Wenn die Kosten einer Berufsunfähigkeitsversicherung zu hoch sind ...

... dann können Sie versuchen, die Berufsunfähigkeitsversicherung zu optimieren und dadurch die Kosten zu senken. Insbesondere für Handwerker und andere körperlich Tätige ist ein angemessener BU-Schutz zwar wichtig – aber auch teuer. So mancher Vermittler empfiehlt für diese Berufsgruppen dann Erwerbsunfähigkeits-, Grundfähigkeits- oder Dread-Disease-Versicherungen als preiswerte Alternative zur Berufsunfähigkeitsversicherung. Doch diese Versicherungen sind zwar billiger. Sie bieten aber auch nur einen sehr eingeschränkten Versicherungsschutz und sind deshalb keine Alternativen – sondern maximal Notlösungen.

Wie können Sie die Kosten der Berufsunfähigkeitsversicherung niedrig halten?

Rechtzeitiger Abschluss

Die BU-Kosten sind bekanntlich vom Alter der zu versichernden Person bei Abschluss des Vertrags abhängig. Je früher die Versicherung abgeschlossen wird, desto niedriger sind die Beiträge. Auch der bei Antragstellung ausgeübte Beruf sowie eventuell vorhandene Hobbys (Auto-, Berg-, Flug-, Kampf-, Motorrad-, Reit-, Tauch-, Wasser-, Wintersport usw.) können ein besonderes Risiko darstellen und eine entscheidende Rolle spielen. Häufig führen auch bereits erlittene Vorerkrankungen zu Risikozuschlägen oder Leistungssauschlüssen. Deshalb ist es für eine Berufsunfähigkeitsversicherung mit niedrigen Kosten wichtig, diese noch vor Eintritt solcher Risiken abzuschließen.

Sollten Sie den rechtzeitigen Abschluss für sich verpasst haben, dann können Sie aber vielleicht Ihren Kindern dieses Problem ersparen. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist schon für Schüler ab 10 Jahren möglich und häufig auch sinnvoll.

Angebote verschiedener Gesellschaften vergleichen

Vergleichen Sie die Angebote verschiedener BU-Versicherer. Denn die Gesellschaften bewerten die Gesundheits-, Berufs- oder Freizeitrisiken teilweise sehr unterschiedlich.

So liegen derzeit (Stand 01.05.2020) die monatlichen Kosten einer Berufsunfähigkeits­versicherung mit 1.000 € bis zum 65. Lebensjahr für einen heute 25-jährigen, gesunden Fliesenleger je nach Versicherer zwischen 97 € (Alte Leipziger) und 237 € (Debeka).

Dabei liegen dem preiswerteren Tarif sogar deutlich bessere Versicherungs­bedingungen zugrunde als dem teureren. Grund für derartige unterschiedliche Kosten ist die jeweilige Berufsgruppeneinstufung der einzelnen Versicherer.

Ein ähnliches Bild ergibt sich für eine heute 25-jährige Krankenschwester. Hier liegen die monatlichen Zahlbeiträge für die Berufsunfähigkeitsversicherung mit 1.000 € bis zum 65. Lebensjahr je nach Versicherer zwischen 67 € (UniVersa) und 156 € (WWK).

Deshalb sollten Sie sich besser von einem Versicherungsmakler beraten lassen. Während ein Versicherungsvertreter Ihnen nur die Tarife seiner Gesellschaft empfehlen kann, ist der Versicherungsmakler an keine bestimmte Gesellschaft gebunden und kann für seine Empfehlung aus einer deutlich größeren Anzahl von Tarifen auswählen. Dabei wird er nicht nur auf niedrige Kosten sondern auch auf gute Versicherungsbedingungen achten.

Kosten einer Berufsunfähigkeitsversicherung

Beauftragen Sie Ihren Versicherungsmakler, auch synonyme Berufsbezeichnungen zu überprüfen.

Die Versicherer nutzen zur Beitragskalkulation bei Berufsunfähigkeitsversicherungen ein recht starres System. Anhand der Berufsbezeichnung und ein paar weiterer Angaben (wie z. B. Ausbildung, Büro- und Reisetätigkeit sowie Personalverantwortung) erfolgt eine Einstufung in eine Berufs- bzw. Risikogruppe. Aber dabei haben viele Versicherer offenbar schon selbst die Übersicht verloren. So gibt es nicht selten synonyme Berufsbezeichnungen, die in unterschiedliche Gruppen eingestuft werden. Dadurch berechnen sich dann auch sehr unterschiedliche Beiträge.

Hierzu ein aktuelles Beispiel:

Die Dialog Lebensversicherungs-AG berechnet für einen 30-jährigen Maschinenschlosser mit 1.500 € BU-Rente bis zum 67. Lebensjahr einen monatlichen Zahlbeitrag in Höhe von knapp 228 € – für einen 30-jährigen Industriemechaniker jedoch nur 91 €.

Dabei handelt es sich laut Bundesagentur für Arbeit um synonyme Berufsbezeichnungen. Aber auch Allianz, Alte Leipziger, AXA, Bayerische, HDI, Nürnberger und Stuttgarter haben zum Zeitpunkt dieser Untersuchung hierfür ähnlich unterschiedliche Kosten berechnet.

Trotzdem sollten Sie im Antrag nicht eigenmächtig die günstiger eingestufte Berufsbezeichnung angeben, wenn in Ihren Arbeitsunterlagen etwas anderes angegeben ist. Aber ein guter Versicherungsmakler wird dem Versicherer eine Tätigkeitsbeschreibung mit Hinweis auf diese Diskrepanz einreichen und mit großer Wahrscheinlichkeit die bessere Einstufung erreichen.

Synonyme Berufsbezeichnungen

Unnötige Erweiterungen vermeiden

Eine zuverlässige finanzielle Absicherung im Falle einer Berufsunfähigkeit ist wichtig und hierzu muss der Tarif auch einige zwingend notwendige Klauseln zur Definition des Begriffs „Berufsunfähigkeit“ enthalten. Darüber hinaus gibt es jedoch auch Klauseln und Zusatzpakete für zahlungskräftige Kunden, die zwar ganz nett – aber für einen guten BU-Schutz nicht zwingend erforderlich sind. Prüfen Sie also, ob Ihre Berufsunfähigkeitsversicherung wirklich zusätzlich noch einen Pflege- und/oder Dread-Disease-Baustein enthalten muss.

Auch bezüglich der Leistungsdynamik ergeben sich möglicherweise Einsparmöglichkeiten. Natürlich sollte sich im Falle einer langjährigen Berufsunfähigkeit die ausgezahlte Berufsunfähigkeitsrente jährlich erhöhen, um den Kaufkraftverlust durch die Inflation auszugleichen. Aber Versicherer mit Sitz (nicht Niederlassung) in Deutschland bieten standardmäßig schon eine Leistungsdynamik aus der Überschussbeteiligung. Diese ist zwar nicht für die gesamte Vertragsdauer garantiert, liegt aber je nach Versicherer derzeit zwischen 1 und 2 %.

Insofern muss die Frage erlaubt sein, ob zusätzlich zu dieser möglichen Leistungsdynamik aus der Überschussbeteiligung unbedingt noch eine kostenintensive, garantierte Leistungsdynamik erforderlich ist. Denn wir haben haben mal nachgerechnet:

  • 1 % garantierte Leistungsdynamik erhöhen den Beitrag um durchschnittlich 6,6 % und
  • 3 % garantierte Leistungsdynamik erhöhen den Beitrag um durchschnittlich 21,7 %

Prüfen Sie daher, ob und in welcher Höhe Sie eine garantierte Leistungsdynamik wirklich benötigen.

Bitte beachten Sie jedoch:

Versicherer, die in Deutschland lediglich eine Niederlassung betreiben (z. B. Canada Life und Getsurance) kennen keine Überschussbeteiligung und bieten daher auch keine mögliche Leistungsdynamik an. Bei Tarifen dieser BU-Versicherer ist der Einschluss einer garantierten Leistungsdynamik dringend zu empfehlen.

Rentenhöhe und Versicherungsdauer optimal festlegen

Eine unnötig hohe Berufsunfähigkeitsrente oder unnötig lange Versicherungsdauer treiben die Kosten ebenfalls in die Höhe. Im Falle einer Berufsunfähigkeit muss die BU-Rente nicht einen bestimmten Prozentsatz Ihres Einkommens absichern. Sie soll die Ausgaben zur Erhaltung des von Ihnen gewünschten Lebensstandards decken. Unter Umständen ergeben sich Einsparpotentiale, wenn Sie die Höhe der Berufsunfähigkeitsrente bedarfsgerecht ermitteln.

Manche Ausgaben fallen lebenslang an und sollten bis zum voraussichtlichen Renteneintrittsalter abgesichert werden. Andere Ausgaben, wie z. B.

  • für Schule und Ausbildung der Kinder,
  • Unterhaltsverpflichtungen oder
  • Zins- und Tilgungsraten für ein Immobiliendarlehen

enden vielleicht deutlich eher und könnten mit einer kürzeren Versicherungs- und Leistungsdauer abgesichert werden. In einem solchen Fall spricht nichts dagegen, statt einer Berufsunfähigkeitsversicherung zwei Versicherungen mit unterschiedlicher Dauer abzuschließen – durchaus auch bei der gleichen Gesellschaft.

Zur Verdeutlichung:

Versichert ein 30-jähriger Fliesenleger 1.500 € BU-Rente bis zum 67. Lebensjahr, so muss er hierfür bei einem preiswerten Anbieter monatlich ca. 219 € bezahlen. Versichert er beim gleichen Anbieter dagegen 1.000 € BU-Rente bis zum 67. Lebensjahr und 500 € BU-Rente nur bis zum 55. Lebensjahr (weil Ausgaben in dieser Höhe dann entfallen), reduziert sich sein monatlicher Zahlbeitrag auf 174 €. Das entspricht einer Ersparnis von über 20 %.

Notlösungen, wenn die Kosten immer noch zu hoch sind

Wenn die oben vorgeschlagenen Maßnahmen ausgereizt und die Kosten immer noch zu hoch sind, gibt es nur noch unbefriedigende Notlösungen. Denn alle nun aufgeführten Maßnahmen zur weiteren Kostensenkung schränken auch den Versicherungsschutz drastisch ein.

Kürzung der Versicherungsdauer

Die Versicherungsdauer hat einen sehr großen Einfluss auf die Kosten. Je länger die Dauer, desto höher sind die Beiträge.

Bei einer Verkürzung der Versicherungsdauer vom 67. Lebensjahr auf das 65. Lebensjahr reduzieren sich die Beiträge für einen 30-jährigen um durchschnittlich 15 %, bei einer Verkürzung der Versicherungsdauer auf das 60. Lebensjahr sogar um etwa 42 %. Bei einem höheren Eintrittsalter fallen die Einsparungen noch höher aus.

Bitte bedenken Sie aber:
Im Falle einer späten bzw. dauerhaften Berufsunfähigkeit erhalten Sie dann auch 2 bzw. 7 Jahre lang keine Leistungen. Bei monatlich 1.500 € versicherter Rente sprechen wir immerhin von 36.000 € bzw. 126.000 €.

Und eine zu kurz vereinbarte Versicherungs­dauer lässt sich i.d.R. auch nicht nachträglich korrigieren.

Deshalb ist eine Berufsunfähigkeits­versicherung mit kürzerer Versicherungs- und Leistungsdauer zwar grundsätzlich möglich – aber auch nur eine Notlösung.

Reduzierung der BU-Rente

Zwischen versicherter BU-Rente und Kosten gibt es eine nahezu lineare Korrelation. Wird die BU-Rente um 25 % gekürzt, reduzieren sich auch die Beiträge um etwa 25 %.

Ist die BU-Rente jedoch zu gering, kann im Falle einer Berufsunfähigkeit der gewünschte Lebensstandard vermutlich nicht erhalten werden.

Nutzlos kann eine BU-Rente auf Hartz-IV-Niveau werden, wenn Sie bzw. die Mitglieder Ihrer Bedarfs­gemeinschaft durch die Berufsunfähigkeit hilfebedürftig nach § 9 SGB II werden. Denn die BU-Rente wird dann als Einkommen angerechnet und reduziert die Sozialleistungen.

Andererseits kann auch eine kleine BU-Rente ein wichtiger Einkommensbestandteil sein, um gerade ein Abgleiten in die Sozialhilfe zu vermeiden. Es kommt auf die individuelle Situation an, in welcher Höhe eine BU-Rente noch sinnvoll ist.

Eine anfänglich zu geringe BU-Rente kann jedoch häufig später durch eine Nachversicherung erhöht werden.

Ausweichen auf andere Produkte

Häufig werden auch andere Versicherungsprodukte, wie beispielsweise Erwerbs­unfähigkeits­versicherungen oder Grundfähigkeits­versicherungen (GF-Versicherung) als sogenannte preiswerte Alternativen angeboten.

Betrachten wir das Problem an einem konkreten Beispiel:
Eine GF-Versicherung ist zweifellos deutlich preiswerter als eine Berufsunfähigkeitsversicherung und kann daher relativ kostengünstig mit hoher Rente vereinbart werden. Aber wir sollten uns auch fragen, warum sie preiswerter ist. Denn die Grundfähigkeitsrente wird nur in dem deutlich unwahrscheinlicheren Fall des Verlusts einer der versicherten Grundfähigkeiten gezahlt.

Die GF-Versicherung erbringt jedoch gar keine Leistungen, wenn der Versicherte „nur“ berufsunfähig wird, ohne eine Grundfähigkeit zu verlieren. Und dieser Fall ist deutlich wahrscheinlicher. Dann muss der Versicherte sogar noch die Beiträge für seine GF-Versicherung weiter bezahlen, da sie keine Beitrags­befreiung bei Berufsunfähigkeit enthält.

Berechnen Sie jetzt die Kosten Ihrer Berufsunfähigkeitsversicherung