Dread-Disease-Versicherung – Schutz bei schweren Krankheiten

Eine Dread-Disease-Versicherung soll vor den finanziellen Folgen gefürchteter bzw. schwerer Krankheiten schützen. Sie zahlt die vereinbarte Versicherungssumme, wenn die versicherte Person während der Versicherungsdauer eine bestimmte, in den Versicherungsbedingungen exakt definierte Krankheit erleidet. Dadurch ist sie als private Arbeitskraftabsicherung nicht bzw. nur extrem eingeschränkt geeignet.

Die Dread-Disease-Versicherung kann als selbstständige Versicherung oder als Zusatzbaustein zu einer Lebens- oder Rentenversicherung abgeschlossen werden. Gelegentlich wird dann auch von dem Zusatzbaustein „Critical Illness“ gesprochen.

Welche Krankheiten gelten als versichert?

Laut Bericht zum Krebsgeschehen in Deutschland erkrankten im Jahr 2013 etwa 482.500 Menschen an einer bösartigen Krebserkrankung. Auch Herzinfarkt (rund 280.000 Neuerkrankungen pro Jahr) und Schlaganfall (rund 270.000 Neuerkrankungen pro Jahr) gehören zu den schweren Krankheiten, die in allen Dread-Disease-Versicherungen mitversichert sind.

Doch einheitliche Regelungen zu den versicherten Krankheiten gibt es nicht. Die Zurich Life versichert bei ihrem „Eagle Star Krankheitsschutzbrief“ 63 Krankheiten bzw. Ereignisse, Die Bayerische im Tarif „Premium Protect“ dagegen nur 38. Bei der „schwere Krankheiten Vorsorge“ der Canada Life (dies ist derzeit der Marktführer) sind beispielsweise folgende Krankheiten bzw. Ereignisse versichert:

  1. Abhängigkeit von einer dritten Person
  2. Amyotrophe Lateralsklerose (ALS)
  3. Angioplastie am Herzen
  4. Aortenplastik
  5. Aplastische Anämie
  6. Asbestose
  7. Bakterielle Meningitis
  8. Bypass-Operation der Herzkranzgefäße
  9. Chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung
  10. Creutzfeld-Jakob-Krankheit
  11. Enzephalitis
  12. Erkrankung des Herzmuskels
  13. Erkrankung des zentralen Nervensystems
  14. Fortgeschrittene Alzheimer Krankheit (vor Alter 65)
  15. Fortgeschrittene Lebererkrankung
  16. Fortgeschrittene Lungenerkrankung
  17. Fortgeschrittene Parkinson’sche Krankheit
  18. Funktionsverlust von Gliedmaßen
  19. Gutartiger Hirntumor
  20. Herzinfarkt
  21. Herzklappenoperation
  22. HIV-Infektion als Folge bestimmter berufl. Tätigkeiten
  23. HIV-Infektion bei einem körperlichen Übergriff
  1. HIV-Infektion durch Bluttransfusion
  2. Intrakranielles Aneurysma
  3. Kinderlähmung
  4. Knochenmarktransplantation
  5. Koma
  6. Krebs
  7. Motoneuronerkrankung
  8. Multiple Sklerose
  9. Multisystematrophie
  10. Muskeldystrophie
  11. Nierenversagen
  12. Progressive supranukleäre Blickparese
  13. Querschnittslähmung
  14. Schlaganfall
  15. Schwere Kopfverletzungen
  16. Schwere rheumatoide Arthritis
  17. Schwere Verbrennungen, Erfrierungen und Verätzungen
  18. Schwerer Unfall
  19. Sprachverlust
  20. Systemischer Lupus erythematodes
  21. Transplantation von Hauptorganen
  22. Verlust der Hörfähigkeit
  23. Verlust der Sehfähigkeit

Es kommt nicht auf die Anzahl an.

Viel wichtiger als die Anzahl ist jedoch, welche Krankheiten ab welchem Stadium versichert sind. Da es hier sehr unterschiedliche Definitionen gibt, wird die Auswahl eines bestimmten Tarifs schwierig. Schließlich weiß niemand, welche Krankheit er in welchem Ausmaß erleiden wird. Ist es nun besser, sich für den Tarif mit dem umfassendsten Schutz bei Schlaganfall oder für den Tarif mit der verbraucherfreundlichsten Definition bei Krebs zu entscheiden? Häufig wird sogar nur der jeweilige Facharzt sagen können, welche Formulierung besser ist. Für manche Krankheiten gelten auch verschiedene Karenz- oder Wartezeiten.

Auf jeden Fall sollten Sie nicht blind den Aussagen der Werbeprospekte oder mancher Vermittler vertrauen, die finanziellen Schutz bei Krebs, Herzinfarkt oder den sonstigen Krankheiten versprechen. Bei viele Krankheiten zahlt der Versicherer erst ab einem bestimmten Stadium. Dies musste auch eine Frau erfahren, bei der eine krankhafte Wucherung in der Brust entfernt wurde und trotz antihormoneller Therapie und Strahlentherapie keine Leistungen erhielt (vgl. Beschluss des OLG Oldenburg Az: 5 U 87/09). Deshalb ist ein Blick in die konkreten Vertragsunterlagen des jeweiligen Tarifs unerlässlich. Bezüglich Krebs schreibt beispielsweise die Canada Life in den Versicherungsbedingungen ihrer „schwere Krankheiten Vorsorge“ (Stand: 02/2018):

Krebs bezeichnet eine bösartige Gewebsneubildung, bei der Körperzellen unkontrolliert wachsen und gesundes Gewebe verdrängen und zerstören. Die Diagnose Krebs im Sinne dieser Bedingungen umfasst auch Leukämien, bösartige Tumore des Lymphsystems (Lymphome), Morbus Hodgkin und maligne Knochenmarkserkrankungen. Die Diagnose muss anhand eines feingeweblichen Nachweises durch einen qualifizierten Onkologen oder Pathologen erfolgen. Krebs zeichnet sich durch ein unkontrolliertes Wachstum, die Vermehrung von Tumorzellen und die Einwanderung in gesundes Gewebe und dessen Zerstörung aus.
 
Folgende Erkrankungen sind ausgeschlossen
  • Carcinoma in situ, d.h. alle prämalignen Erkrankungen oder nicht-invasiven Krebserkrankungen (z.B. CIN-1 bis CIN-3 bei Gebärmutterhalsveränderungen, Krebserkrankungen im Stadium 0)
  • Früher Prostatakrebs nach der TNM-Klassifikation T1a N0 M0 und T1b N0 M0
  • Maligne Melanome der Haut nach der TNM-Klassifikation T1a N0 M0, T1b N0 M0 und T2a N0 M0
  • Hyperkeratosen, Basaliome und Spinaliome
  • Alle anderen Tumorerkrankungen im Stadium I, wenn für die Behandlung weder eine Strahlen- noch eine Chemotherapie erforderlich ist; die Notwendigkeit einer Strahlen- oder Chemotherapie ist durch einen gemäß § 28 Absatz 11 qualifizierten Arzt zu bestätigen.
Stadieneinteilungen und Klassifikationen gemäß der TNM-Klassifikation nach UICC/AJCC oder der Klassifikation für Lymphomerkrankungen nach Ann Arbor. Es besteht kein Versicherungsschutz für Krebs, der innerhalb der ersten sechs Monate nach Beginn des Versicherungsschutzes (siehe § 14 Absatz 1) bzw. nach Erhöhung des Schutzes, bezogen auf den erhöhten Teil, diagnostiziert wird.

Alles verstanden? Schön – dann schauen Sie sich vor dem Abschluss einer Dread-Disease-Versicherung auch die konkreten Definitionen zu den anderen versicherten Krankheiten an. Denn maßgebend sind immer die Versicherungsbedingungen – nicht die Werbeaussagen.

Wann ist eine Dread-Disease-Versicherung sinnvoll?

Der Abschluss einer Dread-Disease-Versicherung kann richtig sein, wenn Sie im Falle einer schweren Krankheit einen größeren Geldbetrag benötigen, um beispielsweise

  • ein aufgenommenes Darlehen zurückzuzahlen,
  • Ihr Haus oder Ihre Eigentumswohnung den gesundheitlichen Erfordernissen entsprechend umzubauen und/oder
  • sich eine teure Therapie zu leisten, die der Krankenversicherer bzw. die Krankenkasse nicht bezahlen würde.

Die Versicherung kann von Unternehmen auch als Keyman-Police genutzt werden, wenn der plötzliche Ausfall eines angestellten Spezialisten durch eine der versicherten Krankheiten zu Liquiditätsengpässen oder gar zum wirtschaftlichen Ruin führen würde. In dieser Funktion schützt sie das Unternehmen – nicht den unabkömmlichen Spezialisten.

Besonderheiten bei der Beitragkalkulation

Die Beiträge für die Dread-Disease-Versicherung sind je nach Anbieter konventionell oder fondsgebunden kalkuliert.

Bei konventioneller Kalkulation werden die Tarifbeiträge vorab mit entsprechender Vorsicht kalkuliert. Höhere Zinsen, niedrigere Verwaltungskosten und vor allem geringere Versicherungsfälle sorgen normalerweise für einen Überschuss. Aus der Verrechnung dieser Überschüsse ergibt sich dann der tatsächlich zu zahlende Zahlbeitrag. Dieser ist jedoch nicht für die gesamte Versicherungsdauer garantiert und kann sich bei einer Reduzierung der Überschüsse erhöhen – im Extremfall bis zur Höhe des Tarifbeitrags.

Bei Dread-Disease-Versicherungen auf Fondsbasis werden die Beiträge in Investmentfonds angelegt. Je nach Entwicklung der Kosten, der Versicherungsfälle und des Fondsvermögens können die Beiträge steigen oder sinken. Deswegen wird der Beitrag lediglich für die ersten Vertragsjahre garantiert.

In keine dieser Gruppen passt der „Krankheits-Schutzbrief“ der Zurich Life. Dies ist ein Tarif nach irischem Recht. Der zu zahlende Beitrag ist über die gesamte Versicherungsdauer garantiert. Doch wie wird die Gesellschaft handeln, wenn die Versicherungsfälle über das kalkulierte Maß steigen?

Dread-Disease-Versicherer mit konventioneller Beitragskalkulation

  • die Bayerische
  • Nürnberger

Dread-Disease-Versicherer mit Beitragskalkulation auf Fondsbasis

  • Canada Life
  • Gothaer

Sind Dread-Disease-Policen eine Alternative zur Berufsunfähigkeitsversicherung?

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung leistet eine monatliche Rentenzahlung, wenn die versicherte Person infolge irgendeiner Krankheit oder Körperverletzung Ihren zuletzt ausgeübten Beruf aufgeben muss.

Die Dread-Disease-Versicherung zahlt dagegen eine einmalig Leistung, wenn der Versicherte eine exakt definierte Krankheit erleidet. Sie erbringt oder verweigert also die Versicherungsleistung unabhängig davon, ob die versicherte Person berufsunfähig ist. Aber die Hauptursachen einer Berufsunfähigkeit bleiben regelmäßig unversichert.

Auch die einmalige Auszahlung der Versicherungssumme ist eher ungeeignet, die finanziellen Folgen einer dauerhaften Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit abzusichern. Sie können gern einmal den Wert Ihrer Arbeitskraft nachrechnen und dann überlegen, wie hoch die Versicherungssumme der Dread-Disease-Police sein müsste.

Aus diesen Gründen ist eine Dread-Disease-Versicherung keine Alternative zur Berufsunfähigkeitsversicherung. Sie kann diese unter Umständen ergänzen – aber keinesfalls ersetzen.

Berechnen Sie den Wert Ihrer Arbeitskraft:

monatl. Bruttoeinkommen:
* 12 Monate =
Jahre bis zur Altersrente:
jährl. Einkommensdynamik: %
Wert der Arbeitskraft:
Eine Dread-Disease-Police zur Absicherung der Arbeitskraft
              ist ungefähr so sinnvoll, wie eine PKW-Versicherung, die nur bei Unfällen mit einem LKW leistet.

Die Verbraucherzentrale Niedersachsen formuliert dies etwas diplomatischer. Sie schreibt:

Eine Dread-Disease-Versicherung sollte allerdings erst an dritter Stelle zur Absicherung ihrer Arbeitskraft stehen. Die beste Wahl ist die Berufs- (BU) gefolgt von der Erwerbsunfähigkeitsversicherung (EU).

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