Schulunfähigkeitsversicherung – Vor- und Nachteile

Was ist eine Schulunfähigkeitsversicherung?

Eine Schulunfähigkeitsversicherung zahlt die bei Vertragsabschluss vereinbarte monatliche Rente, wenn das versicherte Kind aus gesundheitlichen Gründen längere Zeit nicht am regulären Schulunterricht teilnehmen kann. Bekanntester Vertreter dieser Sparte war vermutlich der „Biene Maja Schüler Schutzbrief“ der Nürnberger Versicherung. Dieser wurde im Juli 2022 durch die „Nürnberger Kindervorsorge“ abgelöst. Entsprechend dem darin enthaltenen Baustein „Schulunfähigkeitsschutz4Future“ liegt Schulunfähigkeit vor, wenn

die versicherte Person infolge Krankheit, Verletzung des Körpers oder Kräfteverfalls, die ärztlich nachzuweisen sind, gesundheitlich beeinträchtigt ist und voraussichtlich mindestens 6 Monate ununterbrochen außerstande ist oder bereits 6 Monate ununterbrochen außerstande gewesen ist,
  • voraussichtlich mindestens 6 Monate ununterbrochen außerstande ist oder
  • bereits 6 Monate ununterbrochen außerstande gewesen ist,
als Schüler an dem vor Eintritt des Versicherungsfalles besuchten Schulunterricht an einer allgemeinbildenden Schule zu mindestens 50 % teilzunehmen.
Maßgeblich dafür ist der zuletzt ohne gesundheitliche Beeinträchtigung besuchte Unterricht in seiner konkreten Ausgestaltung einschließlich der Hausaufgaben, der Bewältigung des Schulweges sowie der Ausstattung des Schulgebäudes.

Dies ist eine sehr vorbildliche Formulierung – zumal in den Versicherungsbedingungen dann auch noch ausdrücklich auf die Möglichkeit sowohl einer abstrakten als auch einer konkreten Verweisung auf eine andere Schulform verzichtet wird.

Wie sinnvoll ist die Schulunfähigkeitsversicherung?

Die statistische Wahrscheinlichkeit einer Schulunfähigkeit ist vermutlich gering. Zahlen hierzu veröffentlichen die Versicherer jedoch leider nicht. Insofern ist es nicht verwunderlich, wenn Kritiker vor dem Abschluss warnen. Der Schutz wäre unzureichend, weil ein beispielsweise querschnittsgelähmtes Kind, das im Rollstuhl am Unterricht teilnimmt, keine Leistungen aus der Versicherung erhalten würde (Quelle: Bund der Versicherten (BDV)).

Befürworter der Schulunfähigkeitsversicherung halten dagegen:

  1. Natürlich ist die Wahrscheinlichkeit einer Schulunfähigkeit gering. Einem betroffenen Kind hilft diese Statistik jedoch nicht.
  2. Die Schulunfähigkeitsversicherung kann schon sehr frühzeitig abgeschlossen werden – bei der „Nürnberger Kindervorsorge“ mit Schulbeginn, bei der AXA für Kinder ab 8 Jahren.
  3. In jungen Jahren haben Kinder selten schon Vorerkrankungen oder Freizeitrisiken, so dass die Versicherung meist noch ohne Risikozuschläge oder Leistungsausschlüsse abgeschlossen werden kann.
  4. Und es gibt eine Option zum späteren Wechsel in eine Berufsunfähigkeitsversicherung ohne erneute oder zumindest mit vereinfachter Gesundheitsprüfung.

Auch diese Hinweise sind durchaus berechtigt.

Das größte Problem der Schulunfähigkeitsversicherung zeigt sich, wenn später der Wechsel in eine vollwertige Berufsunfähigkeitsversicherung erfolgen soll.

Was sind die Fallstricke beim Wechsel

Bei flüchtiger Betrachtungsweise scheinen sich Schul- und Berufsunfähigkeitsversicherung für Schüler sehr ähnlich zu sein. Doch der Scheint trügt. Denn bei Schulunfähigkeitsversicherungen muss irgendwann ein Tarifwechsel erfolgen. Anderenfalls endet der Vertrag oder geht in eine unbefriedigende Erwerbsunfähigkeitsversicherung über.

Bei der AXA muss die Aufnahme einer Berufsausbildung, eines Studiums oder einer beruflichen Tätigkeit nachgemeldet werden. Danach erfolgt eine neue Einstufung der Berufsgruppe mit entsprechender Beitragsanpassung – bei fristgerechter Nachmeldung innerhalb von 6 Monaten auch ohne erneute Gesundheitsprüfung. Erfolgt keine Meldung endet der Vertrag.

Die Nürnberger bietet den Wechsel in eine echte Berufsunfähigkeitsversicherung – angeblich ohne erneute Risikoprüfung – innerhalb einer Frist von 6 Monaten nach

  • erstmaligem Wechsel auf eine weiterführende Schule,
  • Beginn einer Berufsausbildung,
  • Berufseintritt oder
  • Aufnahme eines Studiums

der versicherten Person an.

Der Teufel steckt auch hier im Detail. Denn der Tarifwechsel ist bedingungsgemäß nur möglich, wenn die versicherte Person innerhalb der letzten 12 Monate nicht länger als 2 Wochen durchgehend krankgeschrieben war. War also ein Schüler im letzten Jahr seiner Grundschulzeit länger krankgeschrieben, wird der Wechsel erst viele Jahre später als Auszubildender oder Berufsanfänger mit entsprechender Berufsgruppeneinstufung möglich. Dauerhaft günstige Beiträge lassen sich so – insbesondere bei angestrebten Berufen mit körperlich oder psychisch anstrengenden Tätigkeiten – nicht sichern.

Wird Ihnen für Ihr Kind eine Schulunfähigkeitsversicherung angeboten, so fragen Sie:

  • Welcher Beitrag nach dem Tarifwechsel für die dann ausgeübte Tätigkeit verlangt?
  • Versichert die Versicherungsgesellschaft den dann ausgeübten Beruf überhaupt und falls ja, auch bis zur erforderlichen Versicherungsdauer?
  • Wie wirken sich vor dem Tarifwechsel aufgenommene Hobbys (Berg-, Flug-, Kampf-, Motor-, Reit-, Tauch-, Wasser- oder Wintersport) auf den Beitrag aus?
  • Was passiert, wenn die Voraussetzungen für den Tarifwechsel oder die vorgeschriebenen Fristen nicht erfüllt bzw. eingehalten werden können?

Dann merken Sie, wie unsicher die Wechseloption ist. In den meisten Fällen dürfte es sinnvoller sein, gleich eine vollwertige Berufsunfähigkeitsversicherungen für Kinder abzuschließen – zumal dies schon für Schüler ab 10 Jahren möglich ist.

Vor- und Nachteile einer Schulunfähigkeitsversicherung

Schulunfähigkeitsversicherung

Abschluss ist schon nach Schulbeginn möglich.

Versicherungsdauer ist bis 67. Lebensjahr wählbar.

Leistung erfolgt bei Schul- bzw. später bei Erwerbsunfähigkeit.

Spätestens nach Berufsstart ist ein Tarifwechsel (ohne bzw. mit vereinfachter Gesundheitsprüfung) erforderlich.

Nach Tarifwechsel gelten neue, derzeit unbekannte Versicherungsbedingungen.

Reduzierung der Vertragsdauer kann erforderlich werden, wenn ein Risikoberuf angestrebt wird.

Beiträge ändern sich bei Tarifwechsel entsprechend dem dann ausgeübten Beruf und eventueller Hobbys.

BU-Versicherung für Schüler

Abschluss ist erst für Schüler ab 10 Jahren möglich.

Versicherungsdauer ist bis 67. Lebensjahr wählbar.

Leistung erfolgt ab 50 % Berufsunfähigkeit, die Tätigkeit eines Schülers zählt als Beruf.

Es ist kein Tarifwechsel erforderlich.

Versicherungsbedingungen bleiben gültig, da kein Tarifwechsel erfolgen muss.

Vertragsdauer bleibt gültig, da kein Tarifwechsel erfolgen muss.

Beiträge bleiben gültig, da kein Tarifwechsel erfolgen muss.

Eine Schulunfähigkeitsversicherung kann schon zur Einschulung abgeschlossen werden. Der später erforderliche Tarifwechsel birgt jedoch viele Risiken in sich. Da es heute schon mehrere Berufsunfähigkeitsversicherungen für Kinder ab 10 Jahren gibt, hat die Schulunfähigkeitsversicherung an Bedeutung verloren. Sie ist bestenfalls noch als Übergangslösung interessant, falls Eltern ihr Kind auch zwischen Schulanfang und Vollendung des 10. Lebensjahres absichern wollen. Danach ist eine echte BU-Absicherung mit Nachversicherungsgarantie die eindeutig bessere Wahl. Wir beraten Sie gern.

Wie viel kostet eine BU-Versicherung für Ihr Kind?

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