Wenn die Psyche berufsunfähig macht

erstellt am 28.05.2019

Erkrankung der Psyche

Mit unseren Sinnesorganen nehmen wir ständig Reize aus unserer Umwelt wahr. Manche empfinden wir als angenehm, andere verursachen Stress – wobei kurzzeitiger Stress nicht schlecht sein muss. Er setzt Energiereserven frei und ermöglicht uns, Höchstleistungen zu erbringen.

Problematisch ist jedoch dauerhafter Stress. Dieser kann zu psychischen Erkrankungen und diese wiederum zur Berufsunfähigkeit führen. Nervenkrankheiten und Erkrankungen der Psyche sind inzwischen sogar Hauptursache für Berufsunfähigkeit. Und Stress lauert überall.

Externe und interne (psychische) Stressfaktoren

Um Dauerstress abzubauen und psychischen Erkrankungen vorzubeugen, müssen wir unsere persönlichen Stressfaktoren (Stressoren) erkennen und korrigieren. Diese können externer oder auch psychischer Natur sein.

Externe Stressoren

  • ungesunde Ernährung bzw. Nahrungsmangel, Lärm, Hitze
  • Krankheiten, Schmerzen, Schlafmangel oder zu wenig Erholung,
  • Leistungs- und Termindruck,
  • gravierende Veränderungen im Umfeld (Verlust des Jobs, Scheidung, Tod eines nahen Verwandten),
  • Ärger, Mobbing oder körperliche Gewalt in der Schule, am Arbeitsplatz oder in der Familie.

Innere Stressoren

Innere oder psychische Stressoren sind häufig das Ergebnis unserer Erziehung oder Erfahrung. Hierzu gehören:

  • übertriebener Ehrgeiz, Perfektionismus,
  • Zukunfts- oder Verlustängste,
  • unerfüllte Wünsche,
  • Prüfungsangst.

Erkrankungen der Psyche machen vor keinem Beruf halt

Offenbar steigen in unserer Gesellschaft die Stressfaktoren immer mehr und immer weniger Menschen gelingt es, dem Dauerstress auszuweichen. Natürlich werden Depressionen, Burnout und andere Leiden inzwischen auch besser erkannt und damit häufiger diagnostiziert als noch vor Jahren. Nichtsdestotrotz haben sich Nerven- und psychische Erkrankungen in den letzten Jahren zur Hauptursache für Berufsunfähigkeit entwickelt. Und diese machen auch vor vermeintlich risikoarmen Büroberufen nicht halt, zumal die Quelle des Dauerstresses nicht immer im Berufsfeld zu suchen ist.

In der Statistik des GDV werden zwar nur Personen erfasst, die eine Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen hatten. Vertraut man dieser Statistik trotzdem, werden mit über 35 Prozent aller Fälle Frauen infolge psychischer Erkrankungen berufsunfähig. Bei den Männern liegt dieser Prozentsatz mit 25% deutlich niedriger – aber trotzdem relativ hoch.

In Anbetracht dieser Zahlen dürfte jedem Interessenten verständlich werden, warum es mit einer bereits diagnostizierten psychischen Erkrankung schwierig bis unmöglich wird, eine Berufsunfähigkeitsversicherung ohne entsprechenden Ausschluss abzuschließen. Umso wichtiger ist es, die Versicherung schon frühzeitig abzuschließen – also bevor risikorelevante Erkrankungen eintreten. Möglich ist der Abschluss einer vollwertigen Berufsunfähigkeitsversicherung schon für Kinder ab 10 Jahre.

Welche Versicherungen leisten bei Verlust der Arbeitskraft infolge psychischer Erkrankungen?

Grundsätzlich sind Erkrankungen der Psyche und deren Folgen sowohl bei Berufs- als auch bei Erwerbsunfähigkeitsversicherungen mitversichert. Die Berufsunfähigkeitsversicherung leistet, wenn der zuletzt ausgeübte Beruf nicht mehr zum vereinbarten Prozentsatz (meist 50 Prozent) ausgeübt werden kann. Die Erwerbsunfähigkeitsversicherung leistet dagegen erst, wenn kein Beruf des allgemeinen Arbeitsmarktes für die vereinbarte Dauer (meist 3 Stunden täglich) ausübbar ist.

Es gibt nur einzelne BU-Tarife, die gegen diesen Grundsatz verstoßen und Erkrankungen der Psyche vom Versicherungsschutz ausschließen. Das sind die Tarife

  • „S-M.A.R.T“ der InterRisk Lebensversicherungs-AG und
  • „Job Comfort“ der Squarelife Lebensversicherungs-AG (Getsurance).

Bei bereits erlittenen psychischen Vorerkrankungen kann jedoch bei der Antragstellung jeder Versicherer mit Ihnen einen individuellen Leistungsausschluss psychischer Erkrankungen vereinbaren. Ein solcher Vertrag kommt aber erst dann zustande, wenn Sie diesem Ausschluss schriftlich zustimmen.

Häufig werden aber auch sogenannte Alternativen zur Arbeitskraftabsicherung (ich bevorzuge die Bezeichnung „Notlösungen“) angeboten. Bei diesen Grundfähigkeits-, Dread-Disease- oder Multi-Risk-Versicherungen erfolgen in der Regel keine Leistungen bei psychischen Erkrankungen.

Wie sinnvoll ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung mit Ausschluss psychischer Erkrankungen?

Auf dem deutschen Markt werden auch einige wenige BU-Tarife angeboten, die eine Berufsunfähigkeit infolge psychischer Erkrankungen ausschließen. Für einen Interessenten ohne derartige Vorerkrankung ist es natürlich keinesfalls sinnvoll, ausgerechnet die Hauptursache vom Versicherungsschutz auszuschließen.

Erschwerend kommt hinzu, dass es viele psychosomatische Störungen mit den unterschiedlichsten Auswirkungen gibt. Dabei fühlt sich der Betroffene krank, ohne dass Ärzte eine organische Ursache finden können. Ursache dieser Störungen ist der Einfluss der Psyche auf den Körper. Die Palette reicht von psychogener Taub- oder Schwerhörigkeit bis zu dissoziativen Bewegungsstörungen oder anhaltenden somatoformen Schmerzstörungen.

Das Problem: In der Erstprüfung muss der Versicherte seine Berufsunfähigkeit nachweisen. Wenn jedoch Ärzte das Ausmaß seiner Beschwerden weder durch physiologische Prozesse noch durch körperliche Störungen erklären können, kann der Versicherer immer die Mitwirkung einer psychosomatischen Störung unterstellen. Sind dann noch psychische Erkrankungen und deren Folgen vom Versicherungsschutz ausgeschlossen, kann der Leistungsantrag relativ leicht abgelehnt werden. So gesehen ist ein dauerhafter Ausschluss psychischer Erkrankungen schon bedenklich.

Unser Tipp

Schließen Sie Ihre Berufsunfähigkeitsversicherung am besten rechtzeitig ab. Warten Sie nicht, bis ein Schicksalsschlag Sie an die Notwendigkeit erinnert. Denn dann ist es meist zu spät.

Wenn Sie innerhalb der letzten 5 Jahre in psychischer Behandlung, Untersuchung oder Beratung waren, kann Ihnen vielleicht (je nach Art und Schwere der Vorerkrankung) ein Versicherungsmakler mittels Risiko-Voranfragen helfen, doch noch einen guten Tarif ohne dauerhaften Ausschluss zu finden.