Berufsunfähigkeitsrente optimal gestalten

Sollten Sie stattdessen Tipps zum Beantragen der Berufsunfähigkeitsrente nach Eintritt einer Berufsunfähigkeit suchen, klicken Sie bitte hier.

Taschenrechner zur Ermittlung einer bedarfsgerechten Berufsunfähigkeitsrente In welcher Höhe die Berufsunfähigkeitsrente im BU-Fall gezahlt werden soll, legen Sie bei der Antragstellung fest. Je höher Sie die Rente vereinbaren, desto höher wird auch der Beitrag. Trotzdem sollten Sie die BU-Rente nicht zu gering vereinbaren. Denn auf Hilfe vom Staat können Sie sich im Falle einer Berufsunfähigkeit nicht verlassen. Wer nach dem 01.01.1961 geboren ist und „nur“ berufsunfähig wird, hat keinen Anspruch auf staatliche Unterstützung. Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente gibt es nur für gesetzlich Versicherte, die gar keiner Arbeit des allgemeinen Arbeitsmarktes für mindestens 3 Stunden (volle Erwerbsminderungsrente) bzw. 6 Stunden täglich (halbe Erwerbsminderungsrente) nachgehen können und die versicherungstechnischen Voraussetzungen (Pflichtbeiträge, Wartzeit) erfüllen.

Höhe der versicherten Berufsunfähigkeitsrente

Die optimale Höhe der privaten BU-Rente hängt von den individuellen Voraussetzungen ab. Zur konkreten Ermittlung gibt es im Wesentlichen zwei Ansätze – je nachdem, ob Sie Ihr Nettoeinkommen oder Ihren erreichten Lebensstandard absichern wollen.

Variante 1: Orientierung am Einkommen

Die Verbraucherzentrale Hamburg empfiehlt beispielsweise eine Orientierung am Nettoeinkommen. Viele Vermittler empfehlen Arbeitnehmern häufig eine Berufsunfähigkeitsrente in Höhe von 80% des Nettoeinkommens bzw. 60% des Bruttoeinkommens und Selbstständigen 60% des Gewinns vor Steuern. Dies hängt aber eher damit zusammen, dass viele Versicherungsgesellschaften bei einer BU-Rente über 1.000 € eine finanzielle Angemessenheitsprüfung vornehmen und die versicherbare Rente dabei auf diese Werte begrenzen.

Variante 2: Orientierung am Bedarf

Wichtig ist doch eigentlich, dass der Betroffene im BU-Fall mit Hilfe der Berufsunfähigkeitsrente seine Ausgaben zur Erhaltung des erreichten Lebensstandards begleichen kann. Diese bedarfsorientierte Ermittlung ist zwar etwas aufwändiger, aber vermutlich auch genauer. Vielleicht lassen sich dadurch auch ein paar Euros sparen.

Allerdings sollten Sie dabei auch bedenken, dass bei Verlust des Arbeitsplatzes der bisherige Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil zur Altersvorsorge entfällt. Deshalb müssen Sie bei der Bedarfsermittlung einplanen, dass Ihnen trotz Berufsunfähigkeit noch Geld für eine private Altersvorsorge zur Verfügung steht. Denn was hilft es, wenn Sie für den Fall einer dauerhaften Berufsunfähigkeit bis zum 67. Lebensjahr abgesichert sind und danach in die Altersarmut rutschen?

Erhöht sich der Bedarf später durch besondere Ereignisse (zum Beispiel Hochzeit, Geburt eines Kindes, Immobilienfinanzierung), kann die BU-Rente bei den meisten Tarifen im Rahmen einer Nachversicherungsgarantie angepasst werden. Sollte sich der Bedarf irgendwann nachhaltig reduzieren – zum Beispiel weil die Kinder selbstständig geworden sind oder das Immobiliendarlehen zurückgezahlt ist – können Berufsunfähigkeitsrente (und damit auch die Beiträge) problemlos wieder reduziert werden.

Wann ist auch eine geringere Berufsunfähigkeitsrente sinnvoll?

In bestimmten Situationen kann auch eine geringere BU-Rente sinnvoll sein. So kann eine kleine, als Schüler abgeschlossene Berufsunfähigkeitsversicherung die günstigeren Konditionen für das ganze Berufsleben sichern. Das ist sinnvoll für alle, die nach Abschluss des laufenden Schuljahres einen handwerklichen Beruf erlernen wollen. Allerdings sollten die Eltern darauf achten, dass der Versicherer bei einer späteren Nachversicherung nicht nur auf eine erneute Gesundheitsprüfung verzichtet – sondern auch auf eine erneute Prüfung von Berufs- und Freizeitrisiken. Dann kann nach Beendigung der Ausbildung die Berufsunfähigkeitsrente erhöht werden – ohne wegen handwerkliche bzw. körperlicher Tätigkeit schlechter eingestuft zu werden.

Ähnliches gilt auch für Studenten und Berufsstarter, die jetzt bei bester Gesundheit vorrangig die Gesundheitsprüfung bestehen wollen. In diesem Fall wäre – unabhängig vom späteren Versicherungsbedarf – eine anfängliche Rente in Höhe von ca. 1.000 € empfehlenswert, um diese dann nach Abschluss des Studiums im Rahmen der Nachversicherungsgarantie angemessen erhöhen zu können.

Natürlich ernte ich für diesen Tipp auch Kritik einzelner Versicherungsmakler. Denn es ist zwar selten – aber nicht ausgeschlossen, dass auch ein Schüler oder Student dauerhaft berufsunfähig wird. Aber junge Leute schieben die BU-Absicherung häufig aus finanziellen Gründen auf. Danach bekommen viele keine bezahlbare Versicherung mehr, weil sie inzwischen einen sogenannten Risikoberuf erlernen bzw. ausüben oder eine risikorelevante Vorerkrankung erlitten haben. Deshalb kann für Jugendliche die Absicherung mit kleiner Berufsunfähigkeitsrente und späterer Erhöhungsmöglichkeit durchaus eine sinnvolle Alternative sein.

Wie berechne ich meinen aktuellen Bedarf?

Zur Ermittlung der derzeit benötigten Berufsunfähigkeitsrente können Sie das nachfolgende Formular nutzen. Tragen Sie hierzu Ihre durchschnittlichen monatlichen Ausgaben in Euro ohne Kommastellen ein:

durchschnittliche monatliche Ausgaben
Miet- und Mietnebenkosten: Kaltmiete zuzüglich aller Nebenkosten für die selbstgenutzte Wohnung bzw. das selbstgenutzte Eigenheim (inkl. Heizung, Strom, Wasser/Abwasser)
Mobilitätskosten: Betriebskosten für eigenes KFZ (Tankfüllung, Wartung, KFZ-Steuer) bzw. Kosten für Bus/Bahn
Kosten für Mediennutzung: Telefon-, Handy- und Internetkosten, Rundfunk- und Fernsehgebühren, Antennenanschlüsse, Bezahlfernsehen, Zeitungen und Zeitschriften usw.
Lebenshaltungskosten: Kosten für Lebensmittel und Getränke, Bekleidung, Gesundheit, Körperpflege, Hygiene usw.
Urlaubs- und Freizeitkosten: Geld für Urlaub, Hobbys, Beiträge für Sportvereine und andere Mitgliedschaften usw.
Schule und Ausbildung: Geld für Schule und Ausbildung der Kinder
Beiträge zur privaten Altersvorsorge: Sparraten zur privaten Altersvorsorge wie z.B. Riester-, Rürup-, private Renten- oder Lebensversicherungen sowie sonstige Bank- oder Fondssparpläne
(Unberücksichtigt bleiben können Sparraten, die im BU-Fall vom Versicherer weitergezahlt werden.)
Beiträge für private Krankenversicherung: Privat Versicherte berücksichtigen hier die Beiträge zur privaten Krankenvollversicherung
(Pflicht- und freiwillig Versicherte in der gesetzlichen Krankenversicherung tragen hier bitte eine „0“ ein.)
Kosten für sonstige Versicherungen: Hierunter fallen Beiträge für private Haftpflichtversicherungen, Sachversicherungen (Hausrat-, Eigenheimversicherung), KFZ-Versicherungen, Krankenzusatzversicherungen, Risiko-Lebensversicherungen und weiteren private Versicherungen
sonstige Verpflichtungen: z.B. Unterhaltsverpflichtungen, Leasing- und Kreditraten
Rücklagen für Ersatzinvestitionen: Rücklagen, wenn irgendwann Auto, Kühl- oder Gefrierschrank, Waschmaschine, Fernseher, PC aber auch Möbel usw. ersetzt werden müssen und hierfür keine zusätzlichen Kredite aufgenommen werden sollen
Zwischensumme: Summe der voraussichtlichen Ausgaben
abzüglich , mit denen sich Ihr Ehepartner/Lebenspartner an den o.g. Ausgaben dauerhaft beteiligt
abzüglich aus Einnahmen, die auch im Falle einer Berufsunfähigkeit erhalten bleiben; z.B. aus Vermietung und Verpachtung oder aus Kapitalerträgen
abzüglich aus Einsparungen, weil diese Ausgaben im Falle einer Berufsunfähigkeit nicht mehr anfallen oder Sie darauf verzichten würden
abzüglich aus eventuellen Nettoeinkünfte, die Sie trotz Berufsunfähigkeit noch in geringem Umfang erzielen können
(Diese Annahme hängt u.a. auch von der Art der Gesundheitsschädigung ab und ist daher höchst spekulativ. Kalkulieren Sie hier mit entsprechender Vorsicht.)
abzüglich aus eventueller gesetzlicher Erwerbsminderungsrente, die Sie bei vollständiger bzw. teilweiser Erwerbsminderung erhalten könnten. Die Rentenhöhe wegen voller Erwerbsminderung finden Sie auf Ihrer Renteninformation.
(Der Erhalt ist höchst spekulativ. Kalkulieren Sie hier mit entsprechender Vorsicht und keinesfalls gleichzeitig mit eventuellen Nettoeinkünften und eventueller Erwerbsminderungsrente.)
abzüglich aus bereits bestehenden Ansprüchen für den Fall einer Berufs-, Erwerbs- oder Dienstunfähigkeit
(Planen Sie diese Ansprüche nur ein, wenn der Begriff der Berufsunfähigkeit dort zufriedenstellend definiert ist.)
zuzüglich wegen eventueller krankheitsbedingter Mehraufwendungen im Fall einer Berufsunfähigkeit durch schwere Krankheit
zuzüglich wegen erforderlicher Aufstockung der privaten Altersvorsorge, da bei Beendigung/Unterbrechung der Berufstätigkeit kein AG mehr in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlt und bei längerer Unterbrechung Altersarmut droht.
vorläufige BU-Rente:  
zuzüglich: Gesetzlich und freiwillig Versicherte in der gesetzlichen Krankenkasse entrichten Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge in Abhängigkeit des Einkommens. Deshalb erfolgt hier eine Erhöhung um diesen voraussichtlichen Betrag.
Sicherheitszuschlag % Im Leistungsfall ist die Berufsunfähigkeitsrente mit dem Ertragsanteil zu versteuern. Dieser hängt von der voraussichtlichen Leistungsdauer ab und daher nicht vorhersehbar. Die tatsächlich zu entrichtenden Steuern richten sich nach Ihrem persönlichen Steuersatz. Bei einer kleineren bis mittleren BU-Rente wird man dies meist vernachlässigen können. Bei größeren Summen kann man hier einen Sicherheitszuschlag in der Größenordnung von 1 bis 5% vorgeben.
empf. BU-Rente:

Diese Tabelle erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sollte jedoch für die Mehrzahl der Antragsteller einen guten Richtwert geben. Letztlich bleibt es natürlich allein Ihre Entscheidung, in welcher Höhe Sie die Berufsunfähigkeitsrente beantragen. Zukünftige Bedarfserhöhungen durch jährliche Preissteigerungen können und sollten Sie durch die Vereinbarung einer planmäßigen Dynamisierung der Beiträge und Leistungen ausgleichen. Die Dynamisierung ist lediglich ein Angebot des Versicherers zur jährlichen Erhöhung ohne erneute Risikoprüfung. Sie können trotzdem jährlich entscheiden, ob Sie die Erhöhung in dem jeweiligen Jahr annehmen oder ablehnen.

Außerdem sollten Sie die Höhe der versicherten Rente nach ein paar Jahren überprüfen, um sie gegebenenfalls den neuen Erfordernissen anpassen zu können.

Tipp bei hoher Berufsunfähigkeitsrente

Berufsunfähigkeitsversicherungen sind Summenversicherungen, deshalb dürfen Sie auch mehrere solcher Versicherungen abschließen. Daraus ergeben sich für den Antragsteller sinnvolle Gestaltungsmöglichkeiten. Allerdings sollten Sie immer darauf achten, die im Antrag gestellte Frage nach bereits bestehenden oder beantragten Versicherungen vollständig und wahrheitsgemäß zu beantworten.

Aufsplittung der BU-Rente zur Vermeidung einer ärztlichen Untersuchung

Wollen Sie eine Rente über 2.500 € versichern, fordern viele Anbieter zusätzlich zur Beantwortung der Gesundheitsfragen im Antrag noch eine ärztliche Untersuchung. Das klingt nicht dramatisch – zumal der Versicherer i.d.R. die Kosten hierfür übernimmt. Problematisch ist aber, dass Sie dabei nochmals Fragen zum Gesundheitszustand beantworten müssen. Und diese Fragen sind bei vielen Versicherern zeitlich unbefristet. Dann ist es überlegenswert, statt einer großen, zwei kleinere BU-Versicherungen bei verschiedenen Anbietern zu beantragen. Damit können Sie die Beantwortung der zeitlich unbefristeten Fragen vermeiden. Dies ist wichtig, weil niemand solche unbefristete Fragen wirklich vollständig beantworten kann.

Muster - Ärztliches Zeugnis mit unbefristeten Gesundheitsfragen

Aufsplittung der Berufsunfähigkeitsrente zur Verteilung des Risikos

Wenn Sie eine größere Summe in Aktien investieren könnten, würden Sie dann nur Aktien einer Aktiengesellschaft kaufen? Wahrscheinlich würden Sie das Risiko reduzieren und in verschiedene gute Aktiengesellschaften investieren. Zugegeben – das ist nicht ganz vergleichbar, aber er verdeutlicht ein Problem. Es gibt mehrere sehr gute BU-Tarife mit sinnvollen Bedingungsverbesserungen, aber es wird vermutlich keinen einzigen Tarif geben, der alle für Sie vorteilhaften Erweiterungen beinhaltet. Was spricht also dagegen, statt einer Versicherung mit einer zu versichernden Berufsunfähigkeitsrente in Höhe von 2.500 €, zwei günstige Tarife mit jeweils 1.250 € zu beantragen? Ja – im Falle einer Berufsunfähigkeit müssten Sie bei zwei Versicherern Leistungsanträge stellen. Dafür kommen Sie aber auch von dem „Alles-oder-Nichts“-Prinzip weg, falls sich die Leistungsanerkennung bei einem der Versicherer verzögert.

Gelegentlich wird auch kritisiert, dass einzelne BU-Versicherer insbesondere bei Leistungsanträgen mit hohen Leistungsforderungen die Bearbeitung verzögern und Leistungen vorenthalten. Überprüfen lassen sich solche Behauptungen nicht, da es hierzu keine geeigneten Statistiken gibt. Und eine Vorausschau, wie sich die eine oder andere Versicherungsgesellschaft in 20 oder 30 Jahren verhalten wird, ist schon gar nicht möglich. Insofern wäre es sicherlich kein Fehler, eine hohe BU-Rente aufzusplitten.

Fazit:

Gerade in jungen Jahren – wenn das Einkommen noch fehlt oder gering ist – kann zur Sicherung der günstigen Beitragseinstufung auch eine niedrige Berufsunfähigkeitsrente mit guten Nachversicherungsmöglichkeiten sinnvoll sein. Dem Versicherten muss aber bewusst sein, dass er dann im Falle einer Berufsunfähigkeit zunächst unterversichert ist und dies durch die Nachversicherung möglichst zeitnah ändern muss. Denn das Risiko einer Berufsunfähigkeit in jungen Jahren ist zwar relativ gering, aber nicht ausgeschlossen.

Statt einer Versicherung mit hoher Rente können Sie auch zwei Berufsunfähigkeitsversicherungen mit jeweils der Hälfte bei verschiedenen Gesellschaften beantragen. Empfehlenswert ist die insbesondere, wenn das Versicherungsunternehmen bei der von Ihnen gewünschten Berufsunfähigkeitsrente eine ärztliche Untersuchung fordert und dabei zeitlich unbefristete Fragen stellt. Im BU-Fall haben Sie zwar einen höheren Aufwand, weil Sie die BU-Leistung bei zwei Versicherern beantragen müssen. Sie vermeiden so jedoch die Beantwortung der unbefristeten (Fang-)Fragen.

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