Wie viel bleibt von der Berufsunfähigkeitsrente nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben?

erstellt am 03.05.2019

Sparschwein für Sozialabgaben

Wer seine Berufsunfähigkeitsversicherung bedarfsgerecht beantragen will, sollte eigentlich auch eventuell anfallende Steuern und Sozialabgaben auf die ausgezahlte Berufsunfähigkeitsrente berücksichtigen. Doch dies ist schwer vorauszusagen und hängt von verschiedenen Faktoren und der individuellen Situation des Versicherten ab.

Anfallende Steuern sind das geringere Problem.

Berufsunfähigkeitsrente in Verbindung mit der Rürup- (1. Schicht) oder Riester-Rente (2. Schicht)

Die Rürup-Rente ist eine vom Staat steuerlich geförderte, private Altersvorsorge für Selbstständige und Freiberufler, die – unter Beachtung gesetzlicher Vorgaben – auch um eine Berufsunfähigkeits-Zusatzversicherung (BUZ) ergänzt werden kann. Im Leistungsfall kommt es jedoch zur nachgelagerten Besteuerung der Berufsunfähigkeitsrente. Bei Beginn der Berufsunfähigkeit in 2020 liegt der zu besteuernde Anteil der Berufsunfähigkeitsrente bei 80%. Bis 2040 erhöht sich der Prozentsatz jährlich um 1%. Bei Eintritt der Berufsunfähigkeit ab 2040 wird dann also die gesamte BU-Rente steuerpflichtig.

Die Riester-Rente ist eine durch staatliche Zulagen und Sonderausgabenabzug geförderte private Altersvorsorge vorrangig Arbeitnehmer und Beamte. Auch sie kann – unter Beachtung der gesetzlichen Vorgaben – auch um eine BUZ ergänzt werden. Bei Eintritt der Berufsunfähigkeit ist in jedem Fall die gesamte Berufsunfähigkeitsrente steuerpflichtig.

Berufsunfähigkeitsrente aus einer selbstständigen Berufsunfähigkeitsversicherung (3. Schicht)

Für selbstständige Berufsunfähigkeitsversicherungen gibt es während der Beitragszahlung keine speziellen Förderungen. Dafür zählt die im Leistungsfall ausgezahlte Berufsunfähigkeitsrente steuerrechtlich zu den abgekürzten Leibrenten, die nur mit dem so genannten Ertragsanteil zu versteuern sind. Dessen Höhe ist wiederum von der voraussichtlichen Bezugsdauer der Berufsunfähigkeitsrente abhängig, wie nachfolgende Tabelle verdeutlicht.

voraussichtl.
Bezugsdauer
der BU-Rente
Ertragsanteil steuerpflichtiger
Anteil bei mtl.
2.000 € BU-Rente
5 Jahre 5 % 100 €
10 Jahre 12 % 240 €
15 Jahre 16 % 320 €
20 Jahre 21 % 420 €
25 Jahre 26 % 520 €
30 Jahre 30 % 600 €
35 Jahre 35 % 700 €
40 Jahre 39 % 780 €

Hat ein Single eine Berufsunfähigkeitsversicherung mit einer monatlichen BU-Rente von 2.000 € bis zum 67. Lebensjahr abgeschlossen und wird im 32. Lebensjahr berufsunfähig, beträgt die voraussichtliche Bezugsdauer 35 Jahre und der Ertragsanteil 35 Prozent. Von der übers Jahr erhaltenen Berufsunfähigkeitsrente in Höhe von insgesamt 24.000 € sind damit 8.400 € (700 €/Monat * 12 Monate) steuerpflichtig. Ist die Berufsunfähigkeitsrente seine einzige Einnahmequelle, muss er keine Steuern zahlen, weil diese 8.400 € unter dem jährlichen Grundfreibetrag von 9.168 € für Ledige (Stand 2019) liegen.

Sozialabgaben können die Berufsunfähigkeitsrente spürbar schmälern.

Wenn die Versicherung über den Arbeitgeber im Rahmen der betrieblichen Altersvorsorge abgeschlossen wurde, ist die Rente in voller Höhe beitragspflichtig. Die Berufsunfähigkeitsrente wird sofort um Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge gekürzt. Da wir auf diesem Portal jedoch ausschließlich private Berufsunfähigkeitsversicherungen der so genannten 3. Schicht analysieren und vergleichen, werden wir genau diese Versicherungen bezüglich der Sozialabgaben nun etwas genauer betrachten.

Sozialabgaben bei versicherungspflichtigen Mitglieder einer Krankenkasse

Pflichtversicherte einer gesetzlichen Krankenkasse müssen normalerweise keine Krankenkassenbeiträge auf die Rente aus einer privaten Berufsunfähigkeitsversicherung bezahlen. Allerdings führt die Krankenkasse nach Eintritt einer Berufsunfähigkeit eine Statusprüfung durch und entscheidet dann entsprechend der individuellen Einkommenssituation, ob der Betroffene weiterhin pflichtversichert bleibt (z. B. bei gleichzeitigem Anspruch auf eine gesetzliche Erwerbsminderungsrente) oder sich ab sofort freiwillig versichern muss (z. B. falls die Berufsunfähigkeitsrente die einzige Einnahme ist).

Wichtig für freiwillig gesetzliche versicherte Mitglieder einer Krankenkasse

Für diesen Personenkreis zählen laut dem Katalog von Einnahmen und deren beitragsrechtliche Bewertung nach § 240 SGB V vom 20. November 2018 Kapitalleistungen aus Berufsunfähigkeitsversicherungen zu den beitragspflichtigen Einnahmen. Folglich müssen diese freiwillig Versicherten auf die erhaltene Berufsunfähigkeitsrente den ermäßigten allgemeinen Beitragssatz plus Zusatzbeitrag der Krankenkasse und den Pflegebeitrag entrichten. Von der erhaltenen Berufsunfähigkeitsrente gehen somit je nach Krankenkasse und Pflegebeitrag zwischen 17,25% bis 18,93% ab!

Unter diesem Gesichtspunkt erscheint es dann durchaus sinnvoll, sich trotz Berufsunfähigkeit im ursprünglichen Beruf eine mehr als geringfügige Beschäftigung zu suchen, um in der Krankenkasse pflichtversichert zu bleiben bzw. es wieder zu werden.

Hinweis für privat Krankenversicherte

Für privat Krankenversicherte ändert sich durch die Berufsunfähigkeit bei der Beitragszahlung wenig. Sie zahlen die Beiträge zur privaten Krankenversicherung in voller Höhe weiter.

Lediglich bei der Krankentagegeldversicherung wird es eine Änderung geben. Entsprechend den Musterbedingungen für die Krankentagegeldversicherung 2009 und vermutlich auch entsprechend Ihrer Vertragsunterlagen zur privaten KTG-Versicherung endet der Versicherungsschutz bei Eintritt einer Berufsunfähigkeit. Damit sind wären dann hierfür auch keine Beiträge mehr zu zahlen.

Unser Tipp für Inhaber einer privaten KTG-Versicherung:

Wenn Sie Ihre KTG-Versicherung in eine Anwartschaft umwandeln, können Sie den Versicherungsschutz wieder aufleben lassen, falls sich die Berufsunfähigkeit als nicht dauerhaft erweisen sollte.

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