Berufsunfähigkeitsversicherung für Studenten

Abgesehen von Dualstudenten hat ein Student meist noch keinen Beruf und auch kein nennenswertes Einkommen. Und selbst das Risiko, schon als junger Mensch berufsunfähig zu werden, ist relativ gering. Trotzdem ist spätestens mit Beginn des Studiums eine private Berufsunfähigkeitsversicherung ratsam. Doch ein paar Besonderheiten sollten Sie beim Abschluss dieser Versicherung beachten.

Warum ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung für Studenten wichtig?

Student mit Notebook Hierfür gibt es gleich mehrere Gründe:

  1. Ein Student erhält bei Berufs- bzw. Studierunfähigkeit keine staatliche Hilfe. Selbst im Falle einer absoluten Erwerbsunfähigkeit hat er keinerlei Ansprüche auf die gesetzliche Erwerbsminderungsrente, da er die versicherungstechnischen Voraussetzungen hierfür nicht erfüllt. Hierzu muss er in den letzten 5 Jahren vor Eintritt einer Erwerbsminderung mindestens 3 Jahre Pflichtbeiträge für eine versicherte Beschäftigung gezahlt haben.
  2. Das Risiko, schon als Student berufsunfähig zu werden, ist relativ gering. Es wächst erst mit zunehmendem Alter. Wenn aber das Ungewöhnliche eintritt, hilft diese Statistik nicht wirklich – nur eine gut dimensionierte Berufsunfähigkeitsversicherung.
  3. Die meisten Studenten – dies hängt von der Studienrichtung ab – werden in eine günstige Berufsgruppe eingestuft. Und mit dem frühzeitigen Abschluss sichern sie sich dauerhaft niedrige Beiträge.
  4. Der wichtigste Grund für den frühzeitigen Abschluss ist jedoch, dass auch junge Menschen gesundheitliche Beschwerden durch Unfall, Krankheit oder Stress erleiden. Laut dem „BARMER-Arztreport 2018“ ist inzwischen mehr als jeder sechste Student (17 Prozent) von einer psychischen Diagnose betroffen. Glücklicherweise führt dies bei jungen Menschen nur selten zur Berufsunfähigkeit und die Kosten für die Genesung trägt die Krankenversicherung. Aber bei einer späteren Beantragung einer Berufsunfähigkeitsversicherung sind solche Vorerkrankungen anzugeben. Dann wird es oft schwierig bis unmöglich, einen Vertrag zu normalen Konditionen zu bekommen. Versicherer fordern bei risikorelevanten Vorerkrankungen regelmäßig Leistungsausschlüsse oder Risikozuschläge. Dadurch wird die Berufsunfähigkeitsabsicherung löchrig, teuer – im Extremfall auch unmöglich!
  5. Vielleicht waren Sie als Student gar nicht krank und hatten Ihren Arzt nur um eine Krankschreibung gebeten, um eine Sportbefreiung zu erhalten oder den verpassten Abgabetermin begründen zu können. Das Problem: Ab sofort steht diese Gefälligkeitsdiagnose als tatsächlich erlittene Vorerkrankung in Ihrer Krankenakte und ist bei der Beantragung einer Berufsunfähigkeitsversicherung mit anzugeben. Wird dies vergessen, kann es im BU-Fall Probleme bei der Leistungsprüfung geben.

Aber all dies können Sie durch den rechtzeigen Abschluss einer privaten Berufsunfähigkeitsversicherung vermeiden.

Manchmal ist sogar der Abschluss als Student zu spät.

Bei Berufsunfähigkeitsversicherungen erfolgt die Kalkulation der Prämien anhand von Berufsgruppen (Risikoklassen). Deswegen zahlt ein Lehrer für den gleichen BU-Schutz deutlich höhere Beiträge als ein Maschinenbauingenieur. Und bei Studenten versuchen die Versicherer, das zukünftige BU-Risiko anhand der Studienrichtung zu bestimmen. Deshalb fordern sie immer die Angabe des Studiengangs. Für Absolventen mancher Studienrichtungen wird die Berufsunfähigkeitsversicherung teuer (Lehramt, Journalismus) – vielleicht auch unmöglich (Sport, Musik, Kunst).

Wer jetzt noch Schüler ist und erst nach Abschluss des laufenden Schuljahres ein solches Studium beginnt, sollte seine Berufsunfähigkeitsversicherung besser noch als Schüler abschließen.

Optimaler BU-Schutz – auch nach der Exmatrikulation.

Nach dem Studium beginnt die deutlich längere Zeit als Arbeitnehmer oder Selbstständiger. Mit zunehmendem Alter steigt dann auch das Risiko, berufsunfähig zu werden. Deshalb muss die Berufsunfähigkeitsversicherung in jeder Lebensphase optimalen Schutz bieten – ganz gleich, ob der Student sein Studium abbricht und eine risikobehaftete Tätigkeit aufnimmt oder nach erfolgreichem Abschluss als selbstständiger Akademiker tätig wird.

Deshalb muss auch der Student auf die für Arbeitnehmer und Selbstständige wichtigen Punkte einer Berufsunfähigkeitsversicherung achten, wie zum Beispiel:

  • Verzicht des Versicherers auf abstrakte Verweisung,
  • verbraucherfreundliche und transparente Regeln für den Fall einer konkreten Verweisung,
  • kurzer Prognosezeitraum,
  • Rückwirkende Leistung nach 6-monatiger Berufsunfähigkeit,
  • Rückwirkende Leistung bei verspäteter Leistungsanmeldung,
  • Verzicht auf Kündigung und Vertragsanpassung bei unverschuldeter Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflicht,
  • weltweiter Versicherungsschutz,
  • zumutbare Arztanordnungsklausel,
  • vollwertiger BU-Schutz auch nach vorübergehendem Ausscheiden aus dem Berufsleben und gegebenenfalls
  • eine verbraucherfreundliche Umorganisationsklausel. (Diese definiert, unter welchen Voraussetzungen einem Selbstständigen eine Umorganisation seines Betriebs zugemutet werden kann, so dass er trotz seiner gesundheitlichen Beschwerden noch als Betriebsinhaber tätig sein kann.)

Nicht jede Berufsunfähigkeitsversicherung ist studentenfreundlich.

Einige Versicherungsgesellschaften verwehren Studenten einen umfassenden BU-Schutz mit der Begründung, dass ein Student noch keinen „echten“ Beruf erlernt bzw. ausgeübt hat. Mittels einer sogenannten Studenten- oder Erwerbsunfähigkeitsklausel reduzieren sie den Versicherungsschutz bis zum Abschluss des Studiums auf eine unzureichende Erwerbsunfähigkeitsversicherung. In diesem Fall würde der Versicherte bei einer Berufsunfähigkeit während des Studiums nur dann Leistungen erhalten, wenn er gar keine Tätigkeit regelmäßig für mindestens 3 Stunden täglich ausüben kann.

Andere Versicherer verzichten während der Studienzeit nicht auf die abstrakte Verweisung. Dann kann der Versicherer die Leistungen verweigern und auf eine andere Tätigkeit verweisen, die der bisherigen Lebensstellung entspricht und der Student mit seinen gesundheitlichen Einschränkungen noch absolvieren könnte.

Ein unrühmliches Beispiel liefert auch die „BerufsunfähigkeitsPolice“ der Allianz. Bei der BU-Absicherung eines Studenten fordert sie eine Studentenklausel, mit der unter anderem vereinbart wird (Stand: 01/2018):

Bricht die versicherte Person ihr Studium ab, besteht Versicherungsschutz nur für den Fall der Erwerbsunfähigkeit. Hat die versicherte Person bereits einen akademischen Abschluss (z.B. Bachelor) erzielt und bricht ein darauf folgendes Studium ab, so ist die versicherte Person weiterhin gegen Berufsunfähigkeit versichert.

So etwas müssen Sie als Student nicht akzeptieren. Es gibt genügend studentenfreundliche BU-Versicherungen mit sehr guten Vertragsbestimmungen, bei denen das Studium der konkreten Fachrichtung als Berufstätigkeit definiert ist. Bei einer solchen Versicherung ist dann auch keine abstrakte Verweisung auf ein Studium einer anderen Fachrichtung möglich.

Welche Tätigkeit sollte während der Studienzeit versichert sein?

Bei manchen Tarifen gilt während der Studienzeit der angestrebte Beruf als versichert.

Doch was hilft dies einem Studenten, der mit seinen gesundheitlichen Einschränkungen zwar den angestrebten Beruf ausüben könnte – das hierzu erforderliche Studium aber nicht beenden kann?

Und was verstehen beide Vertragsparteien unter dem „angestrebten Beruf“? Ein Maschinenbauingenieur kann beispielsweise zu 100% im Büro sitzen und kaum Kundenkontakt haben. Er kann aber auch die Wartung und Montage von Anlagen beim Kunden überwachen und damit ein ganz anderes Tätigkeitsprofil aufweisen.

Welchen Maschinenbauingenieur wird der Versicherer für die Prüfung der Berufsunfähigkeit heranziehen? Bei Studenten der meisten Studienfächer dürften hier Streitigkeiten vorprogrammiert sein.

Manchmal gilt während der Studienzeit die Tätigkeit im zuletzt betriebenen Studium als versichert.

Das ist zweifellos sinnvoll und entspricht dem Grundgedanken einer Berufsunfähigkeitsversicherung.

Wenn der berufsunfähige Student jedoch später irgendeine Berufstätigkeit aufnimmt, kann der Versicherer im Rahmen einer konkreten Verweisung die Zahlung der Berufsunfähigkeitsrente einstellen. Er muss hierzu nur nachweisen, dass die neue Tätigkeit der bisher erreichten Lebensstellung entspricht.

Aber wenn der Student bei Eintritt der Berufsunfähigkeit noch keinen akademischen Abschluss und auch kaum Einkommen hatte, fällt dem Versicherer die konkrete Verweisung – selbst auf eine einfache und schlecht bezahlte Tätigkeit – relativ leicht.

unser Tipp

Am günstigsten für Studenten ist, wenn der Versicherer bei Eintritt einer Berufsunfähigkeit während der Studienzeit

  • die Berufsunfähigkeit konkret anhand des zuletzt vor Eintritt des Versicherungsfalls absolvierten Studiums prüft,
  • auf eine abstrakte Verweisung verzichtet und
  • für die Prüfung einer konkreten Verweisung die Lebensstellung (Vergütung und soziale Wertschätzung) heranzieht, die regelmäßig mit dem erfolgreichen Abschluss dieses Studiums erreicht wird.

In den Bedingungswerken liest sich dies so bzw. so ähnlich:

Berufsunfähigkeit liegt vor, wenn der Versicherte infolge Krankheit, Körperverletzung oder Kräfteverfalls, die ärztlich nachzuweisen sind, voraussichtlich sechs Monate ununterbrochen außerstande ist, seinen zuletzt ausgeübten Beruf, so wie er ohne gesundheitliche Beeinträchtigungen ausgestaltet war, auszuüben. Die Tätigkeiten von Studenten sehen wir als Beruf an. Wir verzichten auf eine abstrakte Verweisung.
Ist der Versicherte bei Eintritt der Krankheit, der Körperverletzung oder des Kräfteverfalls noch im Studium und hat mindestens die Hälfte der gesetzlich vorgesehenen oder im Durchschnitt üblichen Studienzeit absolviert, wird im Rahmen der konkreten Verweisung (auf einen tatsächlich ausgeübten anderen Beruf oder eine andere Ausbildung) auf die Lebensstellung hinsichtlich Vergütung und sozialer Wertschätzung abgestellt, die regelmäßig mit dem erfolgreichen Abschluss eines solchen Studiums erreicht wird.

Die diesbezüglich interessantesten Tarife bieten die „Alte Leipziger“ und die „Lebensversicherung von 1871“.

Wenn die versicherbare Berufsunfähigkeitsrente begrenzt ist, sind gute Möglichkeiten zur Erhöhung wichtig.

Viele Versicherungsunternehmen begrenzen die Höhe der versicherbaren Berufsunfähigkeitsrente für Studierende auf 1.000 bis 1.250 € monatlich. Nur bei einzelnen Anbietern ist eine BU-Rente bis 2.000 € versicherbar. Doch viele Studenten können sich allein aus finanzieller Sicht noch keine BU-Rente in der später benötigten Höhe leisten. Wenn Sie als Student zunächst nur eine kleinere Rente versichern und diese später erhöhen wollen, benötigen Sie eine Berufsunfähigkeitsversicherung mit guter Nachversicherungsgarantie. Damit können Sie Ihre BU-Absicherung zu bestimmten Anlässen (z.B. Abschluss des Studiums, Hochzeit, Geburt eines Kindes) ohne erneute Gesundheitsprüfung und bei manchem Tarif sogar ohne erneute Risikoprüfung erhöhen. Letzteres ist natürlich empfehlenswerter, weil der Beitragssatz selbst bei einer inzwischen risikoreicheren Berufstätigkeit oder eines neu hinzugekommenen Hobbys niedrig bleibt.

Die Versicherungsgesellschaften definieren jedoch unterschiedliche Anlässe und Fristen, innerhalb derer die Nachversicherung erfolgen muss. Manche Gesellschaften bieten zusätzlich eine anlassunabhängige Nachversicherungsgarantie zu bestimmten Zeitpunkten beziehungsweise innerhalb bestimmter Zeiträume an. Deswegen sollten Sie hierzu die diesbezüglichen Bedingungen des angebotenen Vertrags studieren.

Eine andere Möglichkeit zur Erhöhung der BU-Rente ist die Vereinbarung einer jährlichen Dynamik. Dabei wird die versicherte Rente jährlich und ohne bestimmten Anlass um den vereinbarten Prozentsatz erhöht und so der laufenden Inflation angepasst. Natürlich erhöht sich nach dieser Erhöhung auch der zu zahlende Beitrag entsprechend der erhöhten Rente und dem inzwischen erreichten Alter der versicherten Person. Ein inzwischen ausgeübter, Risikoberuf oder ein riskantes Hobby wirken sich dabei jedoch nicht auf den Beitrag aus. Wünschen Sie diese dynamische Anpassung in einem Jahr nicht, können Sie dieser problemlos widersprechen. Nur wenn Sie der Dynamisierung mehr als zweimal hintereinander widersprechen, erlischt bei den meisten Tarifen das Recht auf weitere Erhöhungen!

Natürlich sollte ein Student bei der Auswahl der geeigneten Berufsunfähigkeitsversicherung auch weitere Punkte zu beachten. Am besten, Sie lassen sich von uns beraten.

zur Startseitezum BU-Vergleichzur Beratung

Fragezeichen

Sie haben noch Fragen zur Berufsunfähigkeitsversicherung für Studenten?

Nur wenn Sie uns fragen, können wir Ihnen helfen:
(Die hier übermittelten Angaben bleiben vertraulich. Wir leiten diese keinesfalls an Dritte weiter.)







Ich habe die Datenschutzerklärung zur Kenntnis genommen und bin mit der Speicherung und Verarbeitung meiner Daten durch den Betreiber dieser Website einverstanden.*

Mit * gekennzeichneten Felder sind Pflichtfelder und müssen ausgefüllt werden.