufsunfähigkeit vermieden werden kann.

Doch in welchem Rahmen ist eine Umorganisation zumutbar? Hierzu gab es in der Vergangenheit häufig unterschiedliche Auffassungen zwischen Versicherungsgesellschaft und Versicherten. Inzwischen verzichten immer mehr Versicherer – insbesondere bei Betrieben mit weniger als 5 Mitarbeitern – auf eine solche Umorganisation. Deshalb ist es sinnvoll, vor Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung auf den Wortlaut dieser Umorganisationsklausel zu achten. Weitere Informationen hierzu finden Sie auf unserem Artikel zur Berufsunfähigkeitsversicherung für Selbstständige.

Berufsunfähigkeitsversicherung sinnvoll dimensionieren

Beim Abschluss dieser Versicherung legen Sie die Versicherungs- und Leistungsdauer verbindlich fest. Sie kann nachträglich nicht mehr erhöht werden – es sei denn, der Gesetzgeber erhöht wieder das Renteneintrittsalter. Deshalb ist in der Regel eine Versicherungs- und Leistungsdauer bis zum voraussichtlichen Renteneintrittsalter sinnvoll. Denn es hilft wenig, sich beispielsweise bis zum 60. Lebensjahr gut abzusichern und danach in die Altersarmut zu stürzen.

Auch die Höhe der versicherten BU-Rente ist wichtig. Diese sollte so vereinbart werden, dass im Falle einer Berufsunfähigkeit alle erforderlichen Ausgaben zur Erhaltung des gewünschten Lebensstandards beglichen werden können. Ausnahmen gelten hierbei für Schüler, Azubis, Studenten und Berufsanfänger. Für sie ist es aus Budgetgründen meist sinnvoll, zunächst eine niedrigere BU-Rente zu versichern und diese später im Rahmen der Nachversicherungsgarantie ohne erneute Gesundheits- oder Risikoprüfung zu erhöhen.

Hier können Sie Beiträge und Versicherungsbedingungen
zur Berufsunfähigkeitsversicherung sinnvoll vergleichen: