Berufsunfähigkeitsversicherung für Kinder

Auch die heutigen Kinder werden in wenigen Jahren einen Beruf ausüben und sich dank ihrer Arbeitskraft einen soliden Lebensstandard aufbauen. Doch für den Abschluss einer bezahlbaren Berufsunfähigkeitsversicherung ist es dann häufig zu spät. Denn bereits erlittene Vorerkrankungen, ein risikobehaftetes Hobby oder ein körperlich bzw. psychisch anstrengender Beruf können den Versicherungsschutz teuer oder auch unmöglich machen. Deshalb fragen immer mehr Eltern, wie und ab wann sie ihr Kind absichern können.

Ab wann kann ich eine Berufsunfähigkeitsversicherung für mein Kind abschließen?

Kinder Der Abschluss einer echten Berufsunfähigkeitsversicherung ist für Kinder ab 10 Jahren möglich. Aktuell (Stand 01.03.2019) bieten dies folgende Gesellschaften an:

  • Alte Leipziger Lebensversicherung a.G. (max. 1.500 € pro Monat)
  • Basler Lebensversicherungs-AG (max. 1.000 € pro Monat)
  • Lebensversicherung von 1871 a.G. München (max. 1.100 € pro Monat)
  • Swiss Life AG (max. 1.000 € pro Monat)
  • Volkswohl Bund Lebensversicherung a.G. (max. 1.500 € pro Monat)

Alle anderen Gesellschaften bieten einen vollwertigen Berufsunfähigkeitsschutz erst für Kinder ab 15 Jahren oder auch erst nach Beginn einer Berufsausbildung bzw. -ausübung an. Welcher Tarif welcher Gesellschaft für Ihr Kind am besten geeignet ist, hängt jedoch auch vom Ziel der frühzeitigen Vorsorge ab.

Gründe für den Abschluss schon als Kind

Eltern können mit dem Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung für ihr Kind unterschiedliche Ziele verfolgen. Je nach Ziel muss dann der hierfür geeignete BU-Tarif ausgewählt werden.

Ziel 1: Hohe Absicherung des Kindes von Beginn an

Statistisch gesehen ist die Wahrscheinlichkeit einer lebenslangen Berufsunfähigkeit schon während der Schulzeit zwar relativ gering – aber keinesfalls ausgeschlossen. Insofern ist es durchaus nachvollziehbar, wenn die versicherte Berufsunfähigkeitsrente schon als Kind möglichst hoch sein soll. Aber alle Gesellschaften begrenzen bei Kindern die maximal versicherbare Rente. Die höchsten Renten erlauben die „Alte Leipziger“ und der „Volkswohl Bund“ mit jeweils 1.500 Euro pro Monat (siehe oben).

Allerdings muss ein berufs- bzw. schulunfähig gewordenes Kind dies nicht immer bleiben. Häufig verbessert sich der Gesundheitszustand, so dass die Schule später wieder besucht oder eine berufliche Ausbildung bzw. Tätigkeit aufgenommen werden kann. Wenn diese Tätigkeit dann der bisherigen Lebensstellung (soziale Wertschätzung und Vergütung) entspricht, kann der Versicherer eine konkrete Verweisung prüfen und die Zahlungen einstellen.

Da die Lebensstellung von Kindern und Schülern noch gering ist, wird dem Versicherer eine konkrete Verweisung relativ leicht fallen. Sie wird nur dann nicht möglich sein, wenn

  • die Ausbildung oder Tätigkeit in einer besonderen Einrichtung für behinderte Menschen aufgenommen wird oder
  • es sich um eine geringfügige Beschäftigung handelt.

Auch bei guten Berufsunfähigkeitsversicherungen für Kinder wird die zuletzt ausgeübte Tätigkeit versichert und nicht ein eventuell vorhandenes Berufsziel.

Ziel 2: Dauerhafte Sicherung der jetzt günstigen Beiträge

Unsere Erfahrung zeigt jedoch: Viele Eltern wünschen zunächst nur eine geringe Berufsunfähigkeitsrente, um Geld zu sparen. Sie wollen lediglich den Grundstein für eine dauerhaft günstige Berufsunfähigkeitsversicherung ohne Risikozuschläge und Leistungsausschlüsse für ihr Kind legen. Und das ist durchaus sinnvoll. Denn haben sich erst einmal bestimmte Vorerkrankungen, Freizeit- oder Berufsrisiken (Erlernen oder Ausüben eines körperlich oder psychisch anstrengenden Berufs) eingestellt, wird der Abschluss teuer oder auch unmöglich. Und dem kann man tatsächlich auch mit einer kleinen Berufsunfähigkeitsversicherung preiswert vorbeugen – vorausgesetzt, man wählt einen hierfür geeigneten Tarif.

Den derzeit guten Gesundheitszustand nutzen:

Laut dem Kinder- und Jugendreport 2018 der DAK ist bereits jedes vierte Kind zwischen 0 und 17 Jahren körperlich und jedes zehnte psychisch chronisch krank. Mit solch einer Vorerkrankung wird es natürlich schwierig, eine Berufsunfähigkeitsversicherung mit guten Leistungen und ohne Risikozuschläge oder Leistungsausschlüsse abzuschließen.

Ratsam ist, den Berufsunfähigkeitsschutz noch in gesunden Tagen zu vereinbaren. Hierzu genügt auch eine Versicherung mit geringerer Berufsunfähigkeitsrente. Denn die meisten Tarife bieten zu bestimmten Anlässen eine Nachversicherungsgarantie ohne erneute Gesundheitsprüfung. Eine Erhöhung der versicherten Berufsunfähigkeitsrente ist also auch noch nach Eintritt einer risikorelevanten Erkrankung möglich – vorausgesetzt, es ist noch keine Berufs- bzw. Schulunfähigkeit eingetreten.

Risikozuschläge wegen späterer Berufs- und Freizeitrisiken vermeiden:

Das Risiko einer Berufsunfähigkeit ist auch von der Berufstätigkeit abhängig. Personen mit körperlich oder psychisch anspruchsvollen Tätigkeiten müssen für ihren Schutz deutlich mehr bezahlen als Bürokaufleute oder Ingenieure. Maßgebend ist jedoch immer die Tätigkeit bei Abschluss der Versicherung. Eine Änderung der Berufstätigkeit während der Vertragslaufzeit muss bei den meisten Versicherungen nicht nachgemeldet werden.

Wenn das Kind also einen risikoreichen Beruf erlernen oder ausüben will, dann sollten die Eltern die Berufsunfähigkeitsversicherung besser noch als Schüler abschließen.

Ähnliches gilt auch bei Beginn eines gefährlichen Hobbys. Für viele, schon bei Vertragsbeginn ausgeübte Berg-, Flug-, Motor- und Wassersportarten erheben die Versicherer Risikozuschläge zwischen 50 und 100%. Beginnt der Versicherte erst während der Vertragslaufzeit mit dem Hobby, muss dies bei allen in unserem Vergleich berücksichtigten Tarifen nicht nachgemeldet werden.

Unser Tipp:

Wenn Ihr Kind eine risikoreiche Tätigkeit plant und Sie zunächst nur eine geringe Rente vereinbaren wollen, muss sich diese später problemlos erhöhen lassen. Der Versicherer sollte bei dieser Erhöhung nicht nur auf eine Gesundheitsprüfung verzichten – sondern generell auf eine Risikoprüfung. Denn wer nur auf eine erneute Prüfung der Gesundheit verzichtet, kann trotzdem noch neu hinzugekommene Berufs- und Freizeitrisiken prüfen und für die Erhöhung deutlich höhere Beitragssätze verlangen.

Die Gefahr einer Verletzung der Anzeigepflicht minimieren:

Wird ein Versicherter innerhalb der ersten 10 Jahre nach Antragstellung berufsunfähig, prüft der Versicherer sehr genau, ob damals alle Antragsfragen wahrheitsgemäß beantwortet wurden. Stellt er dabei Ungereimtheiten fest, kann er je nach Zeitpunkt des Versicherungsfalls und Schwere des vorgeworfenen Vergehens vom Vertrag zurücktreten, ihn kündigen oder auch anfechten.

Doch falsche oder unvollständige Gesundheitsangaben sind nach 10 Jahren irrelevant, so hat es der BGH entschieden (siehe BGH-Urteil vom 25.11.2015 - IV ZR 277/14).

Wird die Berufsunfähigkeitsversicherung schon frühzeitig als Kind abgeschlossen, endet auch die Verjährung im Falle einer Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflicht entsprechend zeitig. Und die Wahrscheinlichkeit einer Berufsunfähigkeit steigt bekanntlich erst mit zunehmendem Alter.

Eine Schulunfähigkeitsversicherung ist keine Berufsunfähigkeitsversicherung

Auch eine Schulunfähigkeitsversicherung zahlt eine monatliche Rente, wenn das versicherte Kind durch Krankheit oder Unfall längere Zeit schulunfähig ist. Diese können Sie schon für Kinder ab 6 Jahren abschließen. Doch nach Schulabschluss leistet sie nur noch bei Eintritt einer Erwerbsunfähigkeit. Spätestens dann wird der Wechsel in eine echte Berufsunfähigkeitsversicherung erforderlich. Dies ist zwar meist ohne erneute Gesundheitsprüfung möglich. Aber welche Tarife mit welchen Versicherungsbedingungen und Beiträgen dann zur Auswahl stehen, bleibt ungewiss. Einer zwischenzeitlichen Erhöhung von Berufs- oder Freizeitrisiken können Sie somit nicht vorbeugen.

In diesen Zusammenhang auch wissenswert:

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