Berufsunfähigkeitsversicherung für Auszubildende (Azubi)

Berufskraftfahrer-Azubis mit hohem BU-Risiko

Junge Auszubildende machen sich über eine Berufsunfähigkeitsversicherung meist keine Gedanken. Und die Statistik scheint ihnen auf den ersten Blick recht zu geben. Die statistische Wahrscheinlichkeit, dass beispielsweise ein 17-jähriger Azubi der Gesundheits- und Krankenpflege während seiner 3-jährigen Ausbildungszeit berufsunfähig wird, liegt bei 0,8%. Bei Betrachtung des Zeitraums bis zum 65. Lebensjahr erhöht sich der Prozentsatz auf 49,3%.

Warum sollte ein Azubi seine Berufsunfähigkeitsversicherung trotzdem so zeitig wie möglich abschließen?

Hierfür sprechen gleich 3 Gründe.

  1. Es wird einen von Berufsunfähigkeit betroffenen Azubi kaum trösten, dass er eine Ausnahme darstellt.
  2. Je früher die Versicherung abgeschlossen wird, desto niedriger sind die Beiträge.
  3. Mit bereits erlittenen Vorerkrankungen wird es auch für Auszubildende immer schwieriger, eine Berufsunfähigkeitsversicherung ohne Leistungsausschlüsse oder Risikozuschläge zu bekommen.

Insbesondere der letzte Punkt ist bedeutungsvoll. Laut dem TK-Gesundheitsreport 2017 zur Gesundheit von Auszubildenden sind die Fehlzeiten aufgrund psychischer Erkrankungen in den letzten zehn Jahren bei Azubis um 108 Prozent gestiegen. Mit solch einer Diagnose in der Patientenakte ist es aber kaum noch möglich, eine Berufsunfähigkeitsversicherung zu Normalkonditionen abzuschließen.

Die gesetzliche Absicherung von Azubis ist ungenügend.

Wer eine Ausbildung beginnt, macht sich über seine Arbeitskraftabsicherung meist keine Gedanken und hofft auf eine gesetzliche Absicherung. Doch selbst wenn ein Auszubildender nicht nur berufsunfähig sondern sogar erwerbsunfähig wird, hat er im ersten Ausbildungsjahr nur bei Erwerbsunfähigkeit infolge eines Arbeitsunfalls oder einer Berufskrankheit Anspruch auf die ohnehin viel zu geringe gesetzliche Erwerbsminderungsrente. Erst ab dem zweiten Ausbildungsjahr erweitert sich der Schutz auch auf Freizeitunfälle und Krankheiten. Für die Berechnung der Erwerbsminderungs­rente werden dann jedoch nur 75% des Durchschnitts­verdienstes aller Versicherten angesetzt, so dass die Höhe der gezahlten Rente zwangsläufig unterdurchschnittlich ausfallen muss.

Was kostet eine Berufsunfähigkeitsversicherung für Auszubildende?

Die Beiträge hängen beispielsweise

  • von der versicherten Höhe der Berufsunfähigkeitsrente,
  • von der Versicherungs- und Leistungsdauer,
  • vom Alter bei Vertragsabschluss,
  • von eventuell vorhandenen Freizeitrisiken,
  • vom Gesundheitszustand,
  • aber vor allem auch von der Art der Berufsausbildung

ab. So ist der BU-Schutz für einen Auszubildenden eines typischen Büroberufs relativ günstig, für einen Erzieher- oder Friseurazubi aber schon deutlich teurer. Die nachfolgend beispielhaft genannten Monatsbeiträge beziehen sich auf eine versicherte monatliche BU-Rente in Höhe von 1.000 € bis zum 65. Lebensjahr (Stand: 01.04.2019):

Bankkaufmann-Azubi
Eintrittsalter: 20 Jahre
die Bayerische (Komfort)

26,00 €

(Tarifbeitrag: 42,28 €)

Erzieher-Azubi
Eintrittsalter: 20 Jahre
Swiss Life (SBU 4U)

43,30 €

(Tarifbeitrag: 67,66 €)

Friseur-Azubi
Eintrittsalter: 20 Jahre
Nürnberger (Comfort)

62,72 €

(Tarifbeitrag: 98,12 €)

Mit unserem Vergleich (siehe Menüleiste) können Sie die Beiträge auch für Ihren Ausbildungsberuf online berechnen.

Auszubildende in Risikoberufen haben kaum Chancen auf eine bezahlbare Berufsunfähigkeitsversicherung.

Die obigen Beispiele zeigen die Tendenz sehr deutlich: Azubis in Risikoberufen haben selbst bei gutem Gesundheitszustand kaum Chancen auf eine preiswerte Absicherung. Für viele Lehrlinge mit handwerklichem Berufsziel ist der Schutz teuer bis unbezahlbar. Viele Gesellschaften versichern diese Jugendlichen in sogenannten Risikoberufen (zum Beispiel die große Gruppe der Berufskraftfahrer) häufig auch nur bis zum 55.  oder 60. Lebensjahr. Dann bleiben gerade die Zeiten mit dem höchsten BU-Risiko unversichert.

Unser Tipp:

Wer einen Beruf mit handwerklicher bzw. schwer körperlicher Tätigkeit oder einen psychisch anstrengenden Beruf erlernen will, sollte seine Berufsunfähigkeitsversicherung noch als Schüler beantragen. Dann ist der Beitrag deutlich niedriger und auch ein Versicherungsschutz bis zum 65. oder 67. Lebensjahr möglich.

Achten Sie auf vollwertigen BU-Schutz – auch während der Ausbildung.

Nicht alle Versicherungsgesellschaften bieten mit ihrer Berufsunfähigkeitsversicherung Azubis vollwertigen Schutz. Einige reduzieren den Versicherungsschutz während der Ausbildungszeit durch eine so genannte EU-Klausel auf eine ungenügende Erwerbsunfähigkeitsversicherung. Andere verzichten im Falle einer Berufsunfähigkeit während der Ausbildung nicht auf das abstrakte Verweisungsrecht. Beides ist nicht akzeptabel. Es gibt genügend gute BU-Versicherungen, bei denen während der Ausbildungszeit das Risiko versichert ist, die begonnene Ausbildung aus gesundheitlichen Gründen nicht beenden zu können. In den Versicherungsbedingungen steht dann beispielsweise:

Bei Auszubildenden liegt Berufsunfähigkeit vor, wenn die versicherte Person infolge Krankheit, Körperverletzung oder Kräfteverfalls, die ärztlich nachzuweisen sind, sechs Monate ununterbrochen außerstande gewesen ist oder voraussichtlich sechs Monate außerstande sein wird, ihre zuletzt betriebene Berufsausbildung so, wie sie ohne gesundheitliche Beeinträchtigung ausgestaltet war, fortzusetzen. Berufsausbildung ist ein berufliches Ausbildungsverhältnis im Sinne des Berufsbildungsgesetzes.

Bei manchen Versicherern gilt statt der „zuletzt betriebenen Berufsausbildung“ der mit der Ausbildung angestrebte Beruf als versichert. Beide Varianten haben ihre Vor- und Nachteile.

Vor- und Nachteile, wenn
der angestrebte Beruf versichert ist die zuletzt betriebene Ausbildung versichert ist
Streitigkeiten sind vorprogrammiert, wenn die Vertragsparteien unterschied­liche Vorstellungen zum fiktiven Zielberuf haben (z.B. über den Anteil der Innen- und Außendiensttätigkeit). Die zuletzt betriebene Ausbildung lässt sich ganz konkret beschreiben. Ein Streit über die Anteile von Büro-, Reise- und körperlicher Tätigkeit sollte ausgeschlossen sein.
Bei einem Zielberuf mit hohem körperlichen Tätigkeitsanteil wird der 50%-ige BU-Grad häufig eher erreicht. Auf Grund des theoretischen Anteils an der Ausbildung kann der Nachweis der Berufsunfähigkeit hier schwieriger werden.
Bei einem Zielberuf mit hoher Schreibtischtätigkeit wird der 50%-ige BU-Grad häufig schlechter erreicht. Auf Grund der geforderten Flexibilität und geringeren Schreibtischtätigkeit während der Ausbildung kann der Nachweis der Berufsunfähigkeit u.U. leichter erfolgen.
Was hilft es einem gesundheitlich angeschlagenen Auszubildenden, wenn er den angestrebten Beruf ausüben könnte – aber nicht die hierfür erforderliche Ausbildung beenden kann? Was hilft es einem Auszubildenden, wenn er zwar die Ausbildung beenden, aber dann den Beruf nicht ausüben kann?

Doch auch ein berufsunfähig gewordener Auszubildender wird nicht das ganze Leben untätig bleiben wollen. Zum Beispiel für einen berufsunfähig gewordenen Azubi der Gesundheits- und Krankenpflege, kann bei Aufnahme einer anderen Ausbildung oder einer ungelernten Tätigkeit leistungsentscheidend sein, welche Lebensstellung der Versicherer für den Fall einer konkreten Verweisung heranzieht. Hierfür gibt es zwei Möglichkeiten – die ursprüngliche Lebensstellung (soziale Wertschätzung und Einkommen) des Gesundheits- und Krankenpfleger-Azubis oder die Lebensstellung, die normalerweise mit dem erfolgreichem Abschluss als Gesundheits- und Krankenpfleger/in erreicht wird.

Aber bitte bedenken Sie: die Ausbildungszeit ist nur eine relativ kurze Zeit im gesamten Berufsleben. Deshalb muss der Tarif auch all jene Versicherungsbedingungen beinhalten, die grundsätzlich bei jeder Berufsunfähigkeitsversicherung wichtig sind. Wir beraten Sie gern!

Eine gute Nachversicherungsgarantie ermöglicht später eine problemlose Erhöhung.

Die maximal versicherbare BU-Rente für Azubis liegt je nach Versicherer zwischen 750 und 1.500 €. Wer seinen BU-Schutz später seinem wachsenden Bedarf anpassen möchte, sollte beim Abschluss der BU-Versicherung auf eine gute Nachversicherungsgarantie achten. Wer dabei nur auf eine erneute Gesundheitsprüfung verzichtet, trotzdem noch prüfen, ob die versicherte Person die Lehre abgebrochen hat und inzwischen einen risikoreicheren Beruf ausübt. Dies könnte dann eine Erhöhung der versicherten BU-Rente deutlich teurer oder gar unmöglich machen.

Vorsicht bei Tarifen mit reduzierten Anfangsbeiträgen.

Da das Einkommen eines Azubi noch gering ist, bieten einige BU-Versicherer spezielle Stufentarife für junge Leute an, bei denen die Beiträge zunächst angenehm niedrig sind – später aber um so höher werden. Bei einem solchen Tarif sollten Sie genau prüfen, ob auch die später umso höheren Beiträge bezahlbar sind. Die frühzeitige BU-Absicherung mit ihren ganzen Vorteilen wäre umsonst gewesen, wenn der Vertrag irgendwann aus finanziellen Gründen gekürzt oder gar gekündigt werden muss. Deshalb favorisieren wir die klassischen Tarife mit konstanten Beiträgen über die gesamte Versicherungsdauer. Diese sind über die gesamte Versicherungsdauer gesehen teilweise deutlich preiswerter! Und vielleicht erhalten Sie für die Zeit der Ausbildung für diese sinnvolle Investition einen Zuschuss oder ein zinsloses Darlehen von den Eltern. Augenzwinkern

Wie viel kostet eine Berufsunfähigkeitsversicherung für einen Azubi?