Ist eine private Berufsunfähigkeitsversicherung sinnvoll?

Eine private Berufsunfähigkeitsversicherung ist für viele Menschen sinnvoll. Denn die meisten Berufstätigen verdanken den erreichten Lebensstandard ihrem Arbeitseinkommen. Fällt dieses infolge eines Unfalls oder einer schweren Krankheit mehrere Jahre oder sogar dauerhaft aus, droht ohne private Vorsorge der soziale Abstieg.

Berufsunfähigkeit kann jeden treffen und ist dann ein existenzbedrohendes Risiko. Laut offizieller Statistiken wird jeder vierte Arbeitnehmer vor Erreichen des gesetzlichen Renteneintrittsalters berufsunfähig. Auch die zunehmende Digitalisierung und Automatisierung in den Unternehmen hat daran nichts geändert – sondern lediglich die Gründe der Berufsunfähigkeit verschoben. So stellen aktuell psychische Erkrankungen und Nervenkrankheiten die Hauptursache dar.

Und die Erwerbsminderungsrente der „Deutschen Rentenversicherung“ kann die finanziellen Folgen einer Berufsunfähigkeit kaum verhindern. Diese zahlt die volle bzw. halbe Erwerbsminderungsrente erst, wenn der Versicherte gar keiner Tätigkeit des allgemeinen Arbeitsmarktes für mindestens 3 bzw. 6 Stunden mehr nachgehen kann. Außerdem ist die Auszahlung an weitere Voraussetzungen (Pflichtbeitragsjahre und Wartezeiten) gebunden und viel zu niedrig. Die Höhe der „Rente wegen voller Erwerbsminderung“ können Versicherte der Renteninformation entnehmen, die jährlich zugesandt wird.

Deshalb ist eine private Berufsunfähigkeitsversicherung wichtig für alle, die zur Erhaltung des gewohnten Lebensstandards auf das Einkommen aus ihrer Arbeit angewiesen sind.

Hier können Sie Beiträge und Versicherungsbedingungen zu Berufsunfähigkeitsversicherungen verschiedener Gesellschaften vergleichen:

Die private Berufsunfähigkeitsversicherung ist sinnvoll – bei verspätetem Abschluss aber unbezahlbar.

Die Gefahr einer Berufsunfähigkeit lauert nicht nur im Beruf. Auch Unfälle und Verletzungen im privaten Bereich bei Haushaltsarbeiten und Freizeitaktivitäten können die berufliche Karriere beenden. Häufig führen auch familiäre Probleme und Schicksalsschläge zu Erkrankungen der Psyche und letztlich zur Berufsunfähigkeit. Auch viele andere Krankheiten wählen ihre Opfer nicht anhand derer Berufe aus.

Bei Tätigkeiten mit körperlicher Belastung überwiegen Erkrankungen des Skelett- und Bewegungsapparates als Ursache – bei geistig anspruchsvollen und stressigen Tätigkeiten sind psychische Erkrankungen häufiger.

Deshalb ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung für alle Berufsgruppen sinnvoll. Wer ein geringeres Risiko hat, bezahlt auch niedrigere Beiträge. Ob dies sozial gerecht ist, sei mal dahin gestellt. Denn jede Berufsgruppe leistet ihren Beitrag zum Funktionieren unserer Gesellschaft. Und es ist für mich nicht nachvollziehbar, wenn wir in Krisenzeiten den Pflegekräften, Berufskraftfahrern und Müllentsorgern für ihre zuverlässige Arbeit applaudieren – beim Berufsunfähigkeitsschutz aber dann das Solidarprinzip vergessen und risikogerechte Beiträge fordern. Derzeit ist dies aber so.

Für den Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung muss jeder Antragsteller umfangreiche Fragen

  • zu bereits erlittenen Vorerkrankungen innerhalb der letzten 5 bzw. 10 Jahre,
  • zur aktuell ausgeübten Berufstätigkeit und
  • zu bestehenden Freizeitrisiken (z. B. Berg-, Flug-, Kampf-, Motor- oder Wassersport)

beantworten. Wer diese Fragen falsch oder unvollständig beantwortet, verletzt seine vorvertragliche Anzeigepflicht und erhält dann im Falle einer Berufsunfähigkeit womöglich keine Leistungen – trotz jahrelanger Beitragszahlung.

Deuten die Antworten auf diese Fragen auf ein erhöhtes Berufsunfähigkeitsrisiko hin, kann der Abschluss teuer oder lückenhaft werden. Denn dann ist die Absicherung häufig nur mit Risikozuschlägen oder Leistungsausschlüssen möglich. Im Extremfall kann der Abschluss der Versicherung sogar unmöglich werden.

Deshalb ist der frühzeitige Abschluss der Berufsunfähigkeitsversicherung sinnvoll – also noch bevor solche erhöhten Risiken für den Versicherer erkennbar werden. Erhöht sich das Risiko während der Vertragslaufzeit durch eine andere Berufstätigkeit oder durch ein neues, risikoreiches Hobby, muss dies bei nicht nachgemeldet werden. Ausnahmen gibt es nur bei wenigen Tarifen, wenn die Versicherung als Schüler oder Student abgeschlossen wurde.

Voraussetzung für eine sinnvolle Berufsunfähigkeitsversicherung ist der rechtzeitige Abschluss

Tipp 1:

Erkrankungen kommen unverhofft. Warten Sie also nicht, bis gesundheitliche Beschwerden an die Notwendigkeit einer Berufsunfähigkeitsversicherung „erinnern“. Beantragen Sie die Versicherung, so lange Sie gesund sind und diese ohne Risikozuschlag oder Leistungsausschluss bekommen.

Selbst harmlos erscheinende Beschwerden wie Rückenverspannungen, eine Gastritis oder Knieverletzung können die Antragstellung erschweren. Bei schwereren Erkrankungen droht häufig sogar eine Ablehnung.

Tipp 2:

Für handwerklich und körperlich Tätige ist der BU-Schutz teuer. Eltern, deren Kinder einen solchen Beruf erlernen wollen, sollten die Berufsunfähigkeitsversicherung für ihr Kind noch während der Schulzeit abschließen. Dann ist das Berufsrisiko für den Versicherer noch nicht absehbar und der Versicherungsschutz bezahlbar. Mit dem richtigen Tarif sichern Sie ihrem Kind so dauerhaft niedrige Beiträge.

Ähnliches gilt auch für Gymnasiasten, die nach dem Abitur ein Lehramt-Studium oder eine Karriere als Künstler beginnen wollen.

Lohnt sich die Berufsunfähigkeitsversicherung auch für Schüler, Azubis und Studenten?

Ja! Diese Antwort mag zunächst verwundern, denn diese Personen haben noch keinen echten Beruf. Außerdem ist das Risiko einer Berufsunfähigkeit in jungen Jahren vergleichsweise gering – allerdings auch nicht ausgeschlossen.

Der Hauptgrund für das eindeutige „Ja“ ist: Auch Jugendliche erleiden durch Krankheit, Stress oder Unfall gesundheitliche Beschwerden. Sie werden deswegen dank ihrer Konstitution und der medizinischen Möglichkeiten nur selten schul-, studier- bzw. berufsunfähig. Aber mit bereits erlittenen Vorerkrankungen kann es später schwierig bis unmöglich werden, eine Berufsunfähigkeitsversicherung sinnvoll und bezahlbar abzuschließen. Ratsam ist, den Vertrag noch jung und gesund abzuschließen.

Wichtig für Schüler

Eine echte Berufsunfähigkeitsversicherung für Schüler kann bereits ab dem 10. Lebensjahr abgeschlossen werden. Für die Tarifauswahl ist wichtig, dass

  • im Falle einer Berufsunfähigkeit während der Schulzeit die Tätigkeit des Schülers versichert ist,
  • keine Nachmeldung bei erstmaliger Aufnahme einer Berufsausbildung, eines Studiums oder einer beruflichen Tätigkeit gefordert wird,
  • der Tarif auch später erstklassige Versicherungsbedingungen bietet – ganz gleich ob der Versicherte dann Azubi, Student, Arbeitnehmer oder selbstständig ist,
  • nach einem Wechsel in einen risikoärmeren Beruf eine Überprüfung Berufsgruppe und des Beitrags angeboten wird und
  • gute Möglichkeiten zur Erhöhung der versicherten BU-Rente während der Vertragsdauer existieren.

Für Schüler, die einen handwerklichen Beruf erlernen wollen, ist der Abschluss noch als Schüler meist die letzte Chance auf einen bezahlbaren BU-Schutz.

Wissenswert für Azubis

Auszubildende werden entsprechend dem Berufsziel eingestuft. Deshalb sind die Beiträge für Azubis in Büroberufen niedrig, für Azubis in körperlich anstrengenden Berufen jedoch meist unbezahlbar.

Im Falle einer Berufsunfähigkeit während der Ausbildung gilt je nach Tarif der angestrebte Beruf oder die aktuelle Ausbildung als versichert. Im letzteren Fall ist jedoch laut BGH-Urteil (Az. IV ZR 119/09) zusätzlich auch die damit angestrebte Berufstätigkeit heranzuziehen. Deshalb bieten diese Tarife bessere Möglichkeiten, Leistungsansprüche geltend zu machen.

Gilt dagegen nur das Berufsziel als versichert, stellt sich die Frage, wie sinnvoll diese Regelung ist, wenn der Versicherte mit seinen gesundheitlichen Beschwerden zwar den angestrebten Beruf ausüben könnte – aber die hierfür erforderliche Ausbildung nicht beenden kann.

Deshalb ist für Auszubildende eine Berufsunfähigkeitsversicherung sinnvoll, bei der zur Prüfung der Berufsunfähigkeit die Berufsausbildung (festgelegt durch die Versicherungsbedingungen) und auch das angestrebte Berufsziel (festgelegt durch das BGH-Urteil) herangezogen wird.

Weitere Informationen hierzu finden Sie auf unserer Seite zur Berufsunfähigkeitsversicherung für Azubis.

Besonderheiten bei Studenten

Bei Studenten erfolgt die Berufsgruppeneinstufung anhand der Studienrichtung. Deshalb muss ein Informatik-Student bei den meisten Versicherern für den gleichen BU-Schutz deutlich weniger bezahlen als ein Lehramtsstudent.

Bei Berufsunfähigkeit während des Studiums sollte für die Ermittlung des BU-Grads die konkreten Tätigkeiten im Studium maßgeblich sein. Einige Anbieter legen aber das Mindestanforderungsprofil des Berufes zu Grunde, das dem angestrebten Studienabschluss entspricht. Eine solche Variante kann schnell zum Streit führen. Denn es ist sehr wahrscheinlich, dass sich Ihre Vorstellungen von diesem Mindestanforderungsprofil deutlich von den diesbezüglichen Vorstellungen des Versicherers unterscheiden.

Bitte lesen Sie auch unsere weiteren Hinweise zur Berufsunfähigkeitsversicherung für Studenten.

Wichtig für Selbstständige

Grundsätzlich können alle BU-Versicherer bei Selbstständigen prüfen, ob durch eine zumutbare Umorganisation der Arbeitsabläufe der Grad der Berufsunfähigkeit reduziert und dadurch eine Berufsunfähigkeit vermieden oder werden kann.

Doch in welchem Rahmen ist eine Umorganisation zumutbar? Hierzu gab es in der Vergangenheit häufig unterschiedliche Auffassungen zwischen Versicherungsgesellschaft und Versicherten. Inzwischen verzichten immer mehr Versicherer – insbesondere bei Betrieben mit weniger als 5 Mitarbeitern – auf eine solche Umorganisation. Deshalb ist es sinnvoll, vor Vertragsabschluss auf den Wortlaut dieser Umorganisationsklausel zu achten. Weitere Informationen hierzu finden Sie auf unserem Artikel zur Berufsunfähigkeitsversicherung für Selbstständige.

Hinweis für Beamte

Beamte auf Lebenszeit mit mehr als fünf Jahren Dienstzeit werden im Falle einer Dienstunfähigkeit in den Ruhestand versetzt und erhalten von ihrem Dienstherrn eine Versorgung, die mit der Dauer der Dienstzeit steigt. Damit sind diese Beamten deutlich besser gestellt, als andere Arbeitnehmer.

Für Beamte auf Probe und Beamte auf Widerruf trifft dies nicht zu. Für sie ist eine private Berufsunfähigkeitsversicherung – eventuell mit Dienstunfähigkeitsklausel – durchaus sinnvoll. Eine echte Dienstunfähigkeitsklausel verbessert zwar nicht zwingend den Versicherungsschutz, kann aber den Nachweis der Berufsunfähigkeit erleichtern. Denn dann sollten die Urkunde zur Ruhestandsversetzung und das amtsärztliche Zeugnis ausreichend sein.

Details über Ansprüche von Beamten bei Dienstunfähigkeit finden Sie hier in diesem Artikel des geschätzten Kollegen Philip Wenzel.

BU-Versicherung sinnvoll dimensionieren

Beim Abschluss dieser Versicherung legen Sie die Versicherungs- und Leistungsdauer verbindlich fest. Sie kann nachträglich nicht mehr erhöht werden. Nur wenn der Gesetzgeber wieder das Renteneintrittsalter erhöht, bieten einige Tarife eine Verlängerungsoption. Deshalb ist in der Regel eine Versicherungs- und Leistungsdauer bis zum voraussichtlichen Renteneintrittsalter sinnvoll. Denn es hilft wenig, sich beispielsweise bis zum 60. Lebensjahr gut abzusichern und danach in die Altersarmut abzurutschen.

Auch die Höhe der versicherten BU-Rente ist wichtig. Diese sollte so vereinbart werden, dass im Falle einer Berufsunfähigkeit alle erforderlichen Ausgaben zur Erhaltung des gewünschten Lebensstandards beglichen werden können. Ausnahmen gelten hierbei für Schüler, Azubis, Studenten und Berufsanfänger. Für sie ist es aus Budgetgründen meist notwendig, zunächst eine niedrigere BU-Rente zu versichern und diese später im Rahmen der Nachversicherungsgarantie ohne erneute Gesundheits- oder Risikoprüfung zu erhöhen.

Die Versicherungen haben meist Vertragslaufzeiten von 30 Jahren und mehr. Deshalb ist die Vereinbarung einer Beitragsdynamik wichtig. Dann kann die versicherte Rente jährlich angepasst werden, um den Kaufkraftverlust durch die Inflation auszugleichen.