Zeigt die BU-Leistungsquote faire und leistungsfreudige Versicherer?

leistungsfreudige Versicherer

aktualisiert am 01.08.2021

Wer berufsunfähig wird und eine BU-Rente beantragt, ist auf einen faire Leistungsprüfung angewiesen. Während einige Versicherungsvermittler die Fairness eines BU-Versicherers an der Prozessquote ablesen wollen, schwören andere auf die BU-Leistungsquote. Sie stellt das Verhältnis der anerkannten Leistungsfälle zu den beantragten Leistungsfällen dar. Doch bei genauer Betrachtung zeigt sich, wie gering die Aussagekraft dieser Quoten ist.

Die BU-Leistungsquote und ihre Mankos

Ganz gleich, wer die BU-Leistungsquote ermitteln will – er ist auf die Zuarbeit der Versicherer angewiesen. Denn offizielle Zahlen gibt es weder zu den beantragten, noch zu den anerkannten Leistungsfällen. Und hier beginnen die Fragen. Ab wann betrachtet ein Versicherer eine BU-Leistung als beantragt – mit dem ersten Anfordern der Formulare für den Leistungsantrag, dem Zurücksenden der ausgefüllten Formulare oder erst nach Einreichung aller nachgeforderten Unterlagen und Gutachten?

Es ist auch wenig überzeugend, dass die Leistungsquote „nach Versicherer“ ermittelt wird. Es gibt viele Versicherungsgesellschaften, die einen Basistarif mit eher unbefriedigenden Versicherungsbedingungen und zusätzlich noch ein oder mehrere Komfort- oder Premiumtarife mit vielen Leistungserweiterungen anbieten. Es liegt in der Natur der Sache, dass bei einem Basistarif Leistungen öfters abgelehnt werden. Deshalb vergleichen wir ja die Versicherungsbedingungen. Aber was nützt eine Leistungsquote, die alle Berufsunfähigkeitsversicherungen einer Gesellschaft „über einen Kamm schert“?

Und was sagen selbst anerkannte Leistungsfälle zu folgenden Fragen aus:

  • Wurde die Leistungspflicht schnell und unbürokratisch oder erst nach jahrelangem Rechtsstreit anerkannt?
  • Erfolgten die Zahlungen in vereinbarter Höhe oder erst im Rahmen eines Vergleichs in reduzierter Form?
  • Wurden die Leistungen unbefristet anerkannt oder nur zeitlich befristet, so dass der eigentliche Ärger erst später beginnt?
  • Handelt es sich um echte BU-Renten oder verfälschen befristete Leistungen entsprechend einer Arbeitsunfähigkeitsklausel die Statistik?
  • Ändert sich das Leistungsverhalten und damit die Leistungsquote, wenn es sich um versicherte BU-Renten in angemessener Höhe handelt und ledigliche BUZ-Beitragbefreiungen bei Lebens- und Rentenversicherungen oder Minirenten unberücksichtigt bleiben?

Was sagt uns also eine so ermittelte BU-Leistungsquote? Richtig – gar nichts. Lediglich Versicherer mit (zufällig) hoher Leistungsquote nutzen dies für ihre Werbung. Und Unternehmen mit niedriger Prozessquote werben eben lieber mit dieser. Trotzdem wollen wir Ihnen die BU-Leistungsquoten nicht vorenthalten.

BU-Leistungsquoten 2015 - 2021 (Anzahl anerkannter Leistungsfälle zu beantragten Leistungsfällen):

Dabei handelt es sich um Durchschnittswerte der letzten 3 Jahre. „Stand 2021“ repräsentiert also den Durchschnitt der Jahre 2018 bis 2020.

Gesellschaft Stand 2015 Stand 2016 Stand 2017 Stand 2018 Stand 2019 Stand 2020 Stand 2021
Allianz 84,2 % 82,3 % 82,2 % 82,5 % 83,0 % 83,5 % 84,2 %
Alte Leipziger 73,2 % 73,5 % 74,7 % 76,3 % 77,2 % 76,8 % 76,1 %
AXA 80,7 % 82,3 % 82,9 % 84,2 % 84,9 % 84,4 % 83,7 %
Barmenia 72,7 % 68,2 % 65,6 % 65,4 % 69,2 % 69,8 % 70,0 %
Basler 70,1 % 74,7 % 75,8 % 76,0 % 74,0 % 72,0 % 71,6 %
Condor 92,3 % 90,3 % 93,0 % 93,1 % 94,2 % 92,6 % 91,8 %
Continentale 72,6 % 71,5 % 73,2 % 74,9 % 75,5 % 74,0 % 72,0 %
CosmosDirekt 70,1 % 73,1 % 76,0 % 77,5 % 78,2 % 78,2 % 82,1 %
Dialog 66,6 % 77,9 % 72,9 % 71,4 % 71,1 % 71,1 % 71,5 %
die Bayerische 56,6 % 66,2 % 65,0 % 65,8 % 68,9 % 70,5 % 70,3 %
Ergo ? ? ? 79,2 % 75,2 % 75,1 % 73,8 %
Gothaer 69,8 % 74,4 % 78,5 % 78,1 % 81,8 % 78,2 % 76,8 %
Hannoversche Leben 69,7 % 75,3 % 77,3 % 75,0 % 78,4 % 80,3 % 82,2 %
HDI 84,6 % 80,9 % 82,1 % 84,3 % 86,6 % 85,7 % 84,4 %
HUK-COBURG 68,6 % 68,1 % 70,1 % 73,1 % ? 77,4 % 78,9 %
InterRisk 57,9 % 58,3 % 50,0 % 52,9 % 53,7 % 62,8 % 63,0 %
LV 1871 61,1 % 71,1 % 73,5 % 77,0 % 77,3 % 80,7 % 82,6 %
Nürnberger 65,2 % 70,1 % 72,7 % 73,5 % 73,9 % 76,9 % 78,6 %
Stuttgarter 66,5 % 71,9 % 77,6 % 84,6 % 80,5 % 74,4 % 66,5 %
Swiss Life 77,6 % 74,2 % 77,1 % 79,1 % 79,3 % 77,9 % 78,3 %
Volkswohl Bund 76,8 % 72,4 % 72,5 % 74,5 % 74,2 % 75,8 % 81,6 %
Württembergische 80,1 % 83,2 % 84,8 % 84,6 % 83,9 % 83,6 % 84,4 %
WWK 64,8 % 68,5 % 65,7 % 67,8 % 70,7 % ? ?
Zurich 65,1 % 71,7 % 73,8 % 74,8 % 77,1 % 77,0 % 75,6 %
Quelle: eigene Recherchen in Print- und Onlinemedien sowie Veröffentlichungen der Versicherer

Übrigens:

Wer aus der vorstehenden Tabelle den Versicherer mit der höchsten Leistungsquote auswählt, entscheidet sich damit automatisch auch für den Versicherer mit einer der höchsten BU-Prozessquoten. Das sollte uns nachdenklich stimmen.

Denn weder Prozess- noch Leistungsquoten lassen faire oder leistungsfreudige Versicherer erkennen. Außerdem handelt es sich bei diesen Quoten um Vergangenheitswerte, die keinerlei Rückschlüsse auf das Leistungsverhalten einer Gesellschaft in 10, 20 oder 30 Jahren zulassen. Betrachten Sie nur die teilweise drastischen Veränderungen innerhalb weniger Jahre. Dagegen laufen Berufsunfähigkeitsversicherungen für Studenten und andere junge Leute meist über 40 Jahre und mehr.

Achten Sie besser auf optimale Versicherungsbedingungen. Diese bleiben während der gesamten Vertragsdauer gültig und können notfalls auch eingeklagt werden – das Einhalten von Leistungsquoten nicht!

Mit dem von uns entwickelten Vergleich können Sie nicht nur die Beiträge vergleichen, sondern auch gewünschte Leistungserweiterungen auswählen. Nehmen Sie sich diese Zeit. Denn nur wer mögliche Leistungserweiterungen in den Versicherungsbedingungen kennt, kann diese einfordern oder bewusst darauf verzichten.

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2 Kommentare:
Gerd Kemnitz schreibt am 01.10.2017:
Das Thema „BU-Leistungsquote“ wurde inzwischen auch auf meiner Facebook-Seite diskutiert. Der Stellungnahme von Morgen & Morgen zeigt, dass:
  • das Analysehaus die Zahlen zur Bestimmung der Quote bei den Versicherern abfragt und sich auf diese Angaben verlassen muss,
  • bei der Ermittlung der Leistungsquote auch BU-Zusatzversicherungen mit BU-Minirenten oder lediglicher BU-Beitragsbefreiung berücksichtigt werden und das Ergebnis verfälschen können,
  • Leistungsanträge, bei denen der Versicherte nach ständigen Nachforderungen (Unterlagen, Gutachten) resigniert, gar nicht in die Leistungsquote einfließen,
  • alle bewilligten Leistungsanträge positiv gewertet werden – auch wenn diese zunächst abgelehnt und erst nach Widerspruch (oder Gerichtsurteil) bewilligt wurden,
  • selbst befristete Leistungen und vermutlich auch Leistungen auf Grund einer AU-Klausel die Leistungsquote erhöhen. Dies würde erklären, warum die Versicherungsgesellschaft mit jahrelanger AU-Klausel den Spitzenplatz belegt.
Dadurch fühle ich mich in meiner kritischen Meinung zur Aussagekraft der Quoten bestätigt!
Frank Dietrich schreibt am 06.10.2017:
Sehr gut! Ich denke, dass dieser Austausch mit Morgen und Morgen klar belegt, wie intransparent die gemachten Behauptungen/Angaben denn doch eigentlich sind. Man fragt nicht detailliert genug, um zu erkennen, wie sich eine Leistungsquote beim Versicherer zusammensetzt. Aus diesem Grunde muss die Zahl der Leistungsregulierung, durchschnittlich bei über 70 % von den Ratingunternehmen, zumindest angezweifelt werden.
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