Zeigt die BU-Leistungsquote faire und leistungsfreudige Versicherer?

leistungsfreudige Versicherer

zuletzt aktualisiert am 23.08.2017

Während einige Versicherungsvermittler die Fairness eines BU-Versicherers an der Prozessquote ablesen wollen, schwören andere auf die BU-Leistungsquote. Sie stellt das Verhältnis der anerkannten Leistungsfälle zu den beantragten Leistungsfällen dar. Doch bei genauer Betrachtung zeigt sich, wie nichtssagend ein Vergleich dieser Quoten ist.

Die BU-Leistungsquote lässt sich nur sinnvoll vergleichen, wenn sie nach einheitlichen Richtlinien berechnet wird.

Ganz gleich, wer die BU-Leistungsquote ermitteln will – er ist auf die Zuarbeit der Versicherer angewiesen. Denn offizielle Zahlen gibt es weder zu den beantragten, noch zu den anerkannten Leistungsfällen. Und hier beginnen die Fragen. Ab wann betrachtet ein Versicherer eine BU-Leistung als beantragt – mit dem ersten Anfordern der Formulare für den Leistungsantrag, dem Zurücksenden der ausgefüllten Formulare oder erst nach Einreichung aller nachgeforderten Unterlagen und Gutachten? Wie werden Leistungsanträge gewertet, die zwar im betreffenden Jahr gestellt aber erst in den folgenden Jahren anerkannt oder abgelehnt werden?

Und was sagen selbst anerkannte Leistungsfälle zu folgenden Fragen aus:

  • Wurde die Leistungspflicht schnell und unbürokratisch oder erst nach jahrelangem Rechtsstreit anerkannt?
  • Erfolgten die Zahlungen in vereinbarter Höhe oder erst im Rahmen eines Vergleichs in reduzierter Form?
  • Wurden die Leistungen unbefristet anerkannt oder nur zeitlich befristet, so dass der eigentliche Ärger erst später beginnt?
  • Handelt es sich überhaupt um eine echte BU-Rente oder um eine befristete Rente nach 6-monatiger Arbeitsunfähigkeit?
  • Ändert sich das Leistungsverhalten und damit die Leistungsquote, wenn es sich um versicherte BU-Renten in angemessener Höhe handelt und ledigliche BU-Beitragbefreiungen bei Lebens- und Rentenversicherungen oder Minirenten unberücksichtigt bleiben?

Was sagt uns also eine so ermittelte BU-Leistungsquote? Richtig – gar nichts. Lediglich Versicherer mit (zufällig) hoher Leistungsquote nutzen dies für ihre Werbung. Und Versicherer mit niedriger Leistungs- und Prozessquote werben eben lieber mit der BU-Prozessquote.

Trotzdem wollen wir Ihnen die BU-Leistungsquoten nicht vorenthalten (Quelle: Morgen und Morgen):

Gesellschaft BU-Leistungsquote
Stand: 04/2015
BU-Leistungsquote
Stand: 04/2016
BU-Leistungsquote
Stand: 05/2017
Allianz 84,2 % 82,3 % 82,2 %
Alte Leipziger 73,2 % 73,5 % 74,7 %
AXA 80,7 % 82,3 % 82,9 %
Barmenia 72,7 % 68,2 % 65,6 %
Condor 92,3 % 90,3 % 93,0 %
Continentale 72,6 % 71,5 % 73,2 %
Dialog 66,6 % 77,9 % 72,9 %
die Bayerische 56,6 % 66,2 % 65,0 %
Gothaer 69,8 % 74,4 % 78,5 %
Hannoversche Leben 69,7 % 75,3 % 77,3 %
HDI 84,6 % 80,9 % 82,1 %
HUK24 68,6 % 68,1 % 70,1 %
InterRisk 57,9 % 58,3 % 50,0 %
LV 1871 61,1 % 71,1 % 73,5 %
Nürnberger 65,2 % 70,1 % 72,7 %
Stuttgarter 66,5 % 71,9 % 77,6 %
Swiss Life 77,6 % 74,2 % 77,1 %
UniVersa ??? ??? ???
Volkswohl Bund 76,8 % 72,4 % 72,5 %
Württembergische 80,1 % 83,2 % 84,8 %
WWK 64,8 % 68,5 % 65,7 %
Zurich 65,1 % 71,7 % 73,8 %
unser Tipp

Weder Prozess- noch Leistungsquoten können die Fairness eines Versicherers im Leistungsfall ausdrücken. Außerdem handelt es sich um Vergangenheitswerte, die keinerlei Rückschlüsse auf das Leistungsverhalten einer Gesellschaft in 10, 20 oder gar 30 Jahren zulassen. Betrachten Sie nur die teilweise drastischen Veränderungen innerhalb weniger Jahre.

Achten Sie besser auf optimale Versicherungsbedingungen. Diese bleiben während der gesamten Vertragsdauer gültig und können notfalls auch eingeklagt werden – das Einhalten von Leistungsquoten dagegen nicht! Deshalb können Sie mit unserem Vergleich nicht nur die Beiträge, sondern auch die Versicherungsbedingungen vergleichen.

Aber Sie können sich von uns auch ausführlich beraten lassen!

2 Kommentare:
Gerd Kemnitz schreibt am 01.10.2017:
Das Thema „BU-Leistungsquote“ wurde inzwischen auch auf meiner Facebook-Seite diskutiert. Der Stellungnahme von Morgen & Morgen zeigt, dass:
  • das Analysehaus die Zahlen zur Bestimmung der Quote bei den Versicherern abfragt und sich auf diese Angaben verlassen muss,
  • bei der Ermittlung der Leistungsquote auch BU-Zusatzversicherungen mit BU-Minirenten oder lediglicher BU-Beitragsbefreiung berücksichtigt werden und das Ergebnis verfälschen können,
  • Leistungsanträge, bei denen der Versicherte nach ständigen Nachforderungen (Unterlagen, Gutachten) resigniert, gar nicht in die Leistungsquote einfließen,
  • alle bewilligten Leistungsanträge positiv gewertet werden – auch wenn diese zunächst abgelehnt und erst nach Widerspruch (oder Gerichtsurteil) bewilligt wurden,
  • selbst befristete Leistungen und vermutlich auch Leistungen auf Grund einer AU-Klausel die Leistungsquote erhöhen. Dies würde erklären, warum der Versicherer mit jahrelanger AU-Klausel den Spitzenplatz belegt.
Dadurch fühle ich mich in meiner Kritik bestätigt!
Frank Dietrich schreibt am 06.10.2017:
Sehr gut! Ich denke, dass dieser Austausch mit Morgen und Morgen klar belegt, wie intransparent die gemachten Behauptungen/Angaben denn doch eigentlich sind. Man fragt nicht detailliert genug, um zu erkennen, wie sich eine Leistungsquote beim Versicherer zusammensetzt. Aus diesem Grunde muss die Zahl der Leistungsregulierung, durchschnittlich bei über 70 % von den Ratingunternehmen, zumindest angezweifelt werden.
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