Berufsunfähigkeitsversicherung für Handwerker

erstellt am 12.07.2019

Handwerker bei der Arbeit

Eine private Berufsunfähigkeitsversicherung ist für alle Handwerker wichtig. Denn im Falle einer Berufsunfähigkeit kann sich keiner der nach dem 01.01.1961 Geborenen auf staatliche Unterstützung verlassen. Die gilt auch für

  • pflichtversicherte Selbstständige eines A-Gewerkes,
  • freiwillig versicherte Selbstständige eines B-Gewerkes
  • und pflichtversicherte Arbeitnehmer.

Sie erhalten die volle gesetzliche Erwerbsminderungsrente nur, wenn sie überhaupt keine Tätigkeit des allgemeinen Arbeitsmarktes für länger als drei Stunden täglich ausüben können. Außerdem müssen noch die versicherungs­technischen Voraussetzungen bezüglich Beitragsjahre und Wartezeit erfüllt sein. Die Höhe der vollen Erwerbsminderungsrente liegt bei ca. 30% des letzten Bruttoeinkommens.

Dagegen zahlt eine privat abgeschlossene Berufsunfähigkeitsversicherung die vereinbarte monatliche Rente, wenn die zuletzt ausgeübte Berufstätigkeit nicht mehr zum vereinbarten Prozentsatz (meist 50%) ausgeübt werden kann.

Doch die Hürden für den Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung sind hoch.

Dies hat mehrere Gründe.

  1. Wer bereits bestimmte Erkrankungen erlitten hat, bekommt den gewünschten Versicherungsschutz häufig nur mit Risikozuschlägen oder Leistungsausschlüssen angeboten. Bei schwerwiegenden Krankheiten kann der Antrag auch komplett abgelehnt werden.
  2. Versicherer kalkulieren die Versicherungsprämien anhand des mutmaßlichen Berufsunfähigkeitsrisikos. Handwerker werden dabei wegen der meist körperlich anspruchsvollen Tätigkeiten in ungünstige Berufsgruppen eingestuft. So müssen selbst junge und gesunde handwerklich Beschäftigte für eine umfassende Berufsunfähigkeitsversicherung hohe Beiträge bezahlen.

Dies möchte ich nachfolgend anhand drei typischer Handwerksberufe zeigen. Bei normalen Gesundheits- und Freizeitrisiken berechnen sich für einen 25-jährigen Friseur, Fleischer und Fliesenleger bei einer versicherten monatlichen Rente in Höhe von 1.500 € bis zum 65. Lebensjahr beispielsweise folgende monatlich zu zahlende Beiträge (jeweils günstigster Anbieter aus unserem Vergleich; Stand: 01.07.2019):

Friseur/in

Universa
(ExklusivSBU)

99,96 €

(Tarifbeitrag: 142,80 €)

Fleischer/in

AXA
(ALVSBV)

100,00 €

(Tarifbeitrag: 162,60 €)

Fliesenleger/in

Alte Leipziger
(BV10)

151,49 €

(Tarifbeitrag: 194,23 €)

Die Versicherungsprämien zur Berufsunfähigkeitsversicherung sind für Handwerker überdurchschnittlich hoch. Leider gilt dies auch schon für Auszubildende in Handwerksberufen. Deshalb ist es durchaus sinnvoll, sich schon vor Beginn der Berufsausbildung umfassend zu informieren.

Und die verschiedenen Versicherer berechnen für ein und denselben Handwerksberuf auch recht unterschiedliche Beiträge. Es kommt immer darauf an, wie die Versicherungsgesellschaft den ausgeübten Beruf einstuft. Und dies erfolgt keinesfalls nach einheitlichen Richtlinien.

Vergleichen lohnt sich also!

Unser Tipp!

Eltern, deren Kinder einen handwerklichen Beruf erlernen wollen, sollten vorsorglich die Berufsunfähigkeitsversicherung noch als Schüler abschließen. Dies ist für die zukünftigen Handwerker häufig die letzte Chance auf vollständigen und bezahlbaren BU-Schutz. Außerdem haben Jugendliche in diesem Alter meist noch einen guten Gesundheitszustand und damit gute Voraussetzungen für einen Abschluss ohne Zuschläge und Ausschlüsse.

Welche Erweiterungen sind für Handwerker sinnvoll?

Wenn eine Berufsunfähigkeitsversicherung Handwerker zuverlässig absichern soll, sind gute Versicherungsbedingungen wichtig. Weltweiter Versicherungsschutz, Verzicht auf abstrakte Verweisung, verkürzter Prognosezeitraum und rückwirkende Leistungen bei verspäteter Meldung sollten selbstverständlich sein.

Darüber hinaus gibt es aber auch ein paar Punkte, die sich Handwerker – je nach ihrer individuellen Situation – etwas genauer ansehen sollten:

  1. Bei manchen Tarifen gilt die versicherte Person als berufsunfähig, wenn sie ihren Beruf infolge Krankheit, Körperverletzung oder mehr als altersentsprechendem Kräfteverfall nicht mehr ausüben kann. Ich finde es für bestimmte Handwerker vorteilhaft, wenn der Versicherer auf den Zusatz „mehr als altersentsprechendem“ verzichtet und auch bei altersentsprechendem Kräfteverfall leistet. Und dabei denke ich nicht nur an Handwerker, die in ihrem Beruf auf ihre Muskelkraft angewiesen sind – sondern beispielsweise auch an Uhrmacher, die eine hohe Sehkraft benötigen.
  2. Für Handwerker ohne private Krankentagegeld-Versicherung ist die Arbeitsunfähigkeitsklausel interessant. Wenn BU-Leistungsanträge abgelehnt werden, dann liegt dies aktuell zu 48,5 Prozent am Nicht-Erreichen des erforderlichen (meist 50-prozentigen) BU-Grads. Wer eine Berufsunfähigkeitsversicherung mit guter Arbeits­unfähigkeits­klausel abgeschlossen hat, erhält spätestens nach sechsmonatiger ununterbrochener Krankschreibung eine befristete Übergangsleistung – je nach Anbieter zwischen 18 und 36 Monaten, maximal jedoch bis zum Ende der Arbeitsunfähigkeit.
  3. Selbstständige Handwerker sollten auf eine verbraucherfreundliche Umorganisationsklausel achten. Denn bei BU-Leistungsanträgen von Selbstständigen prüfen alle Versicherer, ob durch eine zumutbare Umorganisation der Arbeitsabläufe innerhalb des Betriebes der bisherige Beruf weiter ausgeübt werden könnte. Doch einige Versicherer verzichten unter bestimmten Voraussetzung auf diese Prüfung der Umorganisation. Das könnte sich später als vorteilhaft erweisen.

Die Deutsche Handwerker BerufsunfähigkeitsVersicherung vom Münchener Verein

Laut Aussage des Münchener Vereins handelt es sich hierbei um eine „auf die individuelle Bedarfssituation von Handwerkern abgestimmte Absicherung der Arbeitskraft“. Diese Berufsunfähigkeitsversicherung wird in zwei Varianten angeboten – einem Top-Schutz und einem Aktiv-Schutz.

Der Top-Schutz (Tarif 56)

Der Top-Schutz entspricht einer normalen Berufsunfähigkeitsversicherung. Die vereinbarte BU-Rente in voller Höhe ausgezahlt, wenn der 50%-ige Grad der Berufsunfähigkeit infolge Krankheit, Körperverletzung oder mehr als altersentsprechendem Kräfteverfall erreicht wird.

Der Aktiv-Schutz (Tarif 55)

Beim Aktiv-Schutz wird die volle Rente dagegen nur gezahlt, wenn die bedingungsgemäße Berufsunfähigkeit wegen eines Unfalls oder beeinträchtigten Bewegungsapparats eingetreten ist. Hat die Berufsunfähigkeit andere Ursachen, wird nur die hälftige Berufsunfähigkeitsrente ausgezahlt. Dadurch soll dieser Tarif auch für Handwerker bezahlbar werden.

Doch wie sinnvoll ist eine halbe BU-Rente?

Auch Handwerker werden nicht nur infolge von Unfällen oder Beeinträchtigungen des Bewegungsapparats berufsunfähig. Hat ein Handwerker für den Fall einer Berufsunfähigkeit eine erforderliche BU-Rente in Höhe von beispielsweise 1.500 € ermittelt, so verringert sich dieser Bedarf nicht auf die Hälfte, wenn die Berufsunfähigkeit infolge eines Herzinfarkts, Schlaganfalls, einer Krebs- oder psychischen Erkrankung usw. eintritt.

Und sollten die Kollegen vom Münchener Verein wirklich glauben, für einen Handwerker wäre nur die Absicherung der Berufsunfähigkeit infolge eines Unfalls oder eines beeinträchtigten Bewegungsapparats wichtig, dann hätte man in den anderen Fällen konsequenterweise auch ganz auf die Zahlung einer BU-Rente verzichten und den Aktiv-Schutz noch deutlich preiswerter gestalten können.

Die halbe BU-Rente macht jedenfalls keinen Sinn. Wenn es dumm läuft, hilft Ihnen eine solche Minirente gar nichts, weil sich der Staat dann nur die Grundsicherung spart.

Prämienbeispiele

Die nachfolgende Tabelle zeigt die monatlichen Beiträge für beiden BU-Tarife des Münchener Vereins. Um eine Vergleichbarkeit mit den obigen Beitragsbeispielen zu ermöglichen, habe ich wieder einen 25-jährigen Friseur, Fleischer und Fliesenleger mit einer monatlichen Berufsunfähigkeitsrente in Höhe von 1.500 € bis zum 65. Lebensjahr angenommen. (Stand: 01.07.2019)

Handwerker/in Top-Schutz Aktiv-Schutz
Tarifbeitrag
in Euro
Zahlbeitrag
in Euro
Tarifbeitrag
in Euro
Zahlbeitrag
in Euro
Friseur/in 169,61 127,21 141,58 106,19
Fleischer/in 228,85 171,64 191,59 143,69
Fliesenleger/in 248,89 186,67 208,44 156,33

Diese Beitragsbeispiele zeigen sehr deutlich: Nur weil sich ein Tarif „Deutsche Handwerker BerufsunfähigkeitsVersicherung“ nennt, ist er nicht automatisch auch für alle Handwerker optimal. Dies bezieht sich nicht nur auf den hier in den Vordergrund gestellten Beitrag, sondern auch auf die oben genannten Verbesserungen bei den Versicherungs­bedingungen.

Natürlich gibt es auch Handwerksberufe, bei denen der Münchener Verein mit seinem Top-Schutz aufgrund der günstigen Berufsgruppeneinstufung das preiswerteste Angebot unterbreitet. Als Beispiel habe ich nach längerem Suchen den „Schweißer“ gefunden. Aber es gibt auch genügend Handwerksberufe, bei denen die Berufsunfähigkeitsversicherung des Münchener Verein aufgrund einer eher ungünstigen Berufsgruppeneinstufung für Handwerker sehr teuer wird.

Der Aktiv-Schutz ist zwar immer etwas preiswerter als der Top-Schutz. Ich finde den Aktiv-Schutz jedoch keinesfalls empfehlenswert. Denn niemand weiß, wegen welcher Krankheit er berufsunfähig wird. Und die halbe BU-Rente nützt Ihnen nichts, wenn Sie aufgrund der „falschen“ Krankheit berufsunfähig werden.

Wie viel kostet eine Berufsunfähigkeitsversicherung für Handwerker?

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