Berufsunfähigkeitsversicherung – Kosten niedrig halten

Wie viel eine Berufsunfähigkeitsversicherung kostet, hängt von mehreren Faktoren ab. Für Berufstätige mit hohem Risiko (z. B. Handwerker und andere körperlich Tätige) oder Personen mit gefährlichen Hobbys ist ein angemessener BU-Schutz zwar wichtig – aber auch teuer.

Deshalb sollten Sie Ihre Berufsunfähigkeitsversicherung unbedingt rechtzeitig abschließen, also noch bevor

  • eine Berufstätigkeit mit hohem BU-Risiko,
  • eine gefährliche Freizeitbeschäftigung oder
  • bereits vorhandene gesundheitliche Beschwerden

die Versicherung teuer oder sogar unmöglich machen. So lassen sich die Kosten am einfachsten niedrig halten.

Der Online-Vergleich gibt Ihnen einen Überblick über die Beiträge bei verschiedenen Versicherern unter Berücksichtigung Ihrer Berufstätigkeit bei normalen Gesundheits- und Freizeitrisiken.

Wenn die Kosten der Berufsunfähigkeitsversicherung zu hoch sind...

... sollten Sie die Versicherung optimieren und dadurch die Beiträge senken. Denn Grundfähigkeits- oder Erwerbsunfähigkeitsversicherungen sind zwar billiger. Diese Versicherungen bieten aber nur einen deutlich geringeren Schutz und sind deshalb keine Alternative zur Berufsunfähigkeitsversicherung.

Beitrag niedrig halten – aber wie?

Rechtzeitiger Abschluss sichert niedrige Beiträge

Die Kosten einer Berufsunfähigkeitsversicherung sind bekanntlich vom Alter der zu versichernden Person bei Abschluss des Vertrags abhängig. Je früher die Versicherung abgeschlossen wird, desto niedriger sind die Beiträge. Wissenswert in diesem Zusammenhang ist, dass die meisten Versicherer das Eintrittsalter aus der Differenz des Kalenderjahres bei Vertragsbeginn und des Geburtsjahres ermitteln. Bei diesen Gesellschaften ist es günstiger, den Vertrag noch im Dezember des laufenden Jahres zu beginnen als im Januar des Folgejahres.

Weitere Faktoren sind – wie bereits in der Einleitung erwähnt – der bei Antragstellung ausgeübte Beruf sowie eventuell vorhandene Hobbys (Auto-, Berg-, Flug-, Kampf-, Motorrad-, Reit-, Tauch-, Wasser-, Wintersport usw.). Lassen Sie sich aber nicht verleiten, eine risikoreiche sportliche Betätigung zu verschweigen – nur weil Sie diese corona- oder wetterbedingt vorübergehend nicht ausüben konnten. Sie würden damit Ihren Versicherungsschutz gefährden.

Häufig signalisieren auch bereits erlittene Vorerkrankungen ein erhöhte individuelles Berufsunfähigkeitsrisiko. Dann wird der Versicherer den Antrag nur mit Risikozuschlägen oder Leistungsausschlüssen annehmen.

Deshalb ist der Abschluss der Berufsunfähigkeitsversicherung sinnvoll – noch bevor Gesundheits-, Berufs- oder Freizeitrisiken deutlich werden.

Sollten Sie den rechtzeitigen Abschluss für sich verpasst haben, dann ersparen Sie zumindest Ihren Kindern dieses Problem. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist schon für Schüler ab 10 Jahren möglich und durchaus empfehlenswert.

Angebote verschiedener Gesellschaften vergleichen

Vergleichen Sie die Angebote verschiedener BU-Versicherer. Denn die Gesellschaften bewerten die oben genannten Risiken teilweise sehr unterschiedlich.

So liegen derzeit (Stand 01.06.2021) die monatlich zu zahlenden Prämien einer Berufsunfähigkeitsversicherung mit 1.000 € bis zum 65. Lebensjahr für einen 25-jährigen, gesunden Fliesenleger je nach Versicherer zwischen 97 € (Alte Leipziger) und 271 € (Debeka).

Dabei liegen dem preiswerteren Tarif sogar deutlich bessere Versicherungsbedingungen zugrunde als dem teureren. Grund für derartig unterschiedliche Kosten sind unterschiedliche Berufsgruppeneinstufungen.

Ein ähnliches Bild ergibt sich für eine heute 25-jährige Krankenschwester. Hier liegen die monatlichen Zahlbeiträge für die Berufsunfähigkeitsversicherung mit 1.000 € bis zum 65. Lebensjahr je nach Versicherer zwischen 67 € (UniVersa) und 156 € (WWK).

Deshalb sollten Sie sich besser von einem Versicherungsmakler beraten lassen. Während ein Versicherungsvertreter Ihnen nur die Tarife seiner Gesellschaft empfehlen kann, ist der Makler an keine bestimmte Gesellschaft gebunden und kann für seine Empfehlung aus einer deutlich größeren Anzahl von Tarifen auswählen. Dabei wird er nicht nur auf niedrige Kosten sondern auch auf gute Versicherungsbedingungen achten.

Kosten einer Berufsunfähigkeitsversicherung

Beauftragen Sie Ihren Versicherungsmakler, auch synonyme Berufsbezeichnungen zu überprüfen.

Die Versicherer nutzen zur Beitragskalkulation bei Berufsunfähigkeitsversicherungen ein recht starres System. Anhand der Berufsbezeichnung und ein paar weiterer Angaben (wie z. B. Ausbildung, Büro- und Reisetätigkeit sowie Personalverantwortung) erfolgt eine Einstufung in eine Berufs- bzw. Risikogruppe. Aber dabei haben viele Versicherer offenbar schon selbst die Übersicht verloren. So gibt es nicht selten synonyme Berufsbezeichnungen, die in unterschiedliche Gruppen eingestuft werden. Dadurch berechnen sich dann trotz gleicher Leistung sehr unterschiedliche Beiträge.

Hierzu ein aktuelles Beispiel:

Die AXA Lebensversicherung AG berechnet für einen 30-jährigen Maschinenschlosser mit 1.500 € BU-Rente bis zum 67. Lebensjahr einen monatlichen Zahlbeitrag in Höhe von knapp 190 € – für einen 30-jährigen Industriemechaniker jedoch nur 92 €.

Aber auch Allianz, Bayerische, Dialog, HDI, Nürnberger und Stuttgarter haben zum Zeitpunkt dieser Untersuchung hierfür unterschiedliche Kosten berechnet. Dabei handelt es sich laut Bundesagentur für Arbeit um synonyme Berufsbezeichnungen.

Trotzdem sollten Sie im Antrag nicht eigenmächtig die günstiger eingestufte Berufsbezeichnung angeben, wenn in Ihren Arbeitsunterlagen etwas anderes angegeben ist. Aber ein guter Versicherungsmakler wird Ihrem Antrag bzw. Ihrer Voranfrage dann eine Tätigkeitsbeschreibung mit Hinweis auf diese Diskrepanz beifügen und mit großer Wahrscheinlichkeit für Ihren Vertrag die bessere Einstufung erreichen.

Synonyme Berufsbezeichnungen

Kurioses:

Assekuranzmakler und Versicherungsmakler sind synonyme Berufsbezeichnungen. Trotzdem stufen einzelne Gesellschaften das Berufsunfähigkeitsrisiko unterschiedlich ein. Die Stuttgarter Lebensversicherung a.G. stuft den Versicherungsmakler mit 80 % Innendiensttätigkeit in die Berufsgruppe „B08“, den Assekuranzmakler mit der gleichen Tätigkeit in die Berufsgruppe „B09“. Dadurch wird dessen Beitrag um ca. 15 % höher.

Noch krasser ist der Unterschied bei der InterRisk Lebensversicherung AG. Durch die Zuordnung in die Berufsklassen „2“ bzw. „4“ ergibt sich ein Beitragsunterschied von ca. 50 %.

Auch die DEVK Allgemeine Lebensversicherungs-AG stuft beide Berufe unterschiedlich ein. Allerdings ist hier ist der Beitrag für den Versicherungsmakler ca. 15 % höher.

Welch unterschiedliche Erfahrungen müssen diese Versicherer mit diesen beiden Berufsbezeichnungen gemacht haben? Denn angeblich soll die Berufsgruppendifferenzierung einer risikogerechten Beitragskalkulation dienen.zwinkerndes Smiley

Unnötige Erweiterungen erhöhen den Beitrag.

Eine zuverlässige finanzielle Absicherung im Falle einer Berufsunfähigkeit ist wichtig. Hierzu muss der Tarif auch einige zwingend notwendige Klarstellungen und Erweiterungen zum Begriff Berufsunfähigkeit enthalten. Darüber hinaus gibt es jedoch auch Klauseln und Zusatzpakete für zahlungskräftige Kunden, die zwar ganz nett – aber für einen guten BU-Schutz nicht zwingend erforderlich sind. Prüfen Sie also, ob Ihre Berufsunfähigkeitsversicherung wirklich zusätzlich noch einen Pflege- und/oder Dread-Disease-Baustein enthalten muss.

Auch bezüglich der Leistungsdynamik ergeben sich möglicherweise Einsparmöglichkeiten. Natürlich sollte sich im Falle einer langjährigen Berufsunfähigkeit die ausgezahlte Berufsunfähigkeitsrente jährlich erhöhen, um den Kaufkraftverlust durch die Inflation auszugleichen. Aber Versicherer mit Sitz (nicht Niederlassung) in Deutschland bieten standardmäßig schon eine Leistungsdynamik aus der Überschussbeteiligung. Diese ist zwar nicht für die gesamte Vertragsdauer garantiert, liegt aber je nach Versicherer derzeit zwischen 1 und 2 %.

Insofern muss die Frage erlaubt sein, ob zusätzlich zu dieser möglichen Leistungsdynamik aus der Überschussbeteiligung unbedingt noch eine kostenintensive, garantierte Leistungsdynamik erforderlich ist. Denn wir haben haben mal nachgerechnet:

  • 1 % garantierte Leistungsdynamik erhöhen den Beitrag um durchschnittlich 7 % und
  • 3 % garantierte Leistungsdynamik erhöhen den Beitrag um durchschnittlich 22 %

Prüfen Sie daher, ob und in welcher Höhe Sie eine garantierte Leistungsdynamik wirklich benötigen.

Bitte beachten Sie jedoch:

Versicherer, die in Deutschland lediglich eine Niederlassung betreiben (z. B. Canada Life und Getsurance) kennen keine Überschussbeteiligung und bieten daher auch keine mögliche Leistungsdynamik an. Bei solchen Berufsunfähigkeitsversicherungen ist der Einschluss einer garantierten Leistungsdynamik dringend zu empfehlen.

Rentenhöhe und Vertragsdauer optimal festlegen

Eine unnötig hohe Berufsunfähigkeitsrente oder unnötig lange Versicherungslaufzeit treiben die Kosten ebenfalls in die Höhe. Im Falle einer Berufsunfähigkeit muss die Rente nicht einen bestimmten Prozentsatz Ihres Einkommens absichern. Sie soll die Ausgaben zur Erhaltung des von Ihnen gewünschten Lebensstandards decken. Unter Umständen sparen Sie ein paar Euro, wenn Sie die Höhe der Berufsunfähigkeitsrente bedarfsgerecht ermitteln.

Manche Ausgaben fallen lebenslang an und sollten bis zum voraussichtlichen Renteneintrittsalter abgesichert werden. Andere Ausgaben, wie z. B.

  • für Schule und Ausbildung der Kinder,
  • Unterhaltsverpflichtungen oder
  • Zins- und Tilgungsraten für ein Immobiliendarlehen

enden vielleicht deutlich eher und könnten mit einer kürzeren Versicherungs- und Leistungsdauer abgesichert werden. In einem solchen Fall spricht nichts dagegen, statt einer Berufsunfähigkeitsversicherung zwei Verträge mit unterschiedlicher Laufzeit abzuschließen – durchaus auch bei der gleichen Gesellschaft.

Zur Verdeutlichung:

Versichert ein 30-jähriger Fliesenleger 1.500 € BU-Rente bis zum 67. Lebensjahr, so muss er hierfür bei einem preiswerten Anbieter monatlich ca. 219 € bezahlen. Versichert er beim gleichen Anbieter dagegen 1.000 € BU-Rente bis zum 67. Lebensjahr und 500 € BU-Rente nur bis zum 55. Lebensjahr (weil Ausgaben in dieser Höhe dann entfallen), reduziert sich sein monatlicher Zahlbeitrag auf 174 €. Das entspricht einer Ersparnis von über 20 Prozent.

Notlösungen, wenn die Kosten immer noch zu hoch sind

Wenn die oben vorgeschlagenen Maßnahmen ausgereizt und die Kosten immer noch zu hoch sind, gibt es nur noch unbefriedigende Notlösungen. Denn alle nun aufgeführten Maßnahmen zur weiteren Kostensenkung schränken auch den Versicherungsschutz drastisch ein.

Kürzung der Versicherungsdauer

Die Versicherungsdauer hat einen sehr großen Einfluss auf die Kosten. Je länger die Dauer, desto höher sind die Beiträge.

Bei einer Verkürzung der Versicherungsdauer vom 67. Lebensjahr auf das 65. Lebensjahr reduzieren sich die Beiträge für einen 30-jährigen um durchschnittlich 15 %, bei einer Verkürzung der Versicherungsdauer auf das 60. Lebensjahr sogar um etwa 42 %. Bei einem höheren Eintrittsalter fallen die Einsparungen noch höher aus.

Bitte bedenken Sie aber:
Im Falle einer späten bzw. dauerhaften Berufsunfähigkeit erhalten Sie dann auch 2 bzw. 7 Jahre lang keine Leistungen. Bei monatlich 1.500 € versicherter Rente sprechen wir immerhin von 36.000 € bzw. 126.000 €.

Und eine zu kurz vereinbarte Vertragslaufzeit lässt sich i.d.R. auch nicht nachträglich korrigieren.

Deshalb ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung mit kürzerer Versicherungs- und Leistungsdauer zwar grundsätzlich möglich – aber auch nur eine Notlösung.

Reduzierung der BU-Rente

Zwischen versicherter BU-Rente und Kosten gibt es eine nahezu lineare Korrelation. Wird die Rente um 25 % gekürzt, reduzieren sich auch die Beiträge um etwa 25 %.

Ist die vereinbarte monatliche Rente jedoch zu gering, kann im Falle einer Berufsunfähigkeit der gewünschte Lebensstandard vermutlich nicht erhalten werden.

Nutzlos kann eine Rentenhöhe auf Hartz-IV-Niveau werden, wenn Sie bzw. die Mitglieder Ihrer Bedarfsgemeinschaft durch die Berufsunfähigkeit hilfebedürftig nach § 9 SGB II werden. Denn die BU-Rente wird dann als Einkommen angerechnet und reduziert die Sozialleistungen.

Andererseits kann auch eine kleine Rente ein wichtiger Einkommensbestandteil sein, um gerade ein Abgleiten in die Sozialhilfe zu vermeiden. Es kommt auf die individuelle Situation an, in welcher Höhe eine BU-Rente noch sinnvoll ist.

Eine anfänglich zu geringe BU-Rente kann jedoch häufig später durch eine Nachversicherung erhöht werden.

Ausweichen auf andere Produkte

Häufig werden auch andere Versicherungsprodukte, wie beispielsweise Erwerbsunfähigkeitsversicherung oder Grundfähigkeitsversicherung (GF-Versicherung) als sogenannte preiswerte Alternativen angeboten.

Betrachten wir das Problem an einem konkreten Beispiel:
Eine GF-Versicherung ist zweifellos deutlich preiswerter als eine Berufsunfähigkeitsversicherung und kann daher relativ kostengünstig mit hoher Rente vereinbart werden. Aber wir sollten uns auch fragen, warum sie preiswerter ist. Denn die Grundfähigkeitsrente wird nur in dem deutlich unwahrscheinlicheren Fall des Verlusts einer der versicherten Grundfähigkeiten gezahlt.

Die GF-Versicherung erbringt jedoch gar keine Leistungen, wenn der Versicherte „nur“ berufsunfähig wird, ohne eine Grundfähigkeit zu verlieren. Und dieser Fall ist deutlich wahrscheinlicher. Dann muss der Versicherte sogar noch die Beiträge für seine GF-Versicherung weiter bezahlen, da sie keine Beitragsbefreiung bei Berufsunfähigkeit enthält.