Berufsunfähigkeitsversicherungen mit AU-Klausel (Arbeitsunfähigkeitsklausel)

Muster einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung Immer mehr BU-Versicherer bieten Tarife mit einer AU-Klausel an. Dann kann der Versicherte schon bei einer länger anhaltenden Arbeitsunfähigkeit (Krankschreibung) Leistungen aus seiner Berufsunfähigkeitsversicherung erhalten – ohne wirklich berufsunfähig zu sein. Nachfolgend erläutern wir, warum eine solche Klausel sinnvoll ist und worauf Sie beim Abschluss achten müssen.

Arbeitsunfähigkeit versus Berufsunfähigkeit

Die Begriffe Arbeitsunfähigkeit und Berufsunfähigkeit werden zwar gelegentlich synonym verwendet, haben jedoch eine unterschiedliche Bedeutung. Bei einer Arbeitsunfähigkeit ist der Betroffene aus gesundheitlichen Gründen vorübergehend nicht mehr in der Lage, seinen Beruf auszuüben. Oder er erhält vom Arzt eine Krankschreibung, weil die weitere Ausübung der Berufstätigkeit seinen Genesungsprozess gefährden könnte. Das Wesentliche – bei einer Arbeitsunfähigkeit besteht Aussicht auf Besserung!

Berufsunfähig ist dagegen nur, wer voraussichtlich auf Dauer seinen Beruf nicht mehr ausüben kann. Bei einer guten Berufsunfähigkeitsversicherung wird dieser Prognosezeitraum zwar auf 6 Monate begrenzt. Damit aber die vereinbarte BU-Rente gezahlt wird, muss aber auch noch der bedingungsgemäße Grad der Berufsunfähigkeit (meist mindestens 50%) nachgewiesen werden.

Sinn einer AU-Klausel

In den meisten Fällen bearbeiten die Versicherer BU-Leistungsanträge zügig, so dass der Betroffene seine BU-Rente zeitnah erhalten kann. Aber es gibt durchaus auch Beispiele, bei denen der Versicherte auf seinen Bescheid warten muss, weil er den Grad der Berufsunfähigkeit noch nicht eindeutig nachweisen konnte oder sich verschiedene Gutachter über die Höhe des BU-Grades streiten.

Dann kann es äußerst vorteilhaft sein, eine Berufsunfähigkeitsversicherung mit AU-Klausel zu haben. Denn sie verspricht bereits nach 6-monatiger ununterbrochener Arbeitsunfähigkeit (Krankschreibung) auch ohne Nachweis eines BU-Grades eine befristete monatliche Rente. Die Befristung liegt je nach gewählten BU-Tarif zwischen 18 und 36 Monaten und kann helfen, die Zeit bis zur BU-Leistungsentscheidung zu überbrücken. Stellt sich später heraus, dass keine bedingungsgemäße Berufsunfähigkeit vorlag, wird keine Rückzahlung fällig.

Und durch die AU-Klausel erfolgen natürlich auch dann Leistungen, wenn der Versicherte zwar die mindestens 6 Monate ununterbrochen krank geschrieben war – aber durchaus Aussicht auf Besserung besteht. Aber dies ist eher ein angenehmer Nebeneffekt.

Auf das Kleingedruckte achten!

Doch wie immer, kommt es auch hier auf das Kleingedruckte an. Auf den ersten Blick scheinen die AU-Klauseln der Anbieter sehr ähnlich. Bei genauerer Betrachtung zeigen sich jedoch durchaus Unterschiede, die später über Leistung oder Nicht-Leistung entscheiden können.

Für wen gilt die Arbeitsunfähigkeitsklausel?

Hierzu finden wir bei manchem Versicherer keine eindeutige Antwort. So schreibt beispielsweise die Allianz in ihren Versicherungsbedingungen (Stand 12/2017):

Als krankgeschrieben im Sinne dieser Versicherungsbedingungen gilt die versicherte Person, wenn uns auf die versicherte Person ausgestellte ärztliche Bescheinigungen eingereicht werden, wie sie in § 5 Entgeltfortzahlungsgesetz (EntgFG) vorgesehen sind.

Das Problem: Das Entgeltfortzahlungsgesetz bezieht sich nur auf Arbeitnehmer. Streng genommen könnten Beamte, Selbstständige, Studierende und Hausfrauen /-männer die oben genannten ärztlichen Bescheinigungen also gar nicht erbringen. Obwohl dies schon einige Jahre kritisiert wird, vermeiden einige Versicherer eine Ergänzung und Klarstellung wie „Wenn die versicherte Person kein Arbeitnehmer ist, genügt ein entsprechendes fachärztliches Attest“. Das sollte uns nachdenklich stimmen!

Wie aufwändig ist die Beantragung der AU-Leistungen?

Für eine Auszahlung der versicherten Berufsunfähigkeitsrente muss der Versicherte nachweisen, dass er seine zuletzt ausgeübte Tätigkeit mit seinen gesundheitlichen Beschwerden nicht mehr oder nur noch teilweise ausüben kann. Das ist manchmal aufwändig und kompliziert. Die AU-Klausel verspricht dagegen einen vereinfachten Weg zur befristeten Übergangsleistung, denn der Grad der Berufsunfähigkeit muss (noch) nicht nachgewiesen werden.

Trotzdem gibt es auch hier Unterschiede. Manche BU-Versicherer fordern, zeitgleich mit dem Antrag auf AU-Leistungen wegen Krankschreibung auch einen vollständigen BU-Leistungsantrag zu stellen. Damit rückt das Ziel einer vereinfachten Antragstellung wieder in die Ferne. Bei unserem Onlinevergleich können Sie gezielt die Tarife auswählen, bei denen AU-Leistungen auch ohne zeitgleichen BU-Leistungsantrag beantragt werden können.

Übersicht zur Verbraucherfreundlichkeit der AU-Klauseln

Die nachfolgende Tabelle (Stand 01.08.2018) gibt einen Überblick zur Verbraucherfreundlichkeit der verschiedenen AU-Klauseln:

Versicherer (Tarif) AU-Klausel
eindeutig auch für
Nicht-Arbeitnehmer
Leistung auch ohne
BU-Leistungsantrag
maximale
Dauer
AachenMünchener (BerufsunfähigkeitsPolice Extra) 18 Monate
Allianz (Selbstständige BerufsunfähigkeitsPolice +AU) 18 Monate
Alte Leipziger (BV10 +AU) 24 Monate
AXA (ALVSBV +AU) 18 Monate
Barmenia (SoloBU +AU) 18 Monate
Basler (BP +AU) 36 Monate
Canada Life (Berufsunfähigkeitsschutz) keine AU-Option verfügbar
Condor (C80) 36 Monate
Continentale (PremiumBU Plus) 18 Monate
CosmosDirekt (BUZ-Comfort-Schutz) keine AU-Option verfügbar
Debeka (BV-T) keine AU-Option verfügbar
Dialog (SBU-professional +AU) 24 Monate
die Bayerische (BU PROTECT Prestige) 18 Monate
Getsurance (Job Premium) keine AU-Option verfügbar
Gothaer (Premium +AU) 18 Monate
Hannoversche (SBU18) keine AU-Option verfügbar
HanseMerkur (Profi Care) keine AU-Option verfügbar
HDI (EGO Top +AU) 24 Monate
HUK (Premium +AU) 18 Monate
InterRisk (XXL) 24 Monate
LV 1871 (Golden-BU +AU) 18 Monate
Nürnberger (Comfort-Schutz +AU) 24 Monate
Stuttgarter (V91A) 18 Monate
Swiss Life (SBU) 24 Monate
UniVersa (PremiumSBU18) 24 Monate
Volkswohl Bund (SBU +AU) 18 Monate
Württembergische (BURV) keine AU-Option verfügbar
WWK (Komfort) keine AU-Option verfügbar
Zurich (SBU) 18 Monate

Vorsicht bei abgeschlossener Krankentagegeldversicherung!

Wer ein privates Krankentagegeld versichert hat, sollte vor Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung mit AU-Klausel unbedingt Folgendes beachten.

In den Musterbedingungen für die Krankentagegeldversicherung 2009 und vermutlich auch in Ihren Vertragsunterlagen zur privaten KTG-Versicherung heißt es unter § 9 Obliegenheiten Absatz (6):

Der Neuabschluss einer weiteren oder die Erhöhung einer anderweitig bestehenden Versicherung mit Anspruch auf Krankentagegeld darf nur mit Einwilligung des Versicherers vorgenommen werden.

Außerdem begrenzt der private KTG-Versicherer unter „Umfang der Leistungspflicht“ die Höhe des Krankentagegelds (zusammen mit sonstigen Krankentage- und Krankengeldern) auf das auf den Kalendertag umgerechnete Nettoeinkommen.

Das Problem: Es gibt noch keine abschließende Rechtsprechung, ob es sich bei AU-Leistungen aus einer Berufsunfähigkeitsversicherung um „sonstige Krankentage- oder Krankengelder“ im obigen Sinne handelt.

Sind Sie also bereits im Besitz einer privaten KTG-Versicherung und beabsichtigen den Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung mit AU-Klausel, so sollten Sie sich vorher von Ihrem KTG-Versicherer bestätigen lassen, dass er diese Leistungen aus der AU-Klausel nicht als Krankentage- oder Krankengeld betrachtet.

Für gesetzlich Krankenversicherte ohne private Krankentagegeldversicherung ist der Abschluss einer BU-Versicherung mit guter AU-Klausel unproblematisch – ja sogar empfehlenswert. Doch Sie sollten schon auf das Kleingedruckte achten – oder noch besser: sich von uns beraten lassen.

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