Welche BU ist die beste?

erstellt am 12.04.2018

Das Analysehaus Franke und Bornberg, der Nachrichtensender N-TV und das Deutsche Institut für Service-Qualität (DISQ) haben nach eigenen Angaben die besten Versicherungen in verschiedenen Kategorien herausgefunden und ausgezeichnet – darunter auch in der Kategorie Arbeitskraftabsicherung die angeblich „beste Berufsunfähigkeitsversicherung“. Aber wie sinnvoll ist eine solche Auszeichnung und wem hilft sie?

Ziel und Zweck der Ehrung

Versicherungsprodukte – und hier macht die Berufsunfähigkeitsversicherung keine Ausnahme – haben eine Besonderheit. Sie haben keine Gewährleistungsfrist und nach dem Erwerb nutzt man sie in der Regel auch nicht sofort. Eventuelle Mängel zeigen sich erst Jahre später im Schadensfall. Deshalb ist es gut und richtig, wenn qualifizierte und unabhängige Institutionen Versicherungstarife transparent und nachvollziehbar auf Herz und Nieren prüfen.

Das Deutsche Institut für Service-Qualität schreibt auf seiner Website zum Ziel der Awards:

Risikoschutz und Vorsorge werden hierzulande großgeschrieben. Umso wichtiger sind Entscheidungshilfen für den Verbraucher, wie der erstmalig vergebene Award „Deutschlands Beste Versicherungen“.

Der verliehene Preis soll also dem Verbraucher helfen, sich für die richtige (beste) BU-Versicherung zu entscheiden. Das sehe ich kritisch! Kann der Verbraucher dieser Auszeichnung vertrauen? Schließlich gab es auch schon andere missglückte Tests zu Berufsunfähigkeitsversicherungen.

Kann es „die beste BU“ überhaupt geben?

Bei meinen Online-Beratungen stelle ich immer wieder fest: den Verbraucher im Sinne eines Musterkunden gibt es nicht. Jeder Interessent hat seine Besonderheiten bezüglich

  • seiner aktuellen Berufstätigkeit und Berufsziele,
  • seinen Anforderungen an seinen BU-Schutz,
  • eventuell vorhandener, risikorelevanter Hobbys und
  • seiner Vorerkrankungen.

Jeder benötigt seine individuelle Beratung. Und jeder BU-Tarif hat seine eigenen, ganz speziellen

  • Bedingungen,
  • Annahmerichtlinien und
  • Prämienkalkulationen.

Sie merken es schon – es kann gar keine beste Berufsunfähigkeitsversicherung geben, ohne die individuellen Besonderheiten der zu versichernden Person zu berücksichtigen. Und dies bestätigt sich auch regelmäßig in der Praxis.

Wie sinnvoll ist der Titel „beste Berufsunfähigkeitsversicherung“?

Die Auszeichnung „beste Berufsunfähigkeitsversicherung“ erhielt die Zurich. Ich könnte mich jetzt entspannt zurücklehnen, denn auch dieser BU-Tarif ist in unserem Vergleich enthalten. Aber diese Auszeichnung ist für mich nicht nachvollziehbar. Die Ergebnisse aus dem Beratungsalltag spiegeln dies so nicht wider.

Wenn ich dies nachfolgend mit Fakten belege, geht es mir keinesfalls darum, die Berufsunfähigkeitsversicherung der Zurich schlechtzureden. Aber ich kann den Unsinn der Auszeichnung nur verdeutlichen, indem ich auch einzelne Mankos des ausgezeichneten Tarifs aufzeige.

  • Schüler und Studenten können hier keinen BU-Schutz vereinbaren. Die Annahmerichtlinien sehen für diese jungen Leute nur eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung vor. Nach Beginn einer Berufstätigkeit kann diese zwar in eine Berufsunfähigkeitsversicherung umgewandelt werden – aber nur ohne erneute Gesundheitsprüfung, nicht ohne Prüfung des dann ausgeübten Berufs! Außerdem geht durch die Beitragsneuberechnung der Beitragsvorteil verloren, den man normalerweise bei einem Abschluss in jungen Jahren erhält.
  • Bei Auszubildenden wird erst ab dem letzten Ausbildungsjahr auf die abstrakte Verweisung verzichtet. Außerdem wird selbst im Falle einer Berufsunfähigkeit im letzten Jahr der Ausbildung im Rahmen einer konkreten Verweisung die Lebensstellung des Azubis herangezogen. Andere Versicherer berücksichtigen dann die Lebensstellung, die normalerweise mit dem erfolgreichen Abschluss der Berufsausbildung erreicht wird.

Damit scheidet die angeblich so gute Berufsunfähigkeitsversicherung für einen großen Teil junger Menschen aus. Aber die BU-Versicherung sollte man bekanntlich so früh wie möglich abschließen. Kann man einen solchen Tarif allein unter diesem Gesichtspunkt als besten bezeichnen?

Auch bezüglich der Umorganisationsklausel für Selbstständige gibt es deutlich günstigere Regelungen.

Übersicht der angeblich besten Arbeitskraftabsicherungen
Quelle: Deutsches Institut für Service-Qualität

Wie nachvollziehbar ist die Auszeichnung?

Nun passiert es ja häufiger, dass verschiedene Fachleute zu bestimmten Punkten unterschiedliche Ansichten haben. Vielleicht haben die Kollegen von Franke und Bornberg, N-TV und DISQ diese Gruppe der Jugendlichen einfach übersehen und andere Kriterien in die Bewertung einbezogen.

Welche Kriterien wurden also herangezogen wurden? Das DISQ schreibt auf seiner Website:

Die Produktanalyse führte Franke und Bornberg anhand von über 5.400 Untersuchungsdetails durch, wobei Qualität sowie Preise und Leistungen der Produkte die Bewertungsgrundlage bildeten.

Weitere Informationen gibt es nicht. Natürlich klingt „5.400 Untersuchungsdetails“ zunächst gewaltig. Diese verteilen sich jedoch auf Fahrzeug- und Rechtsschutzversicherungen, Krankenvoll- und Zusatzversicherungen, Reise- und Unfallversicherungen, Arbeitskraftabsicherungen und viele andere. Weder Versicherungsmakler noch Verbraucher erfahren, welche Untersuchungsdetails mit welcher Gewichtung in die Bewertung einflossen und ob vielleicht für den einzelnen Verbraucher wichtige Kriterien unberücksichtigt blieben. Es bleibt somit ein Geheimnis, warum gerade dieser Tarif den Award bekommen hat. Transparenz und Nachvollziehbarkeit sehen anders aus. Dies hilft keinem Verbraucher.

Böse Zungen könnten behaupten, dieser Award dient nur der Versicherungsbranche. Es gibt wieder einige Versicherungsgesellschaften mehr, die mit einer zweifelhaften Auszeichnung werben können. Und erstaunlicherweise werden Berufsunfähigkeitsversicherungen, die sich in unseren täglichen Beratungen durchaus öfters als Favoriten herausstellen, hier gar nicht erwähnt. Warum macht sich die Versicherungsbranche mit derartigen Aktionen selbst unglaubwürdig?

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1 Kommentar:
Frank Dietrich schreibt am 13.04.2018:

Beste gibt es nicht, sonst wären wir alle 08/15. Betrachtet man die Ratingkriterien, sind zum Teil nicht greifbar. Eine BU Kompetenz belegt die Häufigkeit der Nachfrage des Versicherers, wenn der Kunde sich nicht meldet. Hätten sie das gewusst lieber Leser? Auch habe ich in dem anderen Teil Software schon gelesen, dass Mahnkosten verglichen werden. Interessanterweise aber werden nicht die Leistungen miteinander auf fachlich entsprechend hohem Niveau verglichen. Nicht die Menge der Details ist wichtig, sondern deren Qualität und Bewertung. Die am Markt gelieferten Vergleiche sind definitiv unsinnig und pure Haftungsfallen. Verbraucherzentralen die damit arbeiten, haften aber nicht für die nicht selbst recherchierten Daten. Das ist auch ein Grundsatzproblem.

Habe mir gerade eben noch mal die ersten Plätze des Ratings angeguckt. Eigentlich müsste man nach dem Preis fragen, der für die Plätze bezahlt wurde, denn meines Erachtens ist das auf Leistungsniveau nicht ansatzweise nachvollziehbar. Interessanterweise bietet die Allianz in verschiedenen signifikanten Punkten ihrer Angebote unterschiedliche Bestimmungen an. Da wir aber hier bei Ratingunternehmen sind, sind Unterschiede alle gleich - oder wie erklärt man sich gleiche Bewertung bei unterschiedlichen Inhalten? Auch dieser Verbraucher-Informant haftet nicht.

Und welche Erfahrungen haben andere Maklerkollegen? Schreiben Sie einen Kommentar.

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